Ein großer blauer Fleck auf Europa, das ist mein Leben. Zumindest im ersten Moment, nachdem ich aus dem Internet das Programm "iPhone-Tracker" geladen und gestartet habe. Der Bildschirm zeigt eine Weltkarte, links im Bild gibt es einen Regler für das Heranzoomen. Mit dessen Hilfe schälen sich aus dem Flecken viele Punkte heraus und eine Spur.
Sie führt an die Ostsee, wo ich im Februar das Ozeaneum in Stralsund besucht habe, zur dänischen Insel Fanø, wo ich im vergangenen August war (sehr schön dort), an die kroatische Küste, wo mein Eltern leben, ins Ruhrgebiet, nach München, Hamburg und Wien, wohin ich in den vergangenen zehn Monaten aus beruflichen oder privaten Gründen gereist bin. Orte, die ich besucht habe, während ich mein iPhone eingeschaltet in der Tasche trug.
Dass Apples Geräte Positionsdaten speichern, war bekannt. Es hat mich nie gestört, weil dieses Verfahren die Lokalisierung von iPhones und iPads verbessert und die Daten anonymisiert gesendet werden. Nun all diese Punkte auf einer Karte eingetragen zu sehen, unter der Überschrift "iPhone Marin Majica", ist jedoch unheimlich. Die Daten lassen sich zudem
animieren: Klickt man die Play-Taste, laufen die Punkte über die Welt und ausgelesen werden dabei absichtlich nur wenige Daten. Gespeichert wurde meine Position noch viel häufiger. So sieht das wohl aus, wenn Polizisten und Geheimdienstler träumen.
Andererseits: Was sagt dieses Bewegungsprofil über mich? Sind diese Daten gefährlich für mich? Ein Witz fällt mir ein, vielleicht um der Umheimlichkeit Herr zu werden: Die Fahrtkostenabrechnung fürs Finanzamt könnte nun eigentlich mein Telefon für mich einreichen. Nicht witzig, ich weiß. Aber ich hätte eine Idee für ein Projekt: mit dem iPhone in der
Tasche herumreisen und so virtuell die Welt bemalen. Mit einem angebissenen Apfel vielleicht.