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18. Januar 2016

Studie zu "Big Data": Deutsche zensieren sich selbst

 Von 
Ein Aufpasser ist gar nicht nötig – in der elektronischen Post findet sich meist nichts Intimes.

Einer Studie zufolge gibt die Mehrheit der Nutzer in E-Mails möglichst wenig Persönliches preis. Die Angst vor Überwachung und das Misstrauen gegenüber staatlichen Stellen ist groß.

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Die Mehrheit der Deutschen zensiert sich selbst, wenn sie E-Mails schreibt oder Textnachrichten verschickt. Dies zeigt eine repräsentative Studie zu Big Data, also der massenhaften Sammlung und Auswertung persönlicher Daten. Mit mehr als 8000 Befragten in acht europäischen Ländern ist die Studie – durchgeführt vom Marktforschungsunternehmen TNS-Infratest im Auftrag des Vodafone Instituts für Gesellschaft und Kommunikation – eine der umfangreichsten, die zu diesem Thema bislang erstellt wurden. Sie macht deutlich, dass die meisten Menschen das Gefühl haben, die Kontrolle über ihre persönlichen Daten verloren zu haben und sich von den bestehenden Gesetzen nur unzureichend geschützt sehen.

So geben 51 Prozent der befragten Europäer an, dass sie es vermeiden, über sehr persönliche Dinge in E-Mails oder Textnachrichten zu schreiben. In Deutschland sind es 56 Prozent. Wie groß zwei Jahre nach den Enthüllungen von Edward Snowden die gefühlte Ohnmacht bezüglich des Zugriffs Dritter auf die persönlichen Daten ist, zeigt sich auch darin, dass nur 17 Prozent der Deutschen überzeugt sind, durch ihr Online-Verhalten und ihre Privatsphäre-Einstellungen die Kontrolle darüber zu haben, welche Informationen über sie gesammelt werden. Von der Politik fühlen sich die Menschen dabei im Stich gelassen: Nur 31 Prozent der Deutschen meinen, dass die bestehenden Gesetze und Regierungen hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre angemessen sind. Europaweit sind es 35 Prozent.

Wenig Vertrauen in den Staat

Das Misstrauen gegenüber staatlichen Stellen ist groß. So gibt nur rund ein Fünftel an, Staat und Regierung bei der Nutzung persönlicher Daten zu vertrauen. Am niedrigsten sind die Werte bei Anbietern von sozialen Netzwerken, denen in Deutschland nur sieben Prozent der Menschen beim Umgang mit persönlichen Daten vertrauen, europaweit sind es elf Prozent.

Deutsche sind der Studie zufolge skeptischer bezüglich der Nutzung persönlicher Daten als Nutzer aus anderen befragten Ländern. Gleichzeitig sind sie aber auch besser informiert.  Foto: obs

Die Deutschen sind dabei im Vergleich zu den anderen befragten Ländern der Nutzung der persönlichen Daten gegenüber skeptischer eingestellt. Zugleich kennen sie sich mit dem Thema besser aus als die befragten Menschen aus Spanien, Frankreich, Italien, Holland, Tschechien, Großbritannien und Irland. So geben 63 Prozent der Deutschen an, dass sie wissen, dass Unternehmen, die Dienste kostenlos anbieten, ihre Daten nutzen, um für die Produkte und Dienste von Drittunternehmen zu werben. Im Durchschnitt der befragten europäischen Länder gibt dies hingegen weniger als die Hälfte an. Wenngleich Missbrauch durch Konzerne und Staat befürchtet wird, sehen die Menschen dabei durchaus Chancen durch die massenhafte Auswertung von persönlichen Daten. So gibt die Mehrheit an, sich wohl dabei zu fühlen, dass Hersteller von Navigationsgeräten die eigenen Daten für Echtzeit-Verkehrsempfehlungen nutzen. Ebenso haben mehr als vier von fünf Befragten nichts dagegen, dass anonymisierte Gesundheitsdaten von Gesundheitseinrichtungen analysiert werden, um die Erkennung und Behandlung von Krankheiten zu verbessern.

Datenverkauf verbieten

Auf strikte Ablehnung stößt hingegen der Verkauf von Daten an Dritte. 45 Prozent der befragten Europäer ist der Ansicht, dass es verboten werden sollte, dass Unternehmen Daten zu Werbe- und Marketingzwecke an Dritte verkaufen. Nur zehn Prozent finden diese gesetzlich erlaubte Praxis akzeptabel. Auch die Datenauswertung von Online-Händlern wird von der überwiegenden Mehrheit kritisch gesehen. So ist nur jeder zehnte Deutsche damit einverstanden, auf Grundlage des bisherigen Einkaufverhaltens individualisierte Aktionsangebote zu bekommen. Weniger als ein Fünftel der Europäer findet es in Ordnung, dass Daten des bisherigen Einkaufverhaltens die Anzeige der Produkte bestimmen. Beides ist im Online-Handel üblich.


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