Weniger Steuern aber bedeuten mit Sicherheit nur eines: weniger Geld in den öffentlichen Kassen. Weniger Steuern bedeuten, wie man nicht erst seit den Zeiten der Reagonomics wissen kann, mit Sicherheit kein oder kaum Wachstum in der Wirtschaft. Die Rechnung, dass weniger Steuern zu mehr Wachstum führt und dieser wiederum mehr Geld in den Staatssäckel spült, womit sich die anfänglichen Mindereinnahmen mehr als ausgleichen - die Idee vom sich selbst finanzierenden Aufschwung ist Voodoo-Economics.
Die Grenzen dieser Art ökonomischen Perpetuum Mobiles wird übrigens die neue Regierungskoalition demnächst zu gegenwärtigen haben. Und ihr ideologisches Kunststück wird darin bestehen, mit der Wachstumsverheißung und dem damit einhergehenden Wohlstandsversprechen möglichst viele Menschen, wie es immer heißt, "mitzunehmen" und dann im Falle des ausbleibenden Erfolges die übrig geblieben Reichtümer an die Besserverdienenden zu verteilen. Dass und wie so etwas geht, konnten wir zuletzt beim Führungspersonal der heruntergewirtschafteten Banken beobachten.
Allerdings ist auch verständlich, dergleichen nicht wirklich wahrzunehmen zu wollen - es sieht ja auch nicht erbaulich aus. Und genau hier kommen die ideologischen Weißwäscher des Kapitals, die Sozialromantiker des schlechten Bestehenden, hier kommen dann Dichter und Denker wie Sloterdijk und Bolz endlich zu Würden. Genau hier haben sie ihren Platz. Wir wollen das nicht beklagen. Solche Dichter und Denker muss es auch geben, sie sind ja manchmal auch ganz unterhaltsam, Hofnarren gewissermaßen.
Nur sollten wir uns bis auf die treffend wiedergegebenen Ressentiments von ihnen keinen genaueren Aufschluss über unsere gesellschaftliche Wirklichkeit erwarten. Kurzum, selbst wer Axel Honneths sozialphilosophische und demokratietheoretische Einschätzungen nicht in allen Punkten teilt, seinem Befund eines politisch-publizistischen Klimawandels ist nur zustimmen. Eine neue Unverschämtheit macht sich breit, sie reicht von aggressiver Ahnungslosigkeit bis demonstrativer Rücksichtslosigkeit. Gar allzu mächtig scheint der Wunsch, die Party möge immer so weiter gehen.