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28. November 2015

Franziskus in Afrika: Päpstliches Donnerwort im Slum

 Von 
Kinder aus dem Elendsviertel Kangemi umringen das Oberhaupt der katholischen Kirche.  Foto: dpa

Bei seinem Besuch in Kenia liest Papst Franziskus „selbstsüchtigen“ Reichen die Leviten. Außerdem rief er seine Zuhörer auf, sich als Zeichen gegen den Tribalismus an den Händen zu fassen: „Wir sind alle eine Nation“, rief Franziskus,

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Die bislang deutlichste Botschaft seines Afrikabesuchs gab Papst Franziskus bereits kurz nach seiner Ankunft in Nairobi ab – und zwar ohne ein einziges Wort zu sagen. Kaum hatte der 78-jährige Oberhirte der Katholiken das Begrüßungszeremoniell am Flughafen hinter sich, stieg er in ein normales Automobil japanischer Bauart ein, um damit in die Stadt zu gelangen.

Unterdessen wuchteten sich seine Gastgeber, Kenias Präsident Uhuru Kenyatta samt dessen VIP-Tross, in ihre gepanzerten, schwarzen XXL-Karossen: Ob es den kenianischen Herrschern wenigstens etwas peinlich war, hat sich noch nicht herumgesprochen. „Unsere Politiker könnten von ihm ein paar Dinge lernen“, kommentierte der „Standard“ in Nairobi.

Ein bedeutender Teil der Ministerriege musste den Vorgang im Fernsehen verfolgen. Fünf seiner Kabinettskollegen hatte Kenyatta am Vortag der Ankunft des Papstes wegen eines Korruptionsskandals entlassen. Der längst fällige Schritt war zweifellos dem Kommen des Kirchenführers zu verdanken. Zuvor hatte sich der Präsident lange geziert, die Konsequenzen aus dem schwärenden Skandal zu ziehen.

Bei anderen im Vordergrund stehenden Themen des Papstbesuches wird die Wirkung gewiss nicht so unmittelbar ausfallen. Es sei denn, man betrachtet den strömenden Regen – vor allem während der Mega-Messe am Donnerstag in Nairobi – wie der Papst selbst als einen „Segen“. In dieser Saison hat das berüchtigte Wetterphänomen El Niño allerdings schon für genug Feuchtigkeit gesorgt.

Applaus für den Popstar

Inzwischen müssen die Kenianer froh sein, wenn ihnen der Regen nicht noch die Böden wegschwemmt. Bei den Themen der gestern zu Ende gegangenen ersten Etappe des Papstbesuchs handelt es sich nicht um Instant-Botschaften mit sofortiger Erfüllungsgarantie. Der entschlossene Kampf gegen die Armut, ein harmonischeres Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen sowie ein rücksichtsvollerer Umgang mit der Natur sind Appelle, die auf eine „Veränderung des Herzens“ und der Gewohnheiten angewiesen sind. Über Nacht werden sie alle nicht erfüllt.

Auch Franziskus‘ Besuch im Slum Kangemi am Freitag hatte zunächst vor allem symbolischen Charakter. Hier fand der Papst schließlich aber die bislang deutlichsten Worte seiner Reise: Das Leben im Slum seien „von einer sich an Macht und Reichtum klammernden Minderheit zugefügte Wunden“, sagte der ehemalige Jesuitenpriester: „Sie werfen selbstsüchtig mit Geld um sich, während eine wachsende Mehrheit in verwahrloste und dreckige Außenbezirke fliehen muss.“

Eindrückliche Symbolik und deutliche Worte dann auch beim letzten Programmpunkt in Kenia. In Nairobis Kasarani-Stadion am späten Freitagvormittag vor Tausenden von Jugendlichen. Der Papst rief seine Zuhörer auf, sich als Zeichen gegen den Tribalismus an den Händen zu fassen. Ein Signal gegen die immer wieder aufflammenden tödlichen Konflikte zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Vielvölkerstaats. „Wir sind alle eine Nation“, rief Franziskus, und die jungen Zuschauer jubelten dem Kirchenführer wie einem Popstar zu.

Saat der Bescheidenheit

Und schließlich noch einmal ein paar Takte zum Thema, das die Kenianer derzeit am meisten beschäftigt. „Jedes Mal, wenn wir Schmiergeld annehmen und in unsere Taschen stecken, zerstören wir unsere Herzen“, sagte der Papst. „Ich bitte Euch, kommt erst gar nicht auf den Geschmack für den Zucker der Korruption. Er bringt nicht Leben mit sich, sondern den Tod.“

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Am Nachmittag flog Franziskus ins Nachbarland Uganda weiter, wo er sich zunächst mit Präsident Yoweri Museveni traf.

Unter dem Hashtag #Kwaheri Pope (Kisuaheli für „Auf Wiedersehen, Papst“) sandte eine Kenianerin namens Wambui dem Kirchenführer noch eine Botschaft hinterher: „Du hast in mir die Saat der Bescheidenheit gepflanzt. Ich werde sie wässern, bis sie Früchte trägt.“

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