In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Bank ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht gegen Vorstandschef Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Es hätten sich "keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung" von Ackermann, Börsig und vier weiteren Managern der Deutschen Bank ergeben, erklärte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu in Frankfurt.
Nach Informationen der Frankfurter Rundschau stützt sich die Behörde bei ihren Ergebnissen offenbar ausschließlich auf einen Untersuchungsbericht einer Anwaltskanzlei, den die Deutsche Bank selbst in Auftrag gegeben hat. "Wir haben nur diesen Bericht", bestätigt Möller-Scheu auf Nachfrage. Das von der Bank bei der Kanzlei Cleary Gottlieb in Auftrag gegebene Papier sei die einzige verwertbare Quelle der Staatsanwaltschaft in diesem Fall. Ansonsten seien bislang keine Zeugen befragt oder eigene Erkenntnisse erlangt worden.
Auch die zwei Hauptpersonen in der Affäre - der ehemalige Investor-Relations-Chef Wolfram Schmitt und der ehemalige Sicherheitschef Rafael Schenz - wurden nach FR-Informationen von der Staatsanwaltschaft nicht zu den Vorgängen befragt.
In der Affäre hatten Detektive im Auftrag der Bank mit unlauteren Methoden den missliebigen Aktionär und eigenes Führungspersonal bespitzelt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen von der Bank beauftragten Detektiv. Die Banker Ackermann und Börsig waren von dem bespitzelten Aktionär Michael Bohndorf und den Anwälten des Münchener Medienunternehmers Leo Kirch angezeigt worden.
Die Deutsche Bank war zufrieden mit dem Zwischenergebnis: "Die Staatsanwaltschaft bestätigt unsere Einschätzung, dass es keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung von Vorstands- oder Aufsichtsratsmitgliedern der Deutschen Bank gibt", sagte ein Banksprecher.
Doch der Auslöser der Schnüffelaktion war selbst laut Untersuchungsbericht der Bank eine Äußerung von Aufsichtsratschef Börsig, der mit Hilfe seiner Untergebenen "alles" über den Aktionär Bohndorf herausbekommen wollte.