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Faire Lastenverteilung: Steuern oder Mäzene?

Der Vermögende als Mäzen: Die Privatisierung öffentlicher Wohlfahrt ist in den USA auf den Begriff des "philanthrocapitalism" gebracht worden. Mäzenatentum ist wichtig, aber auch ungemein gefährlich für die Gesellschaft.

Am Nikolaustag richtet das diakonische Werk in Berlin das Fest der Obdachlosen aus.
Am Nikolaustag richtet das diakonische Werk in Berlin das "Fest der Obdachlosen" aus.
Foto: picture-alliance/ dpa

Warren Buffett wird bei „Forbes“ auf ein Vermögen von 50 Milliarden Dollar geschätzt. Seine „Steuerlast“ im Jahr 2010 beziffert der Investor auf sieben Millionen Dollar, also 0,014 Prozent dieses Vermögens.

Seit Jahren bedenkt Buffett die „Bill and Melinda Gates Foundation“, die Stiftung des Microsoft-Gründers, mit Milliarden-Beträgen. Aber von anderen Philanthropen seiner Kragenweite – auch vom Ehepaar Gates – unterscheidet sich Buffett in einem entscheidenden Punkt. Neben wohltätigen Privat-Initiativen möchte der Erfolgs-Unternehmer auch einen Akteur bedenken, der eigentlich nicht im Ruf steht, bei Milliardären beliebt zu ein: den Staat.

Buffett fordert höhere Steuern für sich selbst und seinesgleichen. „Meine Freunde und ich“, zitierte ihn kürzlich die FAZ am Sonntag, „sind lange genug von einem Milliardärs-freundlichen Kongress verhätschelt worden. Es ist Zeit, dass die Regierung ernst macht mit einer fairen Lastenverteilung.“

Zur Sache

Der Marktfundamentalismus der jüngsten Finanzkrise hat den Kapitalismus weltweit schwer erschüttert. Eine FR-Serie analysiert die ökonomischen Voraussetzungen dieser Entwicklung
sowie die sozialpolitischen Folgen und kulturellen Dimensionen einer Vertrauenskrise, die den Staat und die repräsentative Demokratie herausfordern. Bisher erschienen in unserer Printversion Beiträge am 24./25., 28. September, 5. und 10. Oktober.

Ist es nicht gleichgültig, ob jemand afrikanische Kinder rettet oder das Schulessen in seiner Stadt oder den Staat, in dem er lebt? Ist es nicht sogar besser, wenn ein Reicher seine Wohltaten selbst verteilt, als wenn er die Verteilung der Regierung überlässt und den politischen Konjunkturen, von denen sie getrieben wird? Zweimal: Nein. Es geht um zwei grundlegend unterschiedliche Formen der Umverteilung, zugespitzt ausgedrückt: die paternalistische und die demokratische. Buffett, der Ausnahmefall, steht für beide. Gates, der Stifter, kann als Musterbeispiel für die paternalistische Variante gelten – und für die Probleme, die sie mit sich bringt.

Egoistische Motive schmälern den Wert des Mäzenatentums nicht

Das Mäzenatentum, wie Gates und Gattin es mit ihrer Milliarden-Stiftung pflegen, hatte und hat seinen legitimen Platz in jeder Gesellschaft, die Reichtum kennt. Aus eigenem Antrieb gibt der Mäzen etwas zurück. Er mag auch egoistische Gründe haben – Renommee, Gewissensberuhigung –, aber das schmälert den Wert seines Tuns in keiner Weise. Da er aber aus eigenem Antrieb handelt, entscheidet er selbstverständlich auch, wem und wofür er seine Spende gibt. Mäzenatentum ist und bleibt: Willkür. Eine legitime und nützliche zwar, aber Willkür.

Gefährlich wird es dann, wenn die freiwillige und damit willkürliche (Um-)Verteilung privaten Vermögens ihre Rolle wechselt: Wenn sie nicht mehr als Ergänzung, sondern als Ersatz für die Sicherung des Gemeinwohls herangezogen wird. Es ist nicht zuletzt die Stiftung von Bill und Melinda Gates, an der sich dieses Risiko zeigen lässt – in weltweitem Maßstab.

Niemand spricht Gates und seiner Frau die gute Absicht ab. Das tun selbst Kritiker wie James Love nicht. Love kämpft mit seiner Organisation „Knowledge Ecology International“ gegen die Monopolisierung geistigen Eigentums und damit unter anderem gegen Gates“ Unternehmen Microsoft, das seine Produkte und ihre Quellcodes bekanntlich mit fast allen Mitteln gegen den Zugang für potenzielle Konkurrenten verteidigt.

Das hat auf den ersten Blick mit der wohltätigen Arbeit des Microsoft-Gründers nichts zu tun. „Die Gates-Stiftung tut viel Gutes“, schreibt Love. Und doch stößt der Aktivist auch in der Stiftung auf Aspekte einer fragwürdigen Monopolisierung, auf die Gefahren der paternalistischen Variante von Umverteilung.

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Autor:  Stephan Hebel
Datum:  18 | 10 | 2011
Seiten:  1 2
Kommentare:  12
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