Alle reden von Rücktritt. Er nicht. Hartmut Mehdorn, das hat der streitbare Chef der Deutschen Bahn am Wochenende erneut klar gemacht, denkt nicht daran, die Konsequenzen aus dem immer monströseren Datenskandal in seinem Unternehmen zu ziehen. Erstens, so entgegnet er seinen Kritikern, sei die Bahn in der Krise gut aufgestellt, und zweitens habe es keine Straftaten gegen.
Die schnoddrige Replik beweist, wie wenig der Chef des bundeseigenen Schienenunternehmens die Tragweite der Schnüffelaffäre überblickt. Und sie zeigt, dass Mehdorn längst Teil des Problems und nicht seiner Lösung ist. Den Imageschaden, den die Bahn durch die massenhafte Überprüfung des E-Mail-Verkehrs seiner Belegschaft und die Unterdrückung eines Streikaufrufs erlitten hat, kann man mit Werbekampagnen kaum ausbügeln. Das Vertrauensverhältnis zu den Gewerkschaften ist zerstört, die Beschäftigten sind empört, die Marke ist schwer beschädigt, die Kunden sind aufs Äußerste befremdet. Ganz gleich, wie viel genau Mehdorn persönlich von den Spitzel-Aktionen wusste: Politisch trägt er die volle Verantwortung dafür.
Auch in der Bundesregierung setzt sich die Erkenntnis durch, dass der als Sanierer geschätzte Manager dem Unternehmen inzwischen mehr schadet, als er ihm nutzt. Alleine der von taktischen Erwägungen geprägte koalitionsinterne Streit über die Nachfolgeregelung könnte Mehdorns Ablösung noch verzögern. Doch Kanzlerin Angela Merkel darf die Entscheidung nicht länger vertagen. Sie muss die Konsequenzen ziehen: Eine Weiche kann man nur so oder so stellen. Hält man sie in der Mitte, entgleist der ganze Zug.