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Naomi Klein zum Klimagipfel: "Eine Bank hätte man längst gerettet"

Ein Forum für unsere Themen

Das Ziel der Aktion besteht nicht darin, die Konferenz so wie in Seattle zu sabotieren, sondern ein Forum zu eröffnen, in dem "UNSERE Themen auf der Tagesordnung stehen, einer Tagesordnung des Volkes, auf der Klimagerechtigkeit ganz oben steht und echte Lösungsvorschläge ihren Scheinlösungen entgegengehalten werden sollen... Wir werden uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen."

Einige der Lösungsansätze, die aus dem Lager der Aktivisten kommen, sind dieselben, die seit Jahren auf der Agenda der Globalisierungsgegner stehen: lokale, nachhaltige Landwirtschaft; kleinere, dezentralisierte Energieprojekte; Respektierung der Landrechte der Einheimischen; Belassung der fossilen Brennstoffe im Boden; Lockerung des geistigen Urheberrechtes für Umwelttechnologie; die Finanzierung dieser Maßnahmen durch Besteuerung von Geldgeschäften und Erlassung von Auslandsschulden.

Entschädigung für Klimaschulden?

Einige Lösungen sind auch neu, wie die verstärkt auftretende Forderung, dass reiche Länder den ärmeren eine Entschädigung für ihre "Klimaschulden" zahlen sollen. Das ist viel verlangt, aber wir haben ja gesehen, wozu unsere Regierungen in der Lage sind, wenn es darum geht, die Elite vor dem Ruin zu retten.

Einer der Slogans zu Kopenhagen lautete: "Wäre das Klima eine Bank, es wäre schon längst gerettet worden" - und nicht der Brutalität des Marktes zum Opfer gefallen.

Ein klar geführter Diskurs und konkrete Lösungsvorschläge - das soll die Vorgehensweise sein. Direkte Aktionen sind zwar gut, weil sie manchmal mehr bewirken können als wohlformulierte Appelle, aber sie sollen nicht zu der üblichen Routine des Haschmich-Spiels von Polizei und Demonstranten führen.

"Unsere Aktion besteht im zivilen Ungehorsam", sagen die Organisatoren der Aktionen für den 16. Dezember. "Wir werden alle physischen Barrieren, die man uns in den Weg stellt, durchbrechen, aber wir werden nicht mit Gewalt reagieren, wenn die Polizei versucht, die Situation zu eskalieren." (Dessen ungeachtet wird es während der zweiwöchigen Konferenz natürlich auch zu einigen Verfolgungsjagden zwischen Polizei und vermummten Jugendlichen kommen - schließlich findet das Ganze in Europa statt.)

Vor zehn Jahren schrieb ich nach dem Abbruch der WTO-Konferenz in Seattle in einer Kolumne für die New York Times, dass eine radikal neue Bewegung für eine ganz andere Form der Globalisierung "gerade ihr gesellschaftliches Debüt gefeiert" habe.

Und was wird in Kopenhagen passieren? Die Frage stellte ich John Jordan, dessen Vorhersage der Ereignisse in Seattle ich in meinem Buch "No Logo!" zitiert habe. Er antwortete: "Wenn Seattle das gesellschaftliche Debüt war, dann wird Kopenhagen vielleicht unser Eintritt ins Erwachsenenleben."

Allerdings gibt er zu bedenken, dass das Erwachsenwerden nicht bedeute, keine Risiken einzugehen, oder dass ziviler Ungehorsam bei seriösen Konferenzen auf der Strecke bleiben müsse. "Ich hoffe, wir sind erwachsen und noch ungehorsamer geworden", sagt Jordan, "weil das Leben auf diesem Planeten nämlich bald zu Ende sein könnte, und zwar wegen zu eifrigen Gehorsams."

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Autor:  Naomi Klein
Datum:  2 | 12 | 2009
Seiten:  1 2
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