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Vertriebenen-Stiftung: Weiterer Ärger ist programmiert

Weißer Rauch stieg nicht auf, als Erika Steinbach am 11. Februar ihren Verzicht auf einen Sitz im Rat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" verkündete. Jetzt drohen neue Turbulenzen. Von Harry Nutt

Erika Steinbach (Archivbild)
Erika Steinbach (Archivbild)
Foto: dpa

Weißer Rauch stieg nicht auf, als Erika Steinbach am 11. Februar ihren Verzicht auf einen Sitz im Rat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" verkündete. Erleichtert waren schließlich aber nicht nur die politischen Akteure, sondern auch die Mitglieder des wissenschaftlichen Gremiums, das die konzeptionelle Ausrichtung der Gedenkstätte im Deutschlandhaus in Berlin ausarbeiten soll.

Jetzt drohen neue Turbulenzen. Die tschechische Historikerin Kristina Kaiserová und die deutsche Polen-Spezialistin Helga Hirsch haben nacheinander ihren Rückzug aus dem wissenschaftlichen Beirat erklärt, den einige Wochen zuvor bereits der polnische Historiker Tomasz Szarota verlassen hatte.

Szarota hatte sich seinerzeit entnervt zurückgezogen, weil er den Verdacht nicht los wurde, es gehe den Deutschen nicht um Versöhnung mit den Nachbarn, sondern vielmehr um Aussöhnung mit sich selbst. Als Begründung für die neuerlichen Demissionen wird eine zu starke Politisierung der Arbeitsbedingungen angegeben. Die Nerven scheinen auch in diesen Fällen blank zu liegen.

Mit Kristina Kaiserová hat die vorletzte osteuropäische Wissenschaftlerin die Runde verlassen. Einziger nichtdeutscher Vertreter ist nun noch der ungarische Historiker Kristian Ungvary. Ein beunruhigendes Signal ist der Rückzug Helga Hirschs. Die frühere Polenkorrespondentin der Zeit und der Welt hatte unlängst bei der Vorstellung eines Vertreibungsatlanten darauf aufmerksam gemacht, dass gerade junge polnische Historiker differenzierte Beiträge zur Vertreibungsforschung beigetragen haben.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann bekräftigte unterdessen die Bedeutung der Zusammenarbeit internationaler Wissenschaftler. Ziel sei es nun, den Beraterkreis zu erweitern. Neumann gibt sich zuversichtlich, schon bald ein profundes Gremium präsentieren zu können.

Zusätzlicher Ärger ist programmiert. Ausgerechnet Manfred Kittel, Direktor des wissenschaftlichen Beirats, geriet in die Schusslinie. Er betreut am Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) eine Studie über die NS-Verstrickungen früherer Funktionäre des Bundes der Vertriebenen (BdV). Erste Ergebnisse der Studie haben den Verdacht geweckt, dass es dem Autor vorrangig um eine Entlastung der BdV-Funktionäre gehe. Noch ehe die Stiftung ihre Arbeit so richtig aufgenommen hat, ist schon wieder vom Neustart die Rede. Am Tag nach ihren Abgang forderte Hirsch am Mittwoch im Deutschlandradio den Rücktritt Kittels.

Autor:  Harry Nutt
Datum:  11 | 3 | 2010
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