Der Dioxin-Skandal

21. Januar 2011

Weltweite Ernährung: Hunger als Sicherheitsproblem

 Von Martina Doering
Der frühere CDU-Politiker Klaus Töpfer warnt vor den Folgen einer verfehlten Agrarpolitik. dpa Foto: dpa

Der Vizepräsident der Welhungerhilfe Klaus Töpfer stellt das neue "Handbuch Welternährung" vor. Besondere Kritik übt er dabei an der deutschen Agrarpolitik.

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Berlin –  

Die Welt hat nichts aus den Erfahrungen der Agrarpreiskrise 2008 gelernt. Das ist die nüchterne Feststellung von Klaus Töpfer, Vizepräsident der Welthungerhilfe. Zusammen mit der indischen Soziologin Babita Sinha stellte er am Freitag in Berlin das neue „Handbuch Welternährung“ vor, das die Hilfsorganisation bereits zum vierten Mal herausgibt.

Das Kompendium gibt einen Überblick über die Ursachen des Hungers in der Welt, vermittelt Fakten zu Ernährung und zur landwirtschaftlichen Entwicklung. Es nennt aber auch die notwendigen politischen Maßnahmen, um die Weltbevölkerung künftig ausreichend zu ernähren und die Zahl hungernder Menschen zu senken.

Geteilte Welt

Die Agrarpreise steuern gegenwärtig wieder ein Hoch an, führt Klaus Töpfer aus. In Deutschland habe der Skandal um dioxinverseuchte Lebensmittel eine Debatte über die industrielle Nahrungsmittelproduktion ausgelöst. „Wir sprechen von einer globalisierten Welt“, schreibt Töpfer. „Doch diese Welt ist mehr denn je eine geteilte Welt – mit Fehlernährung im Norden, Mangelernährung im Süden.“

Dabei sei weitgehend bekannt, welche Schritte nötig seien, um die Probleme zu lösen: Investitionen in Landwirtschaft und die Agrarforschung, Eindämmung der Spekulation mit Nahrungsmitteln und Agrarflächen, Abschaffung der Subventionen für die Agrarproduktion in westlichen Staaten, weil dadurch Märkte und Farmen in Entwicklungsländern zerstört würden.

Auch bei der industriellen Nahrungsmittelproduktion müsse es ein Umdenken geben. Veränderte Essgewohnheiten in Schwellenländern wie China und Indien sowie die steigende Nachfrage nach veredelten Lebensmitteln sowie Fleisch plus der anhaltend hohe Fleischkonsum in der westlichen Welt führten zur Ausweitung der Massentierhaltung, sagt Töpfer.

Das verschärfe das Umwelt- wie auch das Hungerproblem, so der frühere Leiter des UN-Umweltprogramms: „Ein Drittel der weltweiten Getreideproduktion wird zur Tierfütterung verwendet.“ Es müsse schnellstens gehandelt werden, denn Hunger sei ein Sicherheitsproblem und die bisherigen Produktionsweisen trügen zur Klimakatastrophe bei.

Erfolge in Indien

Auf nationaler Ebene versucht die Welthungerhilfe mit ihren Millenniumsdorf-Projekten zu zeigen, dass es möglich ist, das erste Millenniumsziel zu erreichen: den Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung bis 2015 zu halbieren. Babita Sinha berichtet über Erfolge aus Sarwan, einem der Millenniumsdörfer im indischen Bundesstaat Jharkhand. 864 Haushalte mit 7000 Menschen seien involviert.

Durch Investitionen in Milchwirtschaft, besseres Wassermanagement und den Anbau neuer Pflanzensorten seien die Einkommen gestiegen sind, habe der Hunger abgenommen. „Aber wir engagieren uns dort nicht, um ein Millenniumsziel zu erreichen, sondern um den Leuten zu helfen“, sagt Sinha.

Das letzte Kapitel widmet sich denn auch der Frage, was jeder Einzelne auf der Welt für globale Ernährungssicherheit tun kann: Verschwendung vermeiden, den fairen Handel unterstützen, weniger Fleisch und Fisch essen.

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