Die alte Welt trifft die neue: Das erste Orchester der Welt, das sich via Internet gefunden hat, wird am heutigen Mittwoch in der Carnegie Hall auftreten, New Yorks ehrwürdiger Konzertinstitution. Das Ensemble - 90 Musiker aus 30 Ländern von Mexiko bis Malaysia - hat sich auf YouTube gefunden, der Video-Internetseite, die Google gehört.
Seit Montag üben die Musiker in New York unter der Leitung von Michael Tilson Thomas, dem langjährigen musikalischen Direktor der San Francisco Symphony. Nun werden sie das erste Mal gemeinsam vor einem Live-Publikum spielen.
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Die Idee wurde im Silicon Valley geboren, und zwar in den Hallen von Google, der Datenkrake. Die Idee war, YouTube auch für Fans klassischer Musik interessanter zu machen. Und so wurden vor einem halben Jahr Musiker aus aller Welt und jeden Alters aufgerufen, Proben ihres Könnens auf die Seite zu stellen, auf der sonst eher TV-Clips, Popmusik, Tiervideos laufen. Den Bewerbern wurden mehrere klassische Stücke zum Nachspielen angeboten, zudem hat der chinesische Komponist Tan Dun ein von Beethoven inspiriertes, vierminütiges Orchesterstück geschrieben, das er "Eroica" genannt und ebenfalls auf YouTube gestellt hat. Auch dieses sollten die Bewerber - unter virtueller Anleitung des London Symphony Orchestra - spielen.
Das taten mehr als dreitausend Interessenten, aus ihnen wählte eine Jury - Mitglieder der Berliner Philharmoniker, der Londoner Symphoniker, der Hong Kong Philharmonics und der New York Philharmonics - die Besten aus. Die Finalisten stellten sich dann der YouTube-Hörerschaft. Und wer auch noch die überzeugte, der wurde für das Ereignis nach New York geflogen. Die Kosten für das Unternehmen, vermutlich Millionen von Dollar, trägt Google. Für den Konzern aus Mountain View, der einen Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Dollar hat, ist dies nicht nur Werbung, Google will für seine Videotochter YouTube neue Märkte erschließen, vor allem unter asiatischen Liebhabern klassischer Musik.
Die meisten der frischgebackenen Orchestermitglieder sind jung, 15 Jahre zählt der jüngste. Das Programm für die Carnegie Hall ist allerdings traditionell: Tschaikowskis Vierte Symphonie, dazu Bach, Brahms, Berlioz, Wagners "Walkürenritt", Debussy, Prokofjew, Mozart und Benjamin Britten. Ein paar zeitgenössische Komponisten - John Cage, Mason Bates - werden untergemischt, dazu plant Thomas "Multimediapräsentationen". Die Karten für das Konzert kosten 25 bis 50 Dollar - man darf davon ausgehen, dass es ausverkauft sein wird. Und am Tag danach landet das Musikereignis, in Zehn-Minuten-Clips, natürlich auf YouTube.