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Studie: Bio-Bauern büßen Boden ein

Derzeit sind Bio-Produkte dank Dioxin-Skandal im Trend - generell sieht der Trend anders aus: Bio-Bauern haben immer geringeren Anteil am heimischen Markt - die ökologisch bewirtschaften Flächen wachsen kaum. Um die Nachfrage zu befriedigen werden große Mengen importiert.

        

Obst und Gemüse mit Bio-Label ist in Deutschland stark gefragt.
Obst und Gemüse mit Bio-Label ist in Deutschland stark gefragt.
Foto: Andreas Arnold
Berlin –  

Die Herstellung von Bio-Lebensmitteln in Deutschland kann die rasant wachsende Nachfrage immer weniger decken. Wie eine Studie der Universität Bonn zeigt, ist die Bundesrepublik inzwischen der größte Absatzmarkt für Produkte des ökologischen Landbaus in ganz Europa. Doch während der Handelsumsatz zwischen 2000 und 2009 um rund 180 Prozent gestiegen ist, geht dieses Wachstum an den deutschen Erzeugern zunehmend vorbei: Flächenanteil und Zahl ökologisch bewirtschafteter Betriebe wuchsen im gleichen Zeitraum lediglich um 75 Prozent.

Der Dioxin-Skandal
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In der Folge verlieren deutsche Bio-Produkte immer mehr Anteile am heimischen Markt. „Dies ist insbesondere beim imageprägenden Segment ,Obst und Gemüse’ zu verzeichnen“, schreiben die Agrarwissenschaftler Ulrich Köpke, Daniel Neuhoff und Paul Martin Küpper in der Studie, die sie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion erstellten. „Egal ob Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten – die Marktanteile sinken im untersuchten Zeitraum kontinuierlich.“

Auch ökologisch erzeugtes Getreide und Futtermittel müssten zunehmend aus dem Ausland eingeführt werden. So werde die Wertschöpfung bei Bio-Lebensmitteln immer stärker ins Ausland verlagert – vor allem nach Osteuropa, wo es bei weitem nicht so viele Käufer für Bioprodukte gibt.

„Nach langen Transporten ist Bio aber oft nicht mehr Öko“, kommentiert die Grünen-Agrarexpertin Cornelia Behm die Ergebnisse in Anspielung auf den Treibhausgase-Ausstoß von Lkw und Flugzeugen. Das sei von den Verbrauchern so nicht gewollt und spreche ebenso für eine Ausweitung der heimischen Bioproduktion wie der gewachsene Wunsch nach sicheren Lebensmitteln. „Wer gesunde Lebensmittel will, sollte in erster Linie auf regionale Produkte zurückgreifen, denn je weniger Zwischenhändler, umso besser die Rückverfolgbarkeit“, sagt Behm. Das gelte besonders für Bio-Produkte.

Worauf Verbraucher achten sollten
Aigners Maßnahmen-Katalog
  • Schärfere Melde- und Kontrollpflichten
  • Zwangsweise Haftpflichtversicherungen für Betriebe und Produkte
  • Meldepflicht für Ergebnisse von Privatlaboren
  • Schärfere Vorgaben für Futtermittelkontrollen
  • Rohstoffliste
  • Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe
  • Trennung der Produktion von Futterfett und technischem Fett

Als Grund für die rapide Auseinanderentwicklung von Angebot und Nachfrage sehen die Wissenschaftler die politischen Weichenstellungen seit 2005. Mit dem Amtsantritt der großen Koalition sowie später unter Schwarz-Gelb sei die deutsche Förderung für den Bio-Landbau systematisch gesenkt worden. „Die Politik setzt hier keine Prioritäten und Anreize mehr“, heißt es. Insgesamt sei die Förderung für die Umstellung auf Öko-Landwirtschaft beim Vergleich der Jahre 2004 und 2009 im Bundesdurchschnitt um rund elf Prozent gekürzt worden. Gleichzeitig setze die Bundesregierung auf die Exportförderung von konventionellen Erzeugnissen, etwa Milchprodukte für den Nahen Osten oder billiges Schweinefleisch für ostasiatische Länder.

Wie kommt das Dioxin ins Ei?

Bildergalerie ( 5 Bilder )

Dioxin-belastetes Schweinefleisch

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Andere EU-Länder haben dagegen laut der Studie im Gegensatz zu Deutschland die Chancen erkannt: Sie setzen ihre Hilfen gezielt ein, um den Export von Bio-Lebensmitteln für den deutschen Markt zu stärken. Auffällig seien die starken Zuwächse der Anbauflächen in Spanien, Schweden, Tschechien, Polen, Lettland, Litauen, Portugal und Rumänien. So ist die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Polen zwischen 2004 und 2008 um 279 Prozent auf 314.000 Hektar gestiegen. In Deutschland betrug der Zuwachs 18 Prozent, die Bio-Fläche lag 2008 bei 908.000 Hektar.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, forderte ein Ende der „verfehlten Agrarpolitik von Schwarz-Gelb in Bund und Ländern“: Dass die Koalition „die Überproduktion von Billigfleisch in Deutschland fördert und gleichzeitig die Bioproduktion ins Ausland verdrängt, sei eine absurde Politik mit einem „volkswirtschaftlich und ökologisch hohen Preis“.

Autor:  Steven Geyer
Datum:  19 | 1 | 2011
Kommentare:  6
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