Erfolg macht überheblich, dafür ist Apple ein trefflicher Beweis. Unliebsame Konkurrenten, jüngst das koreanische Samsung, werden mit Klagen überzogen. Offensichtliche Fehler am Produkt werden nur notdürftig behoben – wie die Antennenfehlfunktion beim iPhone. Und nun ignoriert Apple auch noch die berechtigten Fragen, warum das iPhone genaue Bewegungsprofile monatelang speichert – und warum sie so schlecht geschützt sind.
Das verstärkt den Eindruck, dass Apple die Käufer seiner Produkte nicht nur mit rigider Software einengt, sondern deren Daten geradezu kleptomanisch zusammenträgt. Apple hatte jüngst den Big Brother Award erhalten, mit dem die schlimmsten Datenkraken ausgezeichnet werden. Der Grund: Ohne Zustimmung zu den 117 Seiten langen Datenschutzbestimmungen, die Apple weitgehende Rechte einräumen, ist das iPhone quasi wertlos. Was soll’s, mögen sich die Apple-Manager denken. Die wertvollste Technologie-Firma der Welt schlägt einen Umsatzrekord nach dem anderen. Noch ist das iPhone das Maß aller Smartphones, das iPad als Tablet-PC ungeschlagen. In der Firmenzentrale herrscht im Augenblick vor allem die Sorge, den Nachschub an Bauteilen für die neuen Geräte zu organisieren.
Noch. Die Saat des Niedergangs wird immer auf dem Höhepunkt des Erfolges ausgebracht. Womöglich schon bald wird Apple merken, dass auch das beste Image beschädigt werden kann – und dann ist es meist zu spät für Korrekturen. Das bekannteste Beispiel dafür ist Microsoft, dessen Erfolgsgeschichte endete, weil der Konzern die Sorgen seiner Kunden ignorierte und an Arroganz kaum zu überbieten war. Apples Weg führt derzeit genau in diese Richtung.