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Kampf gegen die Haft: Wolskis zwielichtige Dokumente

Ausgerechnet der Kölner „Ausbrecherkönig“ Pflüger soll Michael Wolski helfen, den Antritt seiner Haft zu verhindern. Es geht um Dokumente, die Wolski entlasten sollen, den Vorwurf der Urkundenfälschung - und eine neue Anzeige.

        

Michael Wolski während des Prozesses gegen ihn wegen Steuerhinterziehung im März 2010.
Michael Wolski während des Prozesses gegen ihn wegen Steuerhinterziehung im März 2010.
Foto: dapd/Thomas Lohnes

Es sind zwei schillernde Gestalten, die sich da gefunden haben. Der verurteilte Frankfurter Steuerhinterzieher Michael Wolski hat nach Informationen der Frankfurter Rundschau den Kölner Privatdetektiv Helmut Pflüger mit Ermittlungen in eigener Sache beauftragt. Pflüger hat schon mehrere Haftstrafen abgesessen und ist als „Ausbrecherkönig“ bekannt geworden.

Neben anderen Dokumenten soll auch eine angebliche Aussage Pflügers nun Wolski davor bewahren, in der nächsten Woche seine Haft anzutreten. Unmittelbar nach dem Urteil gegen ihn im März 2010 hatte Wolski den Detektiv angerufen und ihm seitdem mehrere Aufträge erteilt. Das geht aus einer Aussage hervor, die Wolski bei der Polizei abgegeben hat. Am Mittwoch sagte Wolski der Frankfurter Rundschau auf die Frage, ob er wisse, welchen Hintergrund Pflüger habe: „Ich kenne mich besser aus als alle anderen zusammen.“

Die Verfehlungen der beiden Männer hat die Politik auf unterschiedliche Weise bewegt. Wolski wurde wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt und muss am Montag – wenn nicht noch ein Wunder geschieht – ins Gefängnis. Er hatte Immobilien, Autos und Geld in Millionenhöhe von einer reichen alten Dame erhalten und dies nicht versteuert.

Manche der Gaben waren an seine Frau übergeben worden, was die Richter aber als Geschenke für Michael Wolski werteten. Gegen die Ehefrau, eine hohe Richterin und beinahe Kandidatin der CDU für das Amt des Oberbürgermeisters in Offenbach, wurde nicht ermittelt. Sie trat unmittelbar nach dem Urteil gegen ihren Mann von ihrem Amt als Richterin am hessischen Staatsgerichtshof zurück.

Als Detektiv des einstigen Schwimmers Wolski tritt nun der Ex-Boxer Pflüger in Erscheinung. Er wurde wegen unterschiedlicher Delikte verurteilt, so im Jahr 2000, weil er den ehemaligen Müllunternehmer Hellmut Trienekens, den Finanzkonzern OVD und die Ex-Bundesschatzmeisterin der CDU, Brigitte Baumeister, mit angeblich brisantem Beweismaterial um mehr als 100.000 Mark erleichtert hatte. Bei den vorgeblichen Beweisen handelte es sich aber um Tonbänder und Videokassetten, auf denen nichts zu hören oder zu sehen war. Angebliche eidesstattliche Versicherungen, die Pflüger mitlieferte, stellten sich als gefälscht heraus.

Im Fall Wolski geht es nun um schriftliche Erklärungen, in denen auch der Name Pflüger auftaucht. Michael Wolski hat die Dokumente beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, um per einstweiliger Anordnung zu verhindern, dass seine Haftstrafe vollzogen wird. Die Karlsruher Richter hatten am Mittwoch noch nicht darüber entschieden. In zwei angeblichen eidesstattlichen Erklärungen einer Immobilienmaklerin wird diese mit den Worten zitiert, sie habe Wolski fälschlich Straftaten angelastet. Die Vorwürfe, die sie in einer Fernsehsendung erhoben habe, seien „alle unzutreffend“ und von ihr für Geld gemacht worden. In einer weiteren „Erklärung“ eines Kölner Rechtsanwalts heißt es dann, er bestätige, dass die Maklerin „gegenüber Herrn Helmut Pflüger die in der eidesstattlichen Versicherung vom 13.9.2011 festgehaltenen Erklärungen abgegeben“ habe.

Die Sache hat allerdings gleich zwei Haken: Die Maklerin hatte im Prozess gegen Wolski gar nicht ausgesagt. Und die Frau bestreitet, jemals eine derartige eidesstattliche Erklärung oder eine solche Aussage abgegeben zu haben, wie sie Pflüger angeblich vernommen haben soll. Die Maklerin sagte der FR auf Anfrage, es sei „eine Unverschämtheit, mich in so eine Sache reinzuziehen“. Sie betonte: „Es gibt keine eidesstattliche Versicherung von mir.“ Die Frau berichtete davon, dass sie wochenlang von einem Mann am Telefon behelligt worden sei, der sie gebeten habe, sich mit Wolski zu treffen oder nach Köln zu kommen. Sie lebt in Frankreich.

Die FR befragte auch den Kölner Anwalt, der laut der von Wolski eingereichten „Erklärung“ bestätigt haben soll, dass die Maklerin ihre Aussagen gegenüber Pflüger abgegeben habe. Der Anwalt antwortete nur: „Sie werden sicherlich verstehen, dass ich keine Auskünfte dazu geben kann.“

Es gibt Menschen, die die von Wolski vorgelegten Erklärungen für gefälscht halten. Dazu zählt der Sohn von Wolskis Gönnerin. Er hat am Mittwoch Anzeige gegen Wolski und Pflüger erstattet, wie sein Anwalt Jürgen Fischer sagte.

Wolski wirft er Urkundenfälschung vor, Pflüger außerdem versuchte Strafvereitelung. „Wolski hat in Pflüger sein Pendant“, sagte Fischer der FR. „Das sind Leute, die verlernt haben, die Wahrheit zu sagen.“

Autor:  Pitt von Bebenburg
Datum:  2 | 2 | 2012
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