kalaydo.de Anzeigen

Erbstreit: Erfolg für Wolskis Gönnerin

Entgegen dem Landgericht sieht das Oberlandesgericht Frankfurt keine Erbunwürdigkeit bei Margit C. Nun dürfte der Fall bei den höchsten deutschen Gerichten landen.

Margit C. ist eine feine, zierliche Dame, die im schicken Kostüm vor Gericht erscheint. Niemand käme auf die Idee, dass diese adrette 88-Jährige das Erbe ihres Mannes zu dessen Lebzeiten „mit sittenwidrigen Machenschaften“ in ihren Besitz gebracht haben könnte, um es an einen fast 30 Jahre jüngeren Freund, den Rechtsanwalt Michael Wolski, zu verschenken. Genau dies wirft der Dame jedoch Daniel C. vor, der Sohn des verstorbenen Ehemanns von Margit C., Ignaz C., aus erster Ehe. Er will Margit C. die Erbwürdigkeit absprechen lassen.

Vor dem Landgericht Frankfurt hatte Daniel C. im vorigen Jahr Erfolg mit seiner Klage. Das von Margit C. angerufene Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt sieht den Fall anders. Zwar spricht es sein Urteil erst am Freitag nächster Woche. Die Vorsitzende Richterin Angelika Kagerer machte aber in der Verhandlung am Mittwoch bereits deutlich, dass der Senat die Voraussetzungen für eine rechtliche Erbunwürdigkeit „nicht für gegeben“ halte.

Mehr zum Thema

Der Fall Wolski - Berichte im Dossier.

Nun dürfte der Fall bei höchsten deutschen Gerichten landen. „Lassen wir doch mal den Bundesgerichtshof über die Erbunwürdigkeit entscheiden und gegebenenfalls das Bundesverfassungsgericht“, sagte Jürgen Fischer, der Anwalt des Klägers Daniel C.

Einen Vorschlag des OLG, den Streit beizulegen, hatte Daniel C. abgelehnt. Richterin Kagerer hatte einen Nachlass von 3,2 Millionen Euro errechnet, von dem der Kläger 400.000 Euro erhalten solle. Daniel C.s Anwälte monierten, dabei seien nicht alle Zuwendungen von Margit C. an Michael Wolski berücksichtigt.

Der Familienstreit um das Vermögen des verstorbenen Immobilien-Unternehmers Ignaz C. beschäftigt die Justiz seit Jahren. Im März wurde Rechtsanwalt Wolski vom Landgericht Darmstadt zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Beide Seiten haben Revision eingelegt.

Auch damals ging es um die Zuwendungen der Witwe an den Mann, mit dem sie nach Überzeugung des Darmstädter Gerichts ein intimes Verhältnis unterhielt. Wolski bestreitet das weiterhin. Er begleitete Margit C. am Mittwoch im Gerichtsgebäude, folgte der Verhandlung aber nicht im Saal.

Im Darmstädter Verfahren war bekannt geworden, dass auch Wolskis Ehefrau Karin Immobilien und Autos von Margit C. erhalten hatte. Diese wurden vom Gericht als Zuwendungen an Michael Wolski gewertet. Gegen Karin Wolski wird nicht ermittelt. Sie war nach dem Urteil gegen ihren Mann von ihrem Amt am hessischen Staatsgerichtshof zurückgetreten, amtiert aber weiterhin als Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichts Frankfurt.

(Aktenzeichen: 21 U9/10)

Korrektur: Der Kläger in diesem Prozess, Daniel C., den wir zunächst irrtümlich als ihren Sohn bezeichnet hatten, ist der Sohn des verstorbenen Ehemanns von Margit C., Ignaz C., aus erster Ehe.

Autor:  Pitt von Bebenburg
Datum:  20 | 10 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial

Das hessische Kultusministerium führt eine Schwarze Liste für Lehrer, die als unfähig eingeschätzt und nicht mehr im Schuldienst angestellt werden sollen.

Staumelder

Staumelder 13 Staus mit einer Gesamtlänge von 55km
Zu den Staumeldungen
Spezial
Koch geht, Bouffier kommt - wohl auch im CDU-Bundesvorsitz.

Ende einer Ära: Nach elfeinhalb Jahren nimmt Hessens Ministerpräsident Roland Koch Abschied von der Politik.

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Spezial

Nach der Privatisierung des Uniklinikums Marburg-Gießen häufen sich Berichte über eine schlechte Krankenversorgung und Personalmangel.

Spezial

Die FR nimmt die hessischen Bahnstationen unter die Lupe. 36 Bahnhöfe haben wir auf ihre Kundenfreundlichkeit getestet.

FR @ Handy

Ob Büro, Biergarten oder Badesee: Die "Frankfurter Rundschau" ist auf dem Handy immer dabei - mit vielen Sport-Livetickern.