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Iran: Erste Zuckungen des Todeskampfs

Auf die Gefahr hin, mich zu weit vor zu wagen - aber die derzeitigen Ereignisse im Iran scheinen mir die ersten Zuckungen des bevorstehenden Todeskampfes der Islamischen Republik zu sein. Von Martin Amis

Anhänger der iranischen Opposition protestieren am 30. Juli 2009 auf den Straßen im Norden von Teheran.
Anhänger der iranischen Opposition protestieren am 30. Juli 2009 auf den Straßen im Norden von Teheran.
Foto: rtr

Auch auf die Gefahr hin, mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen - aber die derzeitigen Ereignisse im Iran scheinen mir die ersten Zuckungen des bevorstehenden Todeskampfes der Islamischen Republik zu sein. In diesem voraussichtlich sehr langen und ziemlich unerfreulichen Prozess wird Mir Hossein Mussawi bestimmt eine geringere Rolle spielen als Neda Agha Soltan, deren Ermordung die Zerstörung von Schönheit, Jugend und Hoffnung versinnbildlichte und auch sehr gut in die schiitische Tradition vom Märtyrertum in Zeiten barbarischer Ungerechtigkeit passt. Allerdings personifiziert Neda Soltan noch einen weiteren Aspekt: die Moderne.

Möglicherweise ist alles tatsächlich mehr oder weniger wie es scheint: Die manipulierten Wahlen, bei denen das Ergebnis verdächtig schnell verkündet wurde, waren eine solch offensichtliche Farce, dass die Verachtung für das demokratische System klar zu Tage trat. Darauf folgte natürlich ein Aufruhr des Volkes, der dann mit Gewalt niedergeschlagen wurde.

Zum Autor

Martin Amis ist Schrtiftsteller und Essayist. Im Februar 2010 erscheint sein Buch "The Pregnant Widow".

Aber stellen wir uns doch einmal vor, der oberste geistliche Führer Ali Chamenei hätte in sachlicher Manier einen 51-Prozent-Sieg für Präsident Ahmadinedschad verkündet - dann hätte man im Iran und auch im Rest der Welt vielleicht genickt und das Ergebnis akzeptiert. Es ist in dieser Islamischen Republik absolut denkbar, dass mit voller Absicht ein Erdrutschsieg manipuliert und dann auch auf solch prahlerische Weise präsentiert wurde, um den Aufstand zu provozieren und ihn dann brutal niederzuschlagen.

Chatami nannten sie "Ajatollah Gorbatschow"

Als 1997 Mohammed Chatami überraschend mit 69 Prozent einen klaren Sieg errang, der mit ungeteilter Freude aufgenommen wurde, fühlte sich das Regime sicher genug, um nicht einzuschreiten. Dabei hatte der Kleriker Chatami sehr viel liberalere Ansichten als der Technokrat Mussawi, der während des ersten Golfkrieges deutlich rechts von Chatami stand. Chatami, vom Volk liebevoll als "Ajatollah Gorbatschow" gepriesen, sprach bald von dem "verständnisvollen Dialog", den er mit den USA eingehen wollte. Eine Lockerung der internationalen Isolation, die dem Iran schon so lange die Luft abschnürt, schien in Sichtweite.

Jedem war klar, dass dieser Prozess Zeit benötigte. Im Juni 2001 wurde Chatami mit einer Mehrheit von 78 Prozent wiedergewählt. Sieben Monate danach kam George W. Bushs Rede über die "Achse des Bösen" (eine der verhängnisvollsten Ansprachen in der Geschichte der Vereinigten Staaten), und der Teheraner Frühling hatte ein Ende. Tatsächlich war Bush für die Iraner Rechte ein Geschenk des Himmels, denn er stärkte deren regionale Macht (durch den waghalsigen, im Grunde experimentellen Krieg mit dem Irak) und blieb dabei zureichend "arrogant", was im schiitisch-iranischen Sensorium das am meisten gehasste Attribut darstellt.

Nun ist den Mullahs klar, dass Barack Obama sehr viel schlauer ist. Bei einem Sieg Mussawis hätte Obama den Iran belohnt, und zwar auf eine Weise, die allen Iranern zugute gekommen wäre. Die Kopplung von Liberalisierungsbemühungen an Unterstützungsleistungen stellt für die Mullahs eine erhebliche Gefahr dar. Der Boden unter ihren Füßen war schon ins Wanken geraten, als im Libanon das anti-syrische, anti-iranische und pro-westliche Wahlergebnis bekannt wurde. Hieraus wird, in Verbindung mit bestimmten historischen Kräften, die gegenwärtig herrschende Verwirrung und Hysterie verständlich, in der sich die bewaffnete intellektuelle Elite befindet.

Chomeini war ein welthistorisches Monstrum

Die Mullahs wissen ganz genau, dass ihnen die Legitimation entgleitet. Die großen Parolen der Revolution von 1978/1979 sind dabei, in Vergessenheit zu geraten. Von den vier grundsätzlichen Aussagen entsprachen drei nicht der Wahrheit: die "Islamische Revolution" war keine islamische Revolution; der erste Golfkrieg (1980-1988), der eine ganze Generation zerstörte, war kein "aufgezwungener Krieg", als der er noch heute bezeichnet wird; und der Ajatollah Ruholla Chomeini war kein verehrungswürdiger Mann - Chomeini, das weiß inzwischen jeder interessierte Iraner, war ein welthistorisches Monstrum.

Und von größter Bedeutung ist im Moment, dass die vierte Parole - die des Anti-Amerikanismus ("Westoxication" lautete der alte Schlachtruf) - durch die Person Obamas hinfällig gemacht wurde. Eine weitere Gefahr für die Islamische Republik ist die Moderne (in Form der neuen Telekommunikations-Medien) sowie ihre demographische Entwicklung - in Persien, einer der ältesten Nationen der Welt, wird die Bevölkerung immer jünger.

Die Revolution von 1979 wurde erst eine Islamische Revolution, als sie schon vorbei war. Am Anfang war sie eine breite Massenbewegung, eine Welle von Demonstrationen, Aufständen und Streiks; der Armee liefen die Soldaten zu Tausenden davon. Im Vergleich zu dem ohrenbetäubenden Aufschrei von 1978 sind die Ereignisse vom Juni 2009 lediglich ein zaghaft vorgebrachter Einwand. Aber der Aufschrei verlangte nicht nach einer Herrschaft des Klerus, sondern richtete sich gegen eine dekadente Monarchie, die ihre Farr - den göttlichen Glanz, und damit die Legitimation des Königtums - verloren hatte.

Auf die politische folgte die kulturelle Revolution

Am 16. Januar 1979 floh der Schah Mohammad Reza Pahlavi aus Teheran ins Exil nach Kairo. Am 1. Februar traf der Ajatollah Chomeini in Teheran ein - aus seinem Exil in Paris (wo Brigitte Bardot bedauerlicherweise seine Nachbarin war). Die politische Revolution war also vorbei; jetzt konnte die kulturelle Revolution beginnen. Die provisorische Regierung wurde sukzessive zersetzt durch die so genannten Komiteh (aus den Moscheen rekrutierte Milizen, später die Basidsch), durch die Revolutionsgarde (später die Pasdaran, bzw. die iranische Armee) und durch die Revolutionstribunale (die mit den Überlebenden des alten Regimes und allen anderen Unerwünschten gleichermaßen kurzen Prozess machten).

Am 4. November drang eine Gruppe von strenggläubigen Studenten in die US-Botschaft ein und nahm 53 Personen als Geiseln. Dieser Vorfall wurde von Chomeini sehr erfolgreich als eine heldenhafte Geste der Respektlosigkeit gegenüber dem "Großen Satan" USA ausgeschlachtet, so dass in dem kurz darauf erfolgten Referendum über die neue Verfassung "99,5 Prozent" von 17 Millionen für den islamischen Gottesstaat stimmten.

Um die restlichen 0,5 Prozent musste man sich allerdings noch kümmern. Und die Opposition griff Chomeini von fast allen Seiten an, wobei sich besonders die Modschahedine Chalgh hervortat. Diese Bewegung war etwa 15 Jahre zuvor als Opposition zum Schah gegründet worden, verstand sich als marxistisch, links-islamisch und trat für die Rechte der Frauen ein. Sie hatte eine halbe Million Anhänger, darunter eine Guerilla-Armee von 100.000 erfahrenen Kämpfern.

Nachdem Chomeini sie als "un-islamisch" von der neuen politischen Bühne verbannte, wandte sie sich dem Terrorismus zu. Man erinnert sich vielleicht, dass 1981 die Modschahedin dutzendweise Mullahs in die Luft sprengten (74 allein bei einem einzigen Anschlag in Teheran). Im weiteren Verlauf des Jahres töteten sie mehr als 1000 Regierungsbeamte.

Islamisch, aber keine Republik mehr

Eine Zeit der Terroranschläge von allen möglichen Seiten folgte. Im September richteten Chomeinis Revolutionsgarden 50 Menschen pro Tag hin, weil sie "Krieg gegen Gott" führten. Dieselbe Anklage und dieselbe Strafe werden heute, im Jahr 2009, von den Klerikern wieder erhoben und gefordert. Angespornt von revolutionärem und religiösem Eifer trugen die Mullahs den Sieg davon. Im Dezember 1982 hatte Chomeini mehr oder weniger das Gewaltmonopol inne, und das iranische Volk lebte nun in einem auf der Welt einmaligen revolutionären Gottesstaat. Die Islamische Republik war jetzt islamisch, aber sie war keine Republik mehr.

Man kann den ersten Golfkrieg zwar als einen "aufgezwungenen Krieg" verstehen, aber nur wenn man damit meint, dass Chomeini es war, der ihn erzwungen hat. Es braucht schon eine gehörige Portion historischer Vorstellungskraft, um ein Gefühl für den Schrecken zu bekommen, den die Ankunft des durchgeknallten Ajatollas in der ganzen Region nach sich zog. Stalin begnügte sich am Ende mit dem "Sozialismus in einem Land". Chomeini dagegen forderte öffentlich den schiitischen Gottesstaat in jedem Land der Welt.

Im Verlauf des ersten Golfkrieges ließ Chomeini fleißig Bomben hochgehen, Attentate verüben und bewaffnete Umstürze organisieren in Bahrain, Kuwait, Libanon und Saudi Arabien. In Mekka wurde jährlich zum Hadsch agitiert; im Jahre 1987 kamen bei einem Zusammenstoß von iranischen Milizen und saudi-arabischer Polizei 400 Menschen ums Leben.

Der Irak schlug acht Mal den Waffenstillstand vor

Und der Irak? 1979 machte Saddam Hussein einen zaghaften Annäherungsversuch an den neuen Iran und hoffte natürlich auf eine Weiterführung der Entspannungspolitik, die er und der Schah gepflegt hatten. Der Iran reagierte, indem er die Unterstützung für die separatistischen Kurden, die seit 1975 ausgesetzt war, fortführte. Ebenso unterstützt wurden schiitische Untergrundorganisationen, was zu Attentatsversuchen auf den Vize-Premierminister sowie auf den Informationsminister führte und was allein im April 1980 die Ermordung von mindestens 20 wichtigen Regierungsbeamten zur Folge hatte. Indessen zog Chomeini seinen Botschafter aus Bagdad ab. Im September beschoss der Iran die Grenzstädte Chanaqin und Mandali.

Efraim Karsh zählt in seiner Chronologie des ersten Golfkrieges von 1980 bis 1988 acht irakische Angebote des Waffenstillstandes auf. Das erste wurde am 5. Oktober 1980, 12 Tage nach Beginn des Krieges, abgegeben, das letzte am 13. Juli 1988, fünf Wochen vor Kriegsende. Chomeinis Kriegsziel war die Theokratisierung, oder die "Entsatanisierung", des Iraks. Auf diese Weise wurde der Krieg zu einer Art (gescheitertem) Funktionstest für den Islam und zu, wie die Journalistin Sandra Mackey es ausdrückt, "einer täglichen neu dargebrachten Inszenierung der schiitischen Motive von Opfer, Enteignung und Trauer".

Fazit: Zwölfjährige auf Fahrrädern griffen irakische Geschützstellungen an; 750.000 tote Iraner füllten die Friedhöfe; und wahrscheinlich die doppelte Anzahl blieb körperlich und geistig verkrüppelt zurück. Elf Monate später folgte Chomeini selbst den Gefallenen ins Reich der Toten.

Gegen den Iran liegen die USA in den Windeln

Der Iran zählt zu den ältesten Zivilisationen der Welt. Dagegen ist China noch in der Pubertät und Amerika in den Windeln. Seine 2500-jährige Geschichte teilt sich durch den Aufstieg des Islam in zwei fast gleich große Abschnitte. Deswegen ist das iranische Herz auch geteilt, hin und her gerissen zwischen Xerxes und Mohammed, zwischen Persepolis und Qom, zwischen kaiserlicher Sinnenfreude (mit ihrem Luxus und ihrer Poesie) und ernster Frömmigkeit.

Man kann diese innere Teilung vielleicht besser nachvollziehen, wenn man weiß, dass der Autor des folgenden schlichten und schönen Vierzeilers -Mich dürstet nach dem Kelch von Wein / Von Mädchenhand will ich mich laben. / Wer weiß um die verbotenen Gaben, / Kann Zeuge meiner Sehnsucht sein? - der Ajatollah Chomeini ist.

Nicht Ferdausi, nicht Rumi, nicht Hafes, nicht Omar Khayyam - Chomeini. Die wohl erstaunlichste Besonderheit iranischer Lebensweise ist die Tatsache, dass man nicht nur auf Wallfahrten geht, um die Grabstätten der Martyrer und Imame zu besuchen, sondern auch die Grabstätten der Dichter.

1935 lebten die Iraner plötzlich nicht mehr in Persien

Im Jahre 1935 stellten die Iraner fest, dass sie jetzt in einem anderen Land lebten, nicht mehr in Persien, sondern im Iran, dem ausdrücklich vorislamischen "Land der Arier". Dies war das Werk von Reza Schah Pahlavi - dem Militärkarrieristen, der im Jahre 1925 den Pfauenthron bestieg. Schah Reza vertrat die Moderne und die Säkularisierung - ein iranischer Atatürk oder Nasser. Er war auch ein Freund von Nazideutschland und wurde 1941 von den Alliierten abgesetzt.

Im Jahre 1976 stellten die Iraner dann fest, dass sie in einem anderen Jahrtausend lebten, nicht im Jahr 1355 (gerechnet von der Zeit des Propheten), sondern im Jahr 2535 (gerechnet von der Zeit von Kyros des Großen). Das wiederum war das Werk von Schah Rezas Sohn Mohammad, der durch den Staatsstreich von 1953 eingesetzt wurde (ein schweres Verbrechen des Westens, dessen verheerende Auswirkungen noch heute zu spüren sind).

Mohammad Reza Pahlavi war ein "elender Schuft", wie ihn Chomeini zu Recht nannte, aber er hatte Verständnis für die geteilte Seele Irans. Schah Reza schlug Frauen, die den Schleier trugen; Chomeini schlug Frauen, die ihn nicht trugen; Mohammad Reza Schah Pahlavi ließ beide gewähren.

Das zoroastrische Zeitalter wurde dämonisiert

Nach 1979 wurde der Iran auf militante und brutale Weise re-islamisiert. Das zoroastrische Zeitalter wurde zur Dschhiliyya erklärt, einer vorislamischen Epoche der Unwissenheit und Götzenverehrung, zutiefst beschämend für alle guten Muslime. Mitte der 1990er Jahre wurde beispielsweise der Historiker Jahangir Tafazoli zum Tode verurteilt, nur weil er eine Koryphäe auf dem Gebiet iranischer Geschichte war.

Das ist die alte Praxis, den Überbringer schlechter Nachrichten zu töten - ein wahnhaftes Leugnen der Realität. Die 30-jährige Unterdrückung der geteilten iranischen Seele - die ja sagt zu Freiheit und Toleranz, ja zur Liebe, zum Leben und zur Kunst, ja zum Islam und ja zur Moderne - kulminierte jetzt kraftvoll und mutig in den Ereignissen vom Juni und leider auch in dem grausamen Mord an Neda Soltan.

Jetzt stehen uns also weitere vier Jahre mit dem immer unsicherer werdenden Mahmud Ahmadinedschad bevor, weitere vier Jahre, in denen angstvoll über iranische Atombomben spekuliert wird. Meiner Meinung nach kann man sich über Ahmadinedschad eigentlich nur lustig machen, denn es ist doch völlig unmöglich, ernsthaft über einen Mann zu schreiben, der (neben anderen Absurditäten) die Wahl von 2005 mit dem Argument gewann, dass er keinen Whirlpool besitzt. Sie haben richtig gelesen.

Das Whirlpool-Statement half Ahmadinedschad

Das "Whirlpool-Statement" wird allgemein als ausschlaggebend für seinen Wahlsieg angesehen. Anscheinend genügte das, um ihn aus dem Dunst von Korruption und Heuchelei, der über der Islamischen Republik liegt, als Lichtgestalt heraustreten zu lassen.Die erste Regel lautet: Kein Gottesstaat darf jemals Atomwaffen einsetzen. Außerdem erlauben wir uns zu bemerken, dass der Iran für eine solche Gewalt noch nicht die nötige Reife hat. Man weiß ja, was Ahmadinedschad von Israel hält (und wir erinnern uns an seine Ausfälle unter anderem in Teheran bei der Holocaust-Konferenz).

Ali Rafsandschani (der alte, revolutionäre Windhund, der schon so oft im Gefängnis saß, ein Pragmatiker und Reformer, überaus weltgewandt und überaus korrupt) sagt dazu folgendes: "Der Abwurf einer einzigen Atombombe auf Israel würde alles zerstören", aber ein Gegenschlag auf Iran würde lediglich der islamischen Welt "schaden"; "die Möglichkeit ist durchaus vorstellbar". Wenn man die schiitische Tradition des Märtyrertums bedenkt, dann ist, mit den Worten eines israelischen Regierungsbeamten, die gegenseitige Zerstörung "kein Abschreckungsgrund, sondern eher ein Anreiz". Vorstellbar ist auch, dass der Oberste Führer den ersten Einsatz von Kernwaffen der Hisbollah überlässt oder irgendeiner anderen extremen Gruppe, oder er selbst wird zum ersten Selbstmordattentäter, dessen Sprengkraft man in Megatonnen bemisst.

In der Zwischenzeit werden die Ereignisse vom Juni und der Tod von Neda Soltan die Last der unerträglichen Erniedrigungen, die das iranische Volk schon erdulden musste, weiter erschweren. Und das alternde Regime wird (so wage ich vorauszusagen) sich von der Niederschlagung von Aufständen auf das Führen eines Krieges verlegen, der ja angeblich ein Volk vereinen kann. Natürlich nicht gegen einen gleich großen oder gar größeren Gegner - das winzige Bahrain, das zu 60 Prozent aus Schiiten besteht, wäre wohl ganz gut geeignet.

Wenn es um apokalyptischen Islamismus in all seinen Ausformungen geht, kann man auch Norman Cohn zitieren. Das Folgende stammt aus dem Vorwort seines erstmals 1967 erschienen Buches "Warrant for Genocide" ("Die Protokolle der Weisen von Zion. Der Mythos von der jüdischen Weltverschwörung"), in dem es um jene von den Russen gefälschten "Protokolle" geht und um das, was im Judentum "Schoah" bzw. "die große Katastrophe" genannt wird.

"Es gibt eine Welt im Untergrund, wo Kriminelle und halbgebildete Fanatiker [besonders aus dem niederen Klerus] als Ideen getarnte pathologische Phantasien ausspinnen, um damit die Unwissenden und Abergläubigen zu ködern. Von Zeit kommt es vor, dass diese Unterwelt an die Oberfläche steigt und dann auch Menschen in ihren Bann zieht und beherrscht, die normalerweise geistig gesund und mündig sind. Und manchmal wird diese Unterwelt zu einer politischen Macht und ändert den Lauf der Geschichte."

Übersetzung: Andrian Widmann

Autor:  Martin Amis
Datum:  4 | 8 | 2009
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