kalaydo.de Anzeigen

Deutsche Bahn: Mehdorn besteht auf seinen Millionen

Fünf Millionen Euro Abfindung will Bahnchef Mehdorn nicht, die fünf Millionen aber schon. Er bezeichnet sie lieber als Vertragserfüllung. Weitere Managerposten sind wackelig. Von Thomas Wüpper

Hat gut Lachen: Der gescheiterte Bahnchef Hartmut Mehdorn bezieht noch zwei Jahresgehälter, insgesamt 4,9 Millionen Euro.
Hat gut Lachen: Der gescheiterte Bahnchef Hartmut Mehdorn bezieht noch zwei Jahresgehälter, insgesamt 4,9 Millionen Euro.
Foto: dpa

Berlin. Abfindung oder Vertragserfüllung? Unterm Strich ist das Ergebnis gleich: Der wegen des Schnüffelskandals gestürzte Bahnchef Hartmut Mehdorn bekäme nach seinem Abtritt nochmal fast fünf Millionen Euro.

In der Bild-Zeitung lehnt Mehdorn eine Abfindung ab, die Berichte ins Gespräch gebracht hatten. Stattdessen sagt er: "Ich habe einen Vertrag mit der Bahn, und der muss erfüllt werden. Nicht mehr und nicht weniger." Mehdorns Abkommen bei der Bahn wäre ursprünglich bis Mai 2011 gelaufen. Demnach stünden dem Manager 4,9 Millionen Euro zu. Als Betrag für eine Abfindung wurden fast fünf Millionen Euro genannt.

Ob Mehdorn der einzige Bahnmanager bleibt, dessen Vertrag aufgelöst wird, ist offen. Weitere personelle Konsequenzen werden nicht mehr ausgeschlossen.

Mehdorns 57-jähriger Nachfolger Rüdiger Grube will den Skandal in den ersten vier Wochen seiner Amtszeit "schnell und bedingungslos" aufklären. Der bisherige Daimler-Manager und ehemalige Büroleiter Mehdorns beim Flugzeugbauer Airbus übernimmt den Chefposten der Bahn nach einer Aufsichtsratsentscheidung vom Samstag am 1. Mai.

Sechs Gründe, warum Mehdorn bei der Bahn gehen musste

Bildergalerie ( 6 Bilder )

Erst auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Mehdorn Ende März sein Amt zur Verfügung gestellt. Sein Vertrag läuft noch bis Mai 2011. Der 66-jährige Manager verdiente in den vergangenen drei Jahren insgesamt fast acht Millionen Euro.

Die Bundesregierung hatte den Manager in den vergangenen Wochen "zur Mäßigung" aufgefordert. Hohe Abfindungen, Boni und Gehälter selbst für Manager, die versagt haben, sorgen seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise beim Wähler mehr denn je für Empörung.

Transnet-Vorsitzender Alexander Kirchner, der auch Vizechef des Aufsichtsrats ist, erklärte nach der Ausichtsratssitzung, Mehdorn erhalte "keine Sonderzahlungen", sondern "nur das, was ihm zusteht". Der Vertrag werde erfüllt, "nicht mehr und nicht weniger". Die Bahn müsse endlich aus den Schlagzeilen heraus.

Gemeinsam mit seinem Kollegen von der Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, schloss Kirchner "weitere personelle Konsequenzen" im Konzern nicht aus. Es sei begrüßenswert, dass der neue Bahnchef Grube "die unsägliche Daten-Affäre lückenlos aufklären lassen will". Das Vertrauen der Belegschaft müsse wiedergewonnen werden. Der Konzern brauche "neue Strukturen, die davon geprägt sind, dass man Vertrauen in die Mitarbeiter hat und sie nicht ständig kontrolliert".

Festlicher Abschied

Im Mai wollen die Sonderermittler Gerhart Baum (FDP) und Herta Däubler-Gmelin (SPD), die seit Monaten Mitarbeiter im Konzern vernehmen und Unterlagen prüfen, ihre Ergebnisse vorlegen. Inwieweit der bisherige Bahnchef von den zahlreichen Spitzel- und Überwachungsaktionen gegen Mitarbeiter, Führungskräfte und deren Angehörige wusste, ist bisher unklar. Der Konzern streitet ab, dass Vorstände über das Spitzelsystem informiert waren, das angeblich nur der Korruptionsbekämpfung gedient haben soll.

Mehdorn kann offenbar ungeachtet der Ergebnisse der Sonderermittler mit einem ehrenvollen Abschied rechnen. Bahn-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Müller dankte ihm nach der Sitzung des Kontrollgremiums ausdrücklich.

Der Manager habe "eine Ära geprägt und sich bleibende Verdienste erworben". Am 25. Mai soll Mehdorn im Technikmuseum in Berlin festlich verabschiedet werden. Mehdorn leitete die Bahn fast zehn Jahre.

Autor:  THOMAS WÜPPER
Datum:  27 | 4 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Spezial

Das Land Hessen entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Was steckt dahinter?

Spezial

Unicef und ihr Umgang mit Spendengeld - die FR-Recherchen führten zum Rücktritt von Geschäftsführung und Vorstand.