Jetzt zeigt sich das unglaubliche Ausmaß des Bahn-Skandals: Wenn sich die zahlreichen Indizien bewahrheiten, geht es bei der Bahn nicht mehr um eine Daten-Affäre, sondern um einen Abgrund an systematischer Konzern-Kriminalität. Nicht mehr um Regelübertretungen, sondern um massive Gesetzesverstöße - ausgeführt von der Abteilung Konzernsicherheit, welche direkt dem Vorstand unterstellt ist.
Das System Mehdorn wird nun in seiner ganzen Brutalität sichtbar: Oberstes Ziel war die Privatisierung der Bahn. Wer daran Kritik übte oder vom Management auch nur verdächtigt wurde, dieses Ziel nicht uneingeschränkt zu unterstützen, der geriet in die Mühlen einer konzerninternen Überwachungsmaschinerie, der offenbar auch höchst illegale Mittel recht waren.
Fälschung von Dokumenten und das heimliche Unterschieben belastenden Materials auf Festplatten von Mitarbeitern zum Zweck der Diskreditierung und Kündigung der unliebsamen Angestellten - das hat nicht das Geringste mit Korruptionsbekämpfung zu tun: Hier zeigt sich das hässliche Bild einer übermächtigen Bahn-Stasi, die wenn nicht im Auftrag, dann zumindest mit Rückendeckung der Spitze des Konzerns agierte.
Es ist nicht übertrieben, diesen Überwachungswahn mit DDR-Verhältnissen zu vergleichen. Die Bahn-Schnüffler waren sogar mit der neuesten Technik ausgestattet und konnten schneller und umfassender spitzeln. Seite 21