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Google personalisiert nun auch das Suchverhalten von Nutzern, die nicht mit einem Google-Konto angemeldet sind, sondern vermeintlich anonym surfen. Es wird wohl Zeit für den Gegenschlag. Von Patrick Beuth

Das Google-Firmenmotto lautet Don’t be evil.
Das Google-Firmenmotto lautet "Don’t be evil".
Foto: ddp

Es gibt Menschen, die freiwillig bei jeder Umfrage mitmachen. Egal, ob das Thema Haustiere, Versicherungen oder Internetnutzung ist. Sie kreuzen dabei ausschließlich extreme Antworten an - mit dem Ziel, die Statistik zu versauen. Das ist raffinierte Konsumkritik und hat nichts mit Spaß zu tun. Es ist ein Guerillakampf gegen das vermeintlich Böse.

Google weist das mit dem Bösen unter Bezug auf das Firmenmotto "Don't be evil" ja immer von sich. Trotzdem tut der liebste Datenkrake der Welt mal wieder etwas, das man sehr gut prinzipiell ablehnen könnte: Google personalisiert nun auch das Suchverhalten von Nutzern, die nicht mit ihrem Google-Konto angemeldet sind, sondern vermeintlich anonym surfen.

Dazu hinterlässt die Suchmaschine auf jeder Festplatte einen Cookie, der speichert, wonach ein Nutzer häufig sucht und welches Ergebnis er meistens anklickt. Dies wird ihm dann als Vorliebe unterstellt und beim nächsten Mal weit oben angezeigt. Die eingeblendete Werbung wird ebenfalls individuell angepasst. 180 Tage lang ist der Cookie aktiv, also eine Vorratsdatenspeicherung-Einheit. Und gegen die wird bekanntlich geklagt, was die Instanzen hergeben.

Zunächst ist die neue Funktion bei allen Nutzern aktiviert, weil Google glaubt, ihnen damit einen Gefallen zu tun. Abschalten kann man sie auf der Suchergebnisseite über den Link "Webprotokoll". Oder wenn man seine Cookies löscht. Aber nicht, wenn man beides macht. Denn beim ersten Besuch auf der Google-Seite nach dem Löschen der Cookies pflanzt die Suchmaschine einen neuen - und die Einstellung ist wieder die alte.

Den Spionagecookie von Google verwirren

Deshalb wird es Zeit für den Gegenschlag. Für eine Guerilla gegen Google. Die Taktik: Wir verwirren den Spionagecookie der Suchmaschine. Und so geht's: Klicken Sie bei der nächsten Suche mal das letzte angezeigte Ergebnis auf der letzten Seite an. Suchen Sie nach Musikern oder Schriftstellern, die Sie nicht leiden können. Geben Sie "seltene Krankheit" ein und wählen Sie eine aus. Ich empfehle PSAS. Stöbern Sie nach obskuren Sekten und klicken Sie ein paar davon an. Wiederholen Sie den Schritt mit politischen Parteien.

Einen Unterschied werden Sie bei der nächsten Google-Suche kaum feststellen können. Aber freuen Sie sich einfach darüber, dass der Konzern Sie nun für einen unberechenbaren, verrückten, möglicherweise gefährlichen Kunden hält, der an einer schweren Krankheit leidet. Sie könnten natürlich auch einfach eine andere Suchmaschine benutzen. Aber für einen kreativen Konsumkritiker wäre das zu leicht.

Autor:  Patrick Beuth
Datum:  8 | 12 | 2009
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