So kann der politische Regierungswechsel in Berlin auch aussehen: Entspannt und irgendwie auch erleichtert schlenderte der aus seinem Amt scheidende Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee am Sonntag mit seiner Frau über den Flohmarkt an der Straße des 17. Juni.
Knapp 24 Stunden später versuchte eine ganze Staffel von Entscheidungsträgern zusammenzutragen, was aus dem prestigeträchtigsten Projekt Tiefensees geworden ist. Am Bau des Berliner Stadtschlosses wird nicht nur festgehalten, wie es im schwarz-gelben Koalitionsvertrag heißt, es wird auch weiter geplant, entworfen und konzipiert.
"Zwischenstand der Vorplanung" stand auf dem Blatt, das per Powerpointpräsentation am Montag in der Rotunde des Alten Museums vorgestellt wurde. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und Baustaatssekrtär Engelbert Lütke Daldrup waren sehr beflissen darin, die zuletzt während der Koalitionsverhandlungen aufgekommenen Zweifel an den Wiederaufbauplänen des Schlosses zu zerstreuen.
Das Schloss wird gebaut, die Kosten werden eingehalten, könnte man die Botschaft zusammenfassen, die beide trotz vieler Einwände und Fragezeichen unbedingt transportiert wissen wollten. Lediglich bei der geplanten Bauzeit zeigte Lütke Daldrup sich geschmeidig. Er geht mittlerweile davon aus, dass im Frühjahr 2011 begonnen wird und die Arbeiten zwischen fünf und sechs Jahren dauern werden. Anstelle der Fertigstellung im Jahr 2014 könnten die drei rekonstruierten Fassaden samt Eosanderportal, Agora und schicker Kuppel nun auch erst 2016 in Hohenzollernglanz erstrahlen.
Dass es im Gesamtarrangement des Humboldt-Forums auch modern zugehen soll, verraten Planungsdetails, die am Montag nicht ohne Stolz vorgezeigt wurden. Der geräumige Schlüterhof soll sich einmal geschichtsbewusst, polyglott und publikumsnah präsentieren. Ein "Bistro der Kulturen" bedient den kleinen Hunger und im "Restaurant der Kontinente" wird man wohl etwas mehr Zeit für seine Genussfreuden mitbringen müssen. Aus der gotischen Kathedrale, die Architekt Franco Stella in seinem ursprünglichen Wettbewerbsentwurf vorgesehen hatte, ist nun eine luftige Theaterpiazza geworden. Die Zusammenarbeit mit Stella lobte Parzinger in hohen Tönen, der workflow der Schlossplanung laufe "ganz vorzüglich".
Die auf den Nägeln brennende Frage nach der Personalie Stella mochte Lütke Daldrup allerdings nicht beantworten. Er verwies auf das laufende Verfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf, wo das Vergabeverfahren an Stella verhandelt wird. Der Berliner Architekt Hans Kolhoff hatte gegen die mangelnde Transparenz der Auftragsvergabe geklagt und dadurch bewirkt, dass das Bundeskartellamt den Vertrag mit Stella für ungültig erklärt hat. Die Frage, ob es denn einen Plan B, also ohne Stella, gebe, ließen Parzinger und Lütke Daldrup unbeantwortet.
Sehr eindeutig sprach Hermann Parzinger sich hingegen für einen Erhalt der bei Bauarbeiten gefundenden Keller und Fundamente des historischen Schlosses aus. Die Keller sollen, so gut es geht, freigelegt und durch so genannte archäologische Fenster einsehbar gemacht werden. Zuletzt waren Gerüchte laut geworden, dass man die Fundamente schon aus Kostengründen kurzerhand unter märkischen Sand begraben wolle.
Ein Schloss wird gebaut, das ist auch unter schwarz-gelben Vorzeichen der erklärte politische Wille. Alles andere wäre wohl auch zu einem symbolpolitischen Desaster geworden. Was für ein Schloss das sein wird, ist aber noch immer unklar. Die auf 480 Millionen Euro fixierten Baukosten lassen allenfalls eine nüchterne Grundausstattung zu. Die Aufpreisliste für historische Kuppel, Durchgänge und rekonstruierte Treppenhäuser ist indes lang.