Im Grunde ist dieser Abend zum Weglaufen. Aber wohin denn nur? Weit weg, in die Waldeinsamkeit? Oder unter gute Freunde, in die Gemeinschaft aus Gleichgesinnten, unter Menschen, die im gleichen Takt fühlen? Aber auch die warten morgen Abend schon mit Schnittchen und Bierchen, dazu Erdnüssen auf die hohle Hand. Am Samstag Abend versammelt sich die Nation vorm Fernseher, es geht um den Staatsempfang für Lena Meyer-Landrut.
Zu diesem Zweck stehen gewisse Rituale bereit, und wie jeder Kult, der sich verselbständigt hat, wird auch dieser äußert ernst genommen. Der Wettbewerb, für den aktuell das Markenzeichen des Eurovision Song Contest gilt, lebt von einem ungeheuren emotionalen Engagement. Dazu zählt das rücksichtslose Hineinhorchen in den eigenen Körper, warum, so geistlos die Gesamtveranstaltung auch ist, das Fleisch dennoch immer wieder dermaßen schwach wird? Das hat wohl mit der Nahrungskette des Pop-Kults zu tun. Gehört doch zu ihr die Produktion von Sternchen und deren Konsum, wobei der Konsum auf besondere Weise den Kannibalen im Konsumenten anspricht.
Mag die Lust am Gemetzel auf diesem öffentlich-rechtlichen Sende-Richt- und Opferplatz ungeheure Dimensionen offenbaren, verschwiegene, umstrittene, wenig zivilisierte, nicht zitierfähige - zweifellos animiert der Eurovision Contest seine Augen- und Ohrenzeugen zum Outing. Was dem nationalen Masochismus (Germany: one Point) so wenig gleichgültig ist wie dem Patriotismus (Germany: twelve Points), ist der Drang, sich dem Trash rücksichtslos hinzugeben.
Am Anfang standen die Eulenspielgeleien des Guildo Horn