Brauchen wir eine militärpolitische Debatte in Deutschland? Eine Diskussion mit dem Publizisten Eric Chauvistré und dem Historiker Klaus Naumann, moderiert von Elmar Wiesendahl.
Spielzeug im Krieg: US-Soldaten in Afghanistan vergnügen sich mit einem ferngesteuerten Auto.
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Spielzeug im Krieg: US-Soldaten in Afghanistan vergnügen sich mit einem ferngesteuerten Auto.
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Eric Chauvistré: Es stimmt: Es gibt keine militärpolitische Debatte in Deutschland. Das erste ist ein sympathischer Grund. Es gibt eine starke Skepsis gegenüber dem Militärischen. Aber das sympathische Desinteresse wird dann problematisch, wenn es militärische Einsätze der Bundeswehr gibt.
Zweitens: Die Debatte war nicht gewollt. Die Politik verfolgte die Strategie, die Bevölkerung erst einmal daran zu gewöhnen. Mit moralisch hochwertigen Einsätzen, bei denen kaum mit Verlusten zu rechnen ist.
Teilnehmer
Spezial: Afghanistan
Eric Chauvistré, Publizist, Berlin, Autor von "Wir Gutkrieger. Warum die Bundeswehr im Ausland scheitern wird." (2009).
Klaus Naumann, Historiker, Hamburger Institut für Sozialforschung, Autor von "Einsatz ohne Ziel? Die Politikbedürftigkeit des Militärischen" (2008).
Moderation: Elmar Wiesendahl, Soziologe und Politologe, Leiter des Fachbereichs Sozialwissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr, Hamburg. (fr)
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Die Bundeswehr in Afghanistan. Erstmals befinden sich deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz außerhalb Europas.
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Drittens: Auch die Kritiker des militärischen Einsatzes erzwingen nicht die Debatte. Vielleicht fürchten sie, falls es zu einer großen Debatte kommt, könnten sie sie verlieren. Aber wichtiger ist: Auch sie wollen sich nicht wirklich damit beschäftigen. Wenn es denn eine Debatte geben sollte, worum müsste sie geführt werden? Bei den bisherigen Ansätzen zu einer Debatte ging es immer darum, ob sie völkerrechts- oder verfassungskonform sind oder aber um ethisch-moralische Fragen. Ich halte diese Fragen für wichtig.
Wir müssen darüber diskutieren. Aber wir müssen auch reden über die Effektivität dieser Einsätze. Funktionieren sie? Selbst wenn wir die ersten Fragen mit Ja beantworten, könnte es ja immer noch sein, dass wir die gewünschten Ziele nicht erreichen können. Dann wären die Einsätze auch abzulehnen. Das bringt uns zu einem der größten Probleme. Die Ziele verändern sich ständig. Inzwischen wird zum Beispiel in Afghanistan schon als Erfolg verkauft, wenn Ruhe herrscht, wenn die deutschen Truppen in Kundus nicht angegriffen werden. Der erfolgreiche Eigenschutz gilt schon als Erfolg der Mission. Die wird so zum Selbstzweck.
Alltag in Afghanistan
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Das Plakat, das Junge zum Verkauf anbietet zeigt die indische Schauspielerin Smriti Irani. Sie spielt die Figur "Tulsi" in der beliebten Familien-Soap "Saas Bhi Kabhi Bahu Thi" (Die Schwiegermutter war selbst einmal nur Schwiegertochter). Nach 25 Jahren Krieg ist das die erste Serie im afghanischen Fernsehen.
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Jeden Abend um 20.30 Uhr kleben Afghanen vor dem Fernseher um die indische Serie "Saas Bhi Kabhi Bahu Thi". Das Familiendrama thematisiert Probleme, die Afghanen selbst aus ihrem Alltag kennen.
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Egal ob Männer oder Frauen, jung oder alt, wer in Afghanistan Zugang zu einem Fernsehapparat hat, schaut abends um 20.30 Uhr die indische Familien-Soap "Saas Bhi Kabhi Bahu Thi". Hier schauen sich die Gäste einer Pension in Kabul gemeinsam eine der täglichen Folgen an.
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Während das Fernsehen Familiendramen zeigt, spielen sich auf den Straßen andere Tragödien ab: Nach einem Selbstmordanschlag versammeln sich Schaulustige auf der Straße in Kabul. Vor den schwerbewaffneten Polizisten halten sie lieber einen großen Abstand.
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...Kein Wunder, denn Zivilisten werden öfter mal selbst Opfer der Ordnungshüter. Der Fahrer dieses Taxis wurde durch die Kugeln der Polizei getötet, als sie versuchte die Entführer der deutschen Geisel aufzuhalten und auf deren Wagen schoss.
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Auch für die Kinder ist die Gewalt ein Alltags-Szenario: Afghanische Polizisten vor einem Haus in Kabul bei der Suche nach der deutschen Geisel.
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Aber neugierig sind sie trotzdem, wie alle Kinder dieser Erde.
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Bevor das Tragen der Burka allgemein zur Pflicht gemacht wurde, war blau eine eher seltene Farbe. Die ursprünglich teurere blaue Burka kam erst unter den Taliban in Mode. Und Handys - die gibt es erst seit vier Jahren in Afghanistan.
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Ganz unter sich sind jedoch die Männer, die in einem Boxclub in Kabul trainieren.
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Freizeitvergnügen, nur für Männer: In einem Park in Kabul werden Wasserpfeifen zum gemütlichen Schmauchen angeboten. In der Wasserpfeife dampft aromatisierter Tabak, nicht etwa Opium, das die Bauern in großen Mengen gewinnen.
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Afghanische Bauern bestellen ihre Mohnfelder in der Provinz Balkh, etwa 500 Kilometer nördlich von Kabul. Sie gewinnen hier Rohopium. Der Handel mit illegalen Narkotika dominiert die afghanische Wirtschaft. Der Opiumhandel trägt zu 60 Prozent des Bruttosozialproduktes bei. Afghanistan produziert 87 Prozent des weltweiten verfügbaren Opiums.
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Die Brücke über den Pyanj River wurde vor allem gebaut, um den Handel zwischen den beiden Uferseiten zu beleben. Die Regierung hofft darauf, mit ihr nur den legalen Handel zu fördern. Doch ebenso blüht der illegale: Drogenkuriere passieren die Brücke genauso, wie die Arbeiter.
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Auch Alltag: Dieser Wagen diente einem Selbstmordattentäter als Angriffswaffe. Mit ihm jagte er mehrere Fahrzeuge auf einer Straße im Norden des Landes in die Luft.
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Dass Zivilisten bei den Anschlägen oft schwer verletzt werden, gehört ebenso zum Leben in Afghanistan wie die Anschläge selbst. Ein aus Decken und einem Auto improvisierter Krankenwagen bringt die verletzte Familienangehörige ins Krankenhaus.
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Viele Afghanen besuchen den Schrein, der dem bekannten Dichter und Gelehrten, Khowja Abdullah Ansari, gewidmet ist in Herat im Westen Afghanistans. Die Stadt nahe der iranischen Grenze gilt als Wiege der Afghanischen Kultur und Literatur.
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Afghanische Frauen beim Gitarrenunterricht in Mazar-I-Shariff im Norden des Landes. Unter der radikal-islamistischen Herrschaft der Taliban war jede Musik verboten. Frauen waren von den Schulen verbannt worden. Die UN und verschiedene Hilfsorganisationen gaben den 2006 den finanziellen Anschub, um die Musikschule zu gründen, in der diese Frauen lernen.
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Neben klassischer Musik, entsteht in Afghanistan auch eine Szene für Populärmusik. Der Rapper Bezhan Zafarmal (rechts) alias DJ Besho, mit einer Raubkopie seiner CD in einem Musikladen in Kabul. Der 28-Jährige sagt, er wolle eine Friedensbotschaft an die junge Generation seines kriegsgebeutelten Landes schickn. Junge Afghanen sollten sich im Kampf gegen Drogen vereinen und sich um eine gute Bildung bemühen, um ihr Land vorwärts zu bringen.
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In Afghanistan gibt es natürlich Probleme wie überall auf der Welt. Auf dem Geflügelmarkt in Kabul tauchte im März 2006 die Vogelgrippe auf.
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Daraufhin schwärmten in Kabul Trupps mit Gesundheitspersonal aus, um Hühner einzufangen und Desinfektionsmittel zu versprühen. Sie hofften, der Infektion so Herr werden zu können.
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Die Bevölkerung leidet unter Armut: Ein alter Mann besucht den Markt in Kabul.
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Ein junger Mann sammelt Blätter als Brennstoff außerhalb von Kabul.
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Einst war Kabul eine schöne Stadt. Davon zeugen nur noch wenige Gebäude wie das im Bild.
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Afghanistans Hauptstadt Kabul heute: Es gibt kaum fließendes Wasser und die Straßen sind meist ungepflastert. Zerbombte und zerschossene Häuser prägen das Bild. Berge von Plastikflaschen verschandeln den Kabulfluss, und die mit Autos verstopften Straßen erfüllen die Luft mit Staub und Abgasen.
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In Afghanistan gehören Entführungen und Selbstmordanschläge zum Alltag - jedenfalls dem der Medienberichterstattung. Danaben gibt es aber noch den schmalen Grat der Normalität: Märkte, Schulen, Sport und auch Freizeitaktivitäten. Ein kulturelles Leben.
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Deutsche Soldaten in Nordafghanistan
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Deutsche Soldaten in Nordafghanistan
Doch am 16. Dezember 2009 geraten die Soldaten der 263- Isaf-Fallschirmjägerkompanie unter Beschuss.
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Taliban greifen mit Panzerfäusten an.
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Ein Reuters-Fotograf ist dabei.
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Eigentlich will er Bilder einer humanitären Aktion mitbringen.
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Es werden Bilder des Krieges.
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Die Minenräum-Aktion ist am 15. Dezember der Auftakt eines mehrtägigen Einsatzes, um die angespannte Lage im nördlichen Distrikt Chahar Dara in den Griff zu bekommen.
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An der Operation sind mehrere hundert deutsche Soldaten sowie afghanische Truppen und Polizisten beteiligt.
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Die Bundeswehr wird in Chahar Dara immer wieder von Aufständischen angegriffen, mehrere deutsche Soldaten wurden dort bereits getötet.
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Schon am Montag, 14. Dezember 2009, war die Schutzkompanie des Lagers in dem Gebiet unter massiven Beschuss geraten.
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Die Truppen waren ausgerückt, um eine Brücke zu reparieren, und wurden mit Mörsergranaten angegriffen.
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Die Bundeswehr-Soldaten feuerten mit schweren Maschinengewehren und Milan-Panzerabwehrraketen zurück. Verletzte gab es auf deutscher Seite nicht. Noch nicht.
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Chahar Dara liegt rund sieben Kilometer westlich des deutschen Feldlagers Kundus und ist inzwischen als Unruhe-Region berüchtigt.
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Die Bevölkerungszahl im Distrikt lag im Jahr 2006 bei 65.100 Menschen.
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Rund die Hälfte der Einwohner sind ethnische Paschtunen, ein Viertel sind Tadschiken, 12 Prozent Usbeken und acht Prozent Turkmenen.
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Die meisten Menschen leben in Dörfern oder auf Höfen im Nodwesten des Distrikts, am Südwestufer des Kundus-Flusses.
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Den Rest, also etwa 85 Prozent des Territoriums von Chahar Dara, machen unbewohnte Berge und Hügel aus.
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Ein ideales Versteck für Aufständische.
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Im Zuge der Taliban-Vertreibung im Jahr 2001, wurden weite bevölkerte Teile des Distrikts schwer beschädigt.
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Bis zum Jahr 2008 blieb es in der Gegend aber relativ friedlich.
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Bald darauf tauchten in Chahar Dara jedoch vermehrt Aufständische auf, Usbeken und Tschetschenen, die mutmaßlich Verbindungen zu Al-Kaida unterhielten.
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Allmählich entwickelte sich Chahar Dara zu ihrem Hauptquartier in der Provinz Kundus.
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Von hier aus operieren sie relativ ungestört und greifen dabei immer wieder die internationalen Aufbaukräfte an.
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Seit April 2009 unternehmen deutsche und afghanische Soldaten gemeinsame Anstrengungen, um die Präsenz und den Einfluss der Aufständischen in der Region zu mindern.
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Im Juli 2009 fand die bisher größte Militäraktion der deutschen Truppen im Land statt: Ihr Ziel war es, die militanten Kräfte aus dem Distrikt zu vertreiben.
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Die Aktion gilt als Flop: Es ist nicht gelungen, Chahar Dara von Taliban zu säubern.
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Der umstrittene Nato-Bombenangriff auf zwei Tanklastzüge, vom deutschen Oberst Georg Klein befohlen, fand ebenfalls im Distrikt Chahar Dara statt.
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Die Lage in der Region ist angespannt: Ein Bundeswehrsoldat des 391. Infanterie-Bataillon patroulliert am 14. Dezember im Dorf Chahar Dara.
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Ziviles Leben spielt sich vor der allgegenwärtigen Kulisse des Krieges ab: Ein Einheimischer passiert ein Fahrzeug der Bundedwehr mit seinen Kamelen und einem Esel.
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Ob die Aufbautrupps ihre jeweilige Aufgabe - den Bau von Brücken, das Räumen von Minen - unbeschadet erfüllen können, entscheidet sich jeden Tag aufs Neue.
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Jeden Moment kann es zu Gefechten kommen, die Soldaten müssen stets Kampfbereitschaft bewahren.
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Die Positionen der einheimischen Bevölkerung sind diffus.
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Wer ist ein Taliban? Wer nur ein Mitläufer? Wer ist den internationalen Truppen wohlgesonnen?
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Trotz des Misstrauens und ständiger Bedrohung: Bestimmte Gesten werden überall auf der Welt verstanden.
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Am Mittwoch, 16.Dezember, ereignet sich schließlich das, was die deutschen Soldaten hier schon so oft erlebt haben.
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Rund sieben Kilometer westlich des deutschen Feldlagers Kundus wird ihre Aufbauarbeit zunichte gemacht.
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Ein Bundeswehrsoldat wird beim Angriff auf eine Polizeistation schwer verletzt.
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Auch die Soldaten der deutschen Fallschirmjäger werden am 16. Dezember in ein Gefecht mit dem Feind verwickelt werden.
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Noch am Abend des 15. Dezembers vermutet das aber kaum jemand im Außenlager der Fallschirmjäger.
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Die Vorbereitungen laufen, am nächsten Morgen sollen in der Gegend Minen geräumt werden.
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Soldaten der 263. Fallschirmjägerkompanie der Isaf halten am selben Abend eine Besprechung dazu ab, wie die Minenräumaktion verlaufen soll.
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Danach gibt es Abendessen.
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...und mit eigener Beleuchtung.
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Noch in der Nacht gehen die Vorbereitungen für die Arbeiten am darauffolgenden Tag los.
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Was sie am kommenden Tag erwartet, wissen die Soldaten in diesen Minuten noch nicht.
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Auch nicht der Reuters-Fotograf Fabrizio Bensch, der die Truppen seit Tagen bei ihrer Arbeit im Distrikt begleitet.
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Im Zuge der Minenräumungsaktion geraten die Soldaten dann am Mittwoch ins Fegefeuer.
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Sie müssen ihre Arbeit abbrechen, um sich zu verteidigen.
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Der Feind ist unsichtbar, wieviele Aufständische angreifen, ist nicht bekannt.
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Es bleibt wenig Zeit, um die Kampfhandlungen zu koordienieren.
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In Deckung gehen und Opfer vermeiden, ist die Devise.
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Die Aufständischen feuern mit Panzerfäusten und Gewehren.
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Deutsche und Afghanen erwidern das Feuer, das Gefecht dauert etwa eine 45 Minuten. Die Soldaten fordern auch Luftunterstützung an.
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Ein Kampfflugzeug vom Typ F-15 überfliegt die Szene des Feuerkampfs, um die Aufständischen abzuschrecken.
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Der Pilot macht jedoch keinen Gebrauch von seinen Waffen.
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Die Bundeswehr besetzt schließlich eine strategisch wichtige Anhöhe, und das Gefecht ebbt ab.
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Sie kommen nach Chahar Dara, nahe Kundus, um Minen zu räumen.
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Wie kommen wir zu einer Debatte? Wir müssen uns nach acht Jahren auf die Effektivität konzentrieren. Wir hatten die verschiedensten Einsätze, man kann sehr gut durchexerzieren, was wir erreicht haben und was wir erreichen können. Meine Erfahrung ist: Mit Militärs kann man einfacher darüber sprechen als mit Politikern in Berlin. Militärs kennen nicht nur die Lage vor Ort besser, sie gehen auch pragmatischer damit um. Mit Politikern - auch und gerade mit denen der Grünen und der SPD - ist dagegen eine kühle Evaluation nur schwer zu machen.
Der andere Punkt ist: Es muss Schluss sein mit der Realitätsverweigerung. Seit neuestem ist ja doch von Krieg oder kriegsähnlichen Zuständen die Rede. Das ist ein erster Schritt. Wir müssen uns außerdem von einem Kernstück unseres Selbstverständnisses verabschieden: Wir sind nicht die Guten, wir sind nicht besser als die Amerikaner. Schließlich: Wer den Einsatz verlängern möchte, muss das begründen. Das klingt selbstverständlich. Im Augenblick aber muss, wer aufhören möchte, eine Begründung vorlegen. Ich meine: Die Beweislast muss umgekehrt werden.
Elmar Wiesendahl: Was wollen Sie? Soll der Gutkrieger abgeschafft und durch den amerikanischen Warrior ersetzt werden?
Chauvistré: Ich möchte zunächst die richtigen Fragen stellen.
Klaus Naumann: Ich kann jeden Satz Ihres Buches und auch Ihrer Ausführungen hier unterschreiben. Aber das Ganze dann doch nicht. Das hängt mit Ihrer Haltung als Kritiker zusammen. Auch mir geht es nicht in erster Linie darum, Lösungswissen zu sammeln. Auch ich will erst einmal herausbekommen, was die richtigen Fragen sind. Für mich ist zentral der Paradigmenwechsel weg von der Verteidigungs- hin zur Sicherheitspolitik. Diesen Wechsel nehme ich als gegeben an. Wir können uns ihm nicht entziehen. Aber die Bundesrepublik hat diesen Paradigmenwechsel nicht bewältigt. Die bundesrepublikanische Sicherheitspolitik sitzt in einer Multilateralismusfalle. Das heißt, es geht ihr um sekundäre Ableitungen von Entscheidungen. Deutschland geht also nicht in Einsätze, weil es beispielsweise den Interessen entspricht, sondern weil sonst unsere Position im Bündnis auf dem Spiel steht. Damit den Tod von Menschenleben zu begründen, ist einigermaßen verwegen.
Zudem verfügt die deutsche Politik über keine strategischen Kapazitäten. Sie bleibt dem Ressort- und Ausschussdenken verhaftet. Und ein Drittes: Das Verhältnis von Hard- und Softpower ist in der deutschen Politik grundsätzlich und aktuell - siehe Afghanistan - ungeklärt. Das führt zu Etikettenschwindel und Notlügen. Siehe die Debatte um den Kriegsbegriff. Hinzu kommt: Die gute Einbettung des militärischen in das parlamentarische System hat zu dem paradoxen Ergebnis geführt, dass zwar die militärischen Einzelaktionen politisch mandadiert und kontrolliert werden, aber der Gesamteinsatz gerade nicht. Der Antimilitarismus des Gefühls erzeugt so einen Militarismus aus Versehen. Noch etwas konkreter. Deutschland war von einem kurzfristigen Einsatz in Afghanistan ausgegangen. Darum unterstützte man die Strategie, sich auf die Vor-Taliban-Struktur, die Warlords zu stützen. Und das zu einem Zeitpunkt, da man sie gut hätte entwaffnen können.
Die Bevölkerung wartete damals darauf, dass Warlords und Taliban entwaffnet werden würden. Diese Situation wurde verspielt. Sie wird nicht wiederkommen. Ich glaube nicht, dass die Verschiebung des Missionsziels ("mission creep") das primäre Problem ist. Die Afghanistan-Mission war vielmehr von Anfang an viel zu eng auf Kabul ausgerichtet. Man hätte von Seiten der UNO viel massiver zum Beispiel in den Verwaltungsaufbau eingreifen müssen. Man war irrtümlich davon ausgegangen, dass die Entwicklung von Staatlichkeit aus eigener Kraft sehr viel schneller voran kommen würde. Außerdem hätte man von Anfang an unter den Taliban-Gruppierungen differenzieren und einen Teil von ihnen als Gesprächspartner akzeptieren müssen. Es gab diese Versöhnungsangebote. Aber sie wurden unter der Parole "Krieg gegen den Terror" zurückgepfiffen.
Auch diese Chance wurde verspielt. Nun zu Chauvistré: Der Blick auf das, was ist, wird bei ihm getrübt durch einen - ich nenne das jetzt mal so - Antimilitarismus-Affekt. Wer vertritt denn den von Chauvistré kritisierten militärischen Machbarkeitswahn? Wer meint wirklich, dass militärische Mittel grundsätzlich zum Erfolg führen? Ist das die deutsche Politik? Warum muss man, um in Afghanistan von Krieg zu sprechen, die Differenzierungen wie "operations other than war", "robuste Einsätze", "low intensity conflict" oder "friedenerzwingende Maßnahmen" pauschal als "Orwellsches Gerede" (so Chauvistré) diffamieren? Liegt nicht gerade darin der Versuch, einer komplexen Realität Rechnung zu tragen? Legt der Begriff Krieg denn schon hinlänglich klar, was der Fall und was zu tun ist? Für mich ist das ein Beleg dafür, wie eng Militarismus und antimilitaristischer Affekt manchmal zusammenklingen. Die einen reden von Krieg, weil ihnen dann alles gerechtfertigt erscheint, die anderen, weil ihnen der alles als ungerechtfertigt erscheinen lässt. Die differenzierenden Begriffe dienen hingegen gerade nicht der Camouflage an der Heimatfront, sondern sie sind der Versuch, eine differenzierte Realität, die sehr differenzierte Antworten verlangt, zu verstehen.
Zuletzt schreiben Sie: Wer Krieg führt, kann nicht von sich behaupten, zur Aufrechterhaltung von Sicherheit beizutragen. Hier lösen Sie meines Erachtens die Ambivalenz von Realismus und Antimilitarismus auf. Zugunsten des Letzteren. Denn wenn das stimmte - wer Krieg führt, kann nicht für Sicherheit sorgen - dann brauchen wir hier gar keine politische Debatte, um die militärischen Einsätze zu führen.