Als der griechische Staat Mitte der 90er Jahre den Auftrag zum Bau des neuen Athener Flughafens an ein Firmenkonsortium unter Führung der Essener Hochtief AG vergab, war das ein weit über die Grenzen Griechenlands hinaus beachtetes und später imitiertes Modell eines innovativen Flughafen-Finanzierungskonzepts: An der damals gegründeten Athens International Airport AG (AIA) hielt der Staat 55 Prozent, während 45 Prozent auf private Partner entfielen, allen voran Hochtief.
Der deutsche Baukonzern brachte Eigenkapital ein, besorgte einen Großteil der Projektfinanzierung, wickelte Planung und Bau des Airports ab und betreibt den Flughafen auf zunächst 30 Jahre. Anfangs war übrigens auch die damalige Frankfurter Flughafengesellschaft FAG, wie Fraport seinerzeit hieß, mit einigen Prozent an der AIA beteiligt, zog sich aber später zurück.
Die Athener Flughafengesellschaft erwirtschaftete dank eines anfangs starken Verkehrsaufkommens schneller als erwartet Gewinne, bekommt jetzt aber die Schuldenkrise des Landes und die daraus resultierende Rezession zu spüren: Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Passagiere um fünf Prozent zurück. In den ersten vier Monaten 2011 verstärkte sich der Abschwung: Im Inlandsverkehr brachen die Passagierzahlen massiv um 22,4 Prozent ein.
Interessenten für die 21 Prozent der Airport-Aktien, von denen sich der Staat jetzt trennen will, dürfte es zwar geben. Es ist aber fraglich, welchen Preis die Regierung vor dem Hintergrund der Krise im griechischen Luftverkehr erzielen kann. Offen ist bisher, ob die Anteile an die Börse gebracht oder als Paket an einen strategischen Investor verkauft werden sollen. Voraussetzung ist in jedem Fall eine Verlängerung der 2025 auslaufenden Betriebskonzession, denn sonst rentiert sich für die Investoren der Einstieg nicht. Darüber verhandelt Griechenland mit Hochtief.
Privatisierung notwendig
Interesse angemeldet hat bereits Fraport. Der Frankfurter Flughafenbetreiber will sein Engagement im Ausland ohnehin verstärken. Wenn sich eine Möglichkeit wie in Griechenland eröffne, schaue man sich das „mit Interesse“ an, sagte ein Konzernsprecher der FR. Derzeit mache es aber keinen Sinn, über Details wie einen Kaufpreis zu spekulieren. Denn vor einem Einstieg müsse der Flughafen erstmal privatisiert und ausgeschrieben werden. Danach werde Fraport Risiken und Rendite-Chancen abwägen.
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„Wir engagieren uns dort, wo wir Einfluss auf das Management haben“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte. Wichtig seien zudem: ausgewogene Regulierung, faire Konzessionsverträge, Wirtschaftlichkeit der Investition sowie operativer und unternehmerischer Einfluss auf das Unternehmen. „Wir sind weder ein passiver Finanzinvestor noch ein aggressiver Private-Equitiy-Investor“, sagte Schulte. Fraport sei ein auf langfristige Engagements fokussierter Flughafenbetreiber. Für Zukäufe könne der Konzern mehr als 2,1 Milliarden Euro kurzfristig locker machen. Derzeit interessiere sich Fraport vornehmlich für Brasilien. Aber auch in Europa setze er auf Wachstum, sagte Schulte.
Zwar wird die Heimatbasis Frankfurt gerade ausgebaut und bietet ab Oktober zusätzliche Kapazitäten. Für Fraport sind Auslandsflughäfen dennoch interessant, da sie bessere Wachstumschancen bieten. Der Konzern ist an elf ausländischen Airports beteiligt – etwa in Kairo, Delhi, Lima und Petersburg.
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