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Frankfurter Buchmesse: Der erste Zensurskandal

China, Gastland der Buchmesse 2009, hat seinen ersten Zensurskandal: Mit allen Mitteln versucht Peking den Auftritt der Schriftstellerin Dai Qing bei einem Symposium in Frankfurt zu verhindern. Von Bernhard Bartsch

Die chinesische Schriftstellerin, Dai Qing, möchte nach Frankfurt zur Vorbereitungskonferenz der Frankfurter Buchmesse kommen - auch wenn sie dort von der Rednerliste gestrichen wurde, auf Druck Pekings.
Die chinesische Schriftstellerin, Dai Qing, möchte nach Frankfurt zur Vorbereitungskonferenz der Frankfurter Buchmesse kommen - auch wenn sie dort von der Rednerliste gestrichen wurde, auf Druck Pekings.
Foto: Bernhard Bartsch/FR

Chinas Ehrengastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse hat seinen ersten Zensurskandal. Mit allen Mitteln versucht Peking den Auftritt der Schriftstellerin Dai Qing bei einem Symposium am kommenden Wochenende zu verhindern. Das von der Frankfurter Buchmesse ausgestellte Einladungsschreiben, mit dem Dai ein Visum beantragen sollte, ließ die Pekinger Behörde für Presse und Publikation (GAPP) kurzerhand verschwinden und droht mit der Absage der Konferenz, sollte der unliebsamen Autorin doch noch die Einreise ermöglicht werden. Die Veranstaltung "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit"soll einen Monat vor Eröffnung der Buchmesse "den Ton für die Hunderte nachfolgenden Veranstaltungen" setzen, so die offizielle Ankündigung. Doch aufgrund der Querelen im Fall Dai wird es wohl nicht der Ton sein, den Peking sich wünscht.

"Unsere Regierung hat erklärt, die Frankfurter Buchmesse solle ein kulturelles Olympia werden", sagte Dai am Dienstag im Gespräch mit der FR. "Im Oktober gibt China 50 Millionen Yuan (5 Millionen Euro) aus, um hundert ausgewählte Autoren nach Deutschland zu fliegen, aber wer wie ich unangenehme Wahrheiten sagen könnte, wird mit aller Macht an der Ausreise gehindert", erklärte die 68-jährige Autorin, die als eine der führenden chinesischen Investigativjournalistinnen und Umweltaktivistinnen gilt. Da man in Peking um Chinas schlechtes Image in Sachen Meinungs- und Pressefreiheit weiß, hatten die chinesischen Gastlandorganisatoren mit der Konferenz am Wochenende eigentlich ihre Offenheit demonstrieren wollen.

Unter der Bedingung, auch eigene Redner und Moderatoren benennen zu dürfen, habe Peking nicht kritische Referenten wie den Kulturwissenschaftler Wang Hui zugelassen, sondern auch das deutsche PEN-Zentrum als Mitorganisator akzeptiert. Dabei erkennt die Kommunistische Partei den PEN im eigenen Land nicht an und ließ den Präsidenten des inoffiziellen chinesischen PEN, Liu Xiaobo, im vergangenen Dezember verhaften. Mit der Teilnahme von Dai Qing scheint Pekings Toleranz jedoch überstrapaziert. Bei der Buchmesse heißt es, das chinesische Gastland-Komitee habe mehrfach mündlich gedroht, die Veranstaltung platzen zu lassen, falls Dai dort sprechen werde. Das Komitee ignorierte am Dienstag eine diesbezügliche Anfrage. Trotzdem schickte die Frankfurter Buchmesse Dai die für den Visumsantrag benötigte Einladung. Aufgrund einer "internen Kommunikationspanne", wie es in Frankfurt betreten heißt, landete die Einladung bei GAPP, wo man sich weigerte, sie an Dai weiterzuleiten. "Am Montagvormittag hat mir ein GAPP-Beamter namens Jiang Chuan am Telefon bestätigt, dass die Einladung eingegangen sei", erzählt Dai.

Da Jiang offenbar nicht wusste, dass die Autorin auf Pekings schwarzer Liste steht, versprach er, die Dokumente zu schicken. Als Dai das Schreiben wenige Stunden später persönlich abholen wollte, erklärte Jiang per SMS: "Ich habe den Auftrag, das Material zurückzusenden." Als die FR Jiang am Dienstag telefonisch erreichte, legte er mit dem Kommentar "Falsche Nummer" auf. "Wenn meine Reise jetzt daran scheitert, dass die Zeit für den Visumsantrag nicht mehr ausreicht, hat die Regierung ihr Ziel erreicht", sagt Dai, deren Flug für Freitag gebucht ist. Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass die deutsche Botschaft in Peking in einem derart brisanten Fall ein Expressvisum ermöglicht. Vorraussetzung wäre allerdings, dass die

Frankfurter Buchmesse dem Protest der Chinesen zum Trotz alle Hebel in Bewegung setzt, um Dais Anwesenheit zu ermöglichen.

Autor:  Bernhard Bartsch
Datum:  8 | 9 | 2009
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