Weibliche Gewalt wird enteignet
Was Tanenhaus und andere, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, verlangen, ist, dass weibliche Gewalt ernst genommen wird. "Nur, weil Frauen traditionell ihre Gefühle unterdrückt haben, darf das doch nicht bedeuten, dass wir diejenigen, die das nicht tun, pathologisieren", schreibt Helen Birch in ihrem Buch "Moving Targets: Women, Murder, and Representation". Akte weiblicher Gewalt hätten zumindest eine gründliche Motivforschung verdient - selbst, wenn diese im Zweifel zu härteren Strafen führt, weil Frauen nicht mehr so leicht Unzurechnungsfähigkeit zugestanden wird.
Gewalt durch Frauen, das zeigt der Fall Amy Bishop, wird auch im 21. Jahrhundert noch enteignet. Dabei gibt es mittlerweile durchaus etwa Filme, die Gewalt durch Frauen als Ermächtigungsgesten deuten und nicht mehr als Ausraster.
Sam Tanenhaus zitiert sie in seinem Artikel selbst: Jamie Lee Curtis nimmt in "Blue Steel" den Revolver nicht aus einem blinden Racheaffekt zur Hand, sondern um sich zur wehren - pikanterweise gegen die Erotisierung ihrer professionell ausgeübten Gewalt als Polizistin. Uma Thurman arbeitet in Quentin Tarantinos "Kill Bill" zwar aus Rache ihre Liste von Mordopfern ab - aber sie inszeniert die Morde auch als ästhetische Spektakel.
Zum Deutungsvorbild für Akte weiblicher Gewalt im wirklichen Leben haben es diese Erzählungen freilich nicht gebracht. Sogar Tanenhaus selbst marginalisiert sie als billigen Pop und folgt dabei der gleichen kulturellen Logik, die er kritisiert.