Irgendwann waren die Bücherstapel zu hoch geworden, zu vielfältig und zu unübersichtlich, und das nicht nur auf der Frankfurter Buchmesse. Kafkas "Prozess" war zwar immer zu haben, auch Thomas Manns "Zauberberg" und Goethes "Faust", der Brockhaus und Millionen anderer Bände - aber welche Ausgabe, welche Auflage, in welcher Sprache? Zur klaren Identifikation wäre es gut, jedem Buch eine Nummer zu geben, dachten sich einige. So ließen sich sämtliche Titel zweifelsfrei bezeichnen, und das sogar ohne lange Schreiberei von Namen von Autoren und Herausgebern, von Auflage, Sprache, Bindeart, Jahr, Verlag und Verlagsort. Kunden und Buchhändler merken, wie praktisch das ist, wenn sie ein Buch bestellen.
Um 1965 kam die Idee mit der Nummer in Großbritannien und anderswo auf. Einige Jahre später setzte sie sich durch, auch wenn sie bis heute keine Pflicht ist: die ISBN, die International Standard Book Number. Für deren Vergabe in Deutschland gibt es eine Agentur, die ihren Sitz in Frankfurt hat, gleich neben dem Goethemuseum im Großen Hirschgraben.
Ihre Norm, international als ISO 2108 formuliert, sagt präzise, wie ein Buch zu seiner Nummer kommt. Das hat etwas mit Arithmetik zu tun - vor allem bei der letzten Zahl, der Prüfziffer. Sie ergibt sich aus den anderen Ziffern und sorgt dafür, dass Eingabefehler wie Zahlendreher sofort auffallen und zu korrigieren sind, weil benachbarte Zahlen unterschiedlich gewichtet werden.
Jede ISBN besteht aus dem dreistelligen Präfix (derzeit 978, künftig zusätzlich 979), der Gruppennummer für eine Sprachregion (für Deutschland, Österreich und die deutschsprachige Schweiz ist dies gemeinsam die 3), der Verlagsnummer für den Verlag (etwa 406 für C. H. Beck) und der Titelnummer für dessen spezielles Buch. Früher ging es um zehn Stellen, durch das Präfix sind es nun dreizehn inklusive der Prüfziffer. Die Experten der ISBN-Agentur sprechen bei der Art, wie diese Prüfziffer ermittelt wird, von der "Gewichtung 1 - 3 -1 und dem Schema Modulus 10".
Das bedeutet, dass die erste Stelle (bezeichnet als z1) mit eins multipliziert wird, die zweite (z2) mit drei , die dritte (z3) wiederum mit eins und so weiter. Addiert man die zwölf Produkte, ergibt sich für die ISBN 978-3-499-62155 die Summe 130. Sie wird durch zehn geteilt, was 13 ergibt, ohne Rest, also 0. Das führt zur Prüfziffer 0. Bliebe ein Rest, beispielsweise 7, wird er stets von 10 abgezogen. Die Differenz 3 ergäbe dann die Prüfziffer 3. Generell gilt dabei diese Formel:
z13 = (10 - ((z1 + z3 + z5 + z7 + z9 + z11) + 3 (z2 + z4 + z6 + z8 + z10 + z12))
Bei den früher nur zehn Stellen, die aber seit Januar 2007 nicht mehr verwendet werden dürfen, hatte dasselbe Buch die Nummer 3-499-62155 und als Folge einer anderen Berechnung die Prüfziffer 10. Weil sie mit ihren zwei Stellen nicht ins System passt, bekommt sie die entsprechende römische Zahl X für 10.
Das alles muss aber niemand im Kopf ermitteln, dafür gibt es Software-Programme. Und ein Buch von 17 Seiten, im konventionellen Druck und ebenso im Internet, dort bereit zum Download. Mit der ISBN 978-3-7657-2781-8 für die Online-Version.
Näheres im Internet unter www.german-isbn.org