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Russische Beutekunst: Trophäen vom Nachbarn

In keinem anderen Land der Welt befinden sich mehr unserer Kunstschätze als in Russland, sagt Jacek Miller vom Kultusministerium in Polen. Doch zurück bekommt er bisher kaum etwas.

Um Cornelis van Poelenburghs   Flucht nach Ägypten,  hier eine Variante aus Utrecht,   geht der Raubkunststreit.
Um Cornelis van Poelenburghs "Flucht nach Ägypten", hier eine Variante aus Utrecht, geht der Raubkunststreit.
Foto: Centraal Museum Utrecht/akg

"Die Flucht nach Ägypten" von Cornelis van Poelenburgh würde Jacek Miller gerne zurückhaben. Oder auch die "Waldlandschaft" von Jan Brueghel dem Älteren. Dem Direktor der Abteilung Nationalerbe im polnischen Kulturministerium kämen noch viele Kunstwerke in den Sinn, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg aus polnischen Museen entwendet wurden und nun in russischen Magazinen liegen. Seit Jahren versuchen er und seine Kollegen, die Schätze zurückzuholen - bisher meist vergeblich. "In keinem anderen Land der Welt befinden sich mehr unserer Gemälde, Plastiken oder Bücher als in Russland", so Miller.

Kunsthistoriker schätzen, dass während des Zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten und der Roten Armee weit über eine Million Kunstwerke aus polnischen Museen und Archiven abtransportiert wurden.

So machten sich in Stalins Auftrag so genannte "Trophäenkommissionen" der Sowjetarmee noch nach dem Ende des Krieges nicht nur über die Kunstschätze in der späteren DDR her, sondern durchkämmten auch die Museen in Polen. Während die DDR rund die Hälfte der Kunstwerke zurückbekam, zeigte sich Moskau gegenüber Warschau nicht sehr großzügig. Zwar konnten in zähen Verhandlungen vor allem während der 50er Jahre viele Stücke identifiziert und erfolgreich zurückgefordert werden, doch vieles gilt noch heute als verschollen.

Nach einer kurzen Phase der Öffnung der Magazine nach dem Zerfall der Sowjetunion, fiel die Tür überraschend schnell wieder ins Schloss. 1996 schließlich beschloss die russische Duma ein Gesetz, das die Beutekunst zu Eigentum Russlands erklärte.

Seit einigen Monaten schöpft Jacek Miller aber neue Hoffnung. Nach langer Eiszeit haben sich die Beziehungen zwischen Polen und Russland wesentlich entspannt. Der russische Premier Wladimir Putin versprach sogar, die umstrittene Geschichte der beiden Länder gemeinsam aufzuarbeiten.

Miller hofft, dass auch die polnischen Museen von dem neuen Tauwetter profitieren und zumindest einige der wertvollen Stücke den Weg zurück finden. Seit im Frühjahr 2005 im Moskauer Puschkinmuseum die Ausstellung "Archäologie des Krieges. Rückkehr aus dem Nichts" präsentiert und auch eine Liste von Kunstwerken veröffentlicht wurde, ist zumindest der Verbleib mancher Schätze geklärt, die bis zu jenem Zeitpunkt noch als verschollen galten.

Für Polen stellt sich allerdings noch ein weiteres Problem. Viele der Kunstschätze wurden etwa aus dem Danziger Museum entwendet. In den Augen Warschaus sind diese Werke polnisches Eigentum, da sie erst nach dem Ende des Krieges von den russischen Truppen konfisziert worden waren, als Danzig bereits zu Polen gehörte. Das stößt allerdings in Deutschland auf manchen Widerspruch, da zu jenem Zeitpunkt die völkerrechtliche Situation noch nicht endgültig geklärt gewesen sei. Zudem hätten die mobilen Werte in den ehemals deutschen Gebieten weiter Deutschland gehört.

Autor:  Knut Krohn
Datum:  23 | 10 | 2009
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