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Viviane Reding: EU fordert deutsche Vorratsdatenspeicherung

EU-Justizkommissarin Reding wirft Deutschland vor, seine Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Gleichzeitig sagt sie zu, die Vorratsdatenspeicherung dort, wo sie schon eingeführt wurde, auf den Prüfstand zu stellen.

Justizkommissarin Viviane Reding will, dass Deutschland die Vorratsdatenspeicherung schnell wieder einführt.
Justizkommissarin Viviane Reding will, dass Deutschland die Vorratsdatenspeicherung schnell wieder einführt.
Foto: dpa
Berlin –  

Die Europäische Kommission hat scharfe Kritik an der Tatenlosigkeit der Bundesregierung beim Thema Vorratsdatenspeicherung geübt. Aus EU-Sicht sei es „eine schwere Rechtsverletzung, dass ein Mitgliedstaat überhaupt nichts tut, um einer von ihm mitbeschlossenen Regelung Geltung zu verschaffen“, sagte Justizkommissarin Viviane Reding der Frankfurter Rundschau.

Die umstrittene EU-Richtlinie hätte bereits 2007 in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Sie verpflichtet die 27 Mitgliedsländer dazu, anlasslos Telefon- und Internet-Daten für mindestens sechs Monate zu speichern. Während Innenministerien und Polizeibehörden die Maßnahme als wichtiges Instrument zur Verbrechensbekämpfung befürworten, kommt von Datenschützern Kritik. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Jahr 2010 die damalige deutsche Praxis beanstandet und den Gesetzgeber zu einer Überarbeitung aufgefordert. Aktuell liegen die Koalitionäre bei diesem Thema über Kreuz; die Union pocht auf einen raschen Neuanlauf, die FDP bremst.

Sie wolle sich „nicht in die deutsche Innenpolitik einmischen“, sagte die luxemburgische Kommissarin, allerdings habe das Karlsruher Gericht die Vorratsspeicherung „nicht per se als grundgesetzwidrig eingestuft. Hier gibt es keine Fristen und auch nichts zu verhandeln, Deutschland hat schlichtweg seine Hausaufgaben nicht gemacht!“ Nach Redings Auffassung verfügt die Bundesregierung über „genügend Spielraum“, die EU-Richtlinie so umzusetzen, dass weder Brüssel noch Karlsruhe „etwas beanstanden“ müssten.

„Klein-Klein“ bei Asylpolitik

Reding kündigte an, die Vorratsdatenspeicherung auf den Prüfstand zu stellen. Anhand der bisherigen Erfahrungen in den EU-Staaten werde die Kommission Ende des laufenden Jahres entscheiden, ob die Regelung novelliert werden müsse. Zu klären sei etwa, ob der Datenschutz „ausreichend gewahrt“ und ob die Speicherdauer „angemessen und verhältnismäßig“ sei. „So weit sind wir aber noch nicht“, betonte sie.

Damit reagierte Reding auf Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Die FDP-Politikerin hatte eine erste Abmahnung aus Brüssel kürzlich als „üblichen Vorgang“ bezeichnet und der Kommission vorgeworfen, „mit aller Macht in den Mitgliedstaaten eine Richtlinie durchzusetzen, die mit Sicherheit nicht in der Zukunft in dieser Form so Bestand haben“ werde.

Unzufrieden zeigte Reding sich auch über die Asylpolitik. Sie wünsche sich mehr Solidarität, „etwas mehr Europa und etwas weniger Klein-Klein“, sagte sie. Wenn es um Flüchtlinge gehe , deren Leben in Gefahr sei, dürfe es „keine Diskussionen geben, da haben wir klare Regeln und Werte“.

Änderungen am Schengen-Vertrag will die Justizkommissarin nicht dulden. Sollte es an den Grenzen einzelner EU-Länder „zu einer außergewöhnlichen Belastung“ kommen, könnten zwar zeitlich befristete Kontrollen beantragt werden; Regierungen dürften aber nicht „eigenmächtig, einfach so, Grenzen dichtmachen“, warnte Reding.

Die Kritik des Datenschutzbeauftragten

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Autor:  Michael Bergius
Datum:  28 | 6 | 2011
Kommentare:  12
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