Andere Länder haben versucht, sich insbesondere in Hinblick auf die Frauenrechte gänzlich aus den Menschenrechtskonventionen heraus zu manövrieren, indem sie Ausnahmen zu Gunsten ihrer eigenen kulturellen Gesetze forderten. Sie missverstehen universelle Menschenrechte als westliche imperialistische Normen. Währenddessen haben westliche Bewegungen, die kulturelle Vielfalt feiern, alten frauenfeindlichen Traditionen die nötige Rechtfertigung geschaffen.
Die eigentliche Herausforderung des nächsten Jahrhunderts liegt also darin, sicher zu stellen, dass die Globalisierung des Feminismus den kulturellen Relativismus übertrumpft. Viele linksgerichtete Denker konzentrieren sich ausschließlich auf sozio-ökonomische Aspekte, um die schreckliche Zwangslage jener Frauen zu erklären. Dabei sind es viele Faktoren - der Verfall der westlichen Macht, der Aufstieg des kulturellen Relativismus im Westen, die einseitige Beschäftigung mit sozio-ökonomischen Themen und das Wiederaufkommen alter ethnischer und religiöser Identitäten - die die Emanzipation von nicht-westlichen Frauen schwierig werden lassen.
Westliche Feministinnen sollten misstrauisch gegenüber dem Anspruch an kulturelle Vielfalt sein, sofern sie nicht auch im Namen der Kultur unbeabsichtigt Poligamie, Kinderehe, eheliche Vergewaltigung, Ehrenmorde, das Schlagen von Frauen, selektive Abtreibung weiblicher Föten und andere Traditionen rechtfertigen wollen.
Leidenschaftliche Verfechter der Gleichstellung müssen über sozio-ökonomische Aspekte hinaus denken und den Mut finden, die kulturellen Faktoren aufzudecken, die nicht nur materielle, sondern auch intellektuelle, kulturelle und moralische Armut verursachen.
Westler unterhalten viele Hilfsprogramme in nicht-westlichen Ländern. Die meisten von ihnen sind wertneutral, stellen keine Forderungen an die Kultur dieser Länder. Das muss sich ändern. Hilfsorganisationen müssen frauenfeindliche Normen und Praktiken aufdecken und die Staaten auffordern, im Gegenzug für die Hilfe neue Regeln zu akzeptieren.
Letzten Endes müssen wir nicht-westlichen Frauen deutlich machen, dass die Ansichten ihrer eigenen Kulturen und Religionen diskriminierend sind.
Haben der saudische Vater des 12-jährigen Mädchens und der 80-jährige Mann, der sie zur Braut nahm, sich nicht letzten Endes darauf berufen, dass ihr hoch geschätzter moralischer Führer und Prophet Mohammed dieser Ehe zustimmen würde, weil er Aisha heiratete, als sie sechs Jahre alt war? Und hat Mohammed die Ehe mit Aisha nicht vollzogen, als sie neun war? Dieser Logik zufolge ist eine 12-jährige Braut ziemlich reif.
Deprimierenderweise wurde die Mutter des Mädchens in diesen modernen Zeiten überzeugt, den Scheidungsprozess, den sie eingeleitet hatte, ihrer Tochter zuliebe fallen zu lassen. Damit muslimische Frauen solche Kämpfe gewinnen, müssen sie den Mut finden, nicht nur ihre gesellschaftlichen Traditionen sondern auch Mohammeds Philosophie und Führung in Frage zu stellen.
Solange wir uns im Westen nicht zusammenschließen, um die Allgemeingültigkeit von Menschen- und Frauenrechten durchzusetzen, wird es in den nächsten hundert Jahren trostlos aussehen für die Frauen der restlichen Welt.
Wenn Frauen im Jahre 2110 zurück schauen, sollten sie lachen können darüber, wie absurd die Dinge 2010 waren, als nur die westlichen Frauen Gleichheit genießen konnten.