Die Schlagzeile ist unvergessen. "Wir sind Papst!", jubelte die Bild-Zeitung am 20. April 2005, am Tag nach der Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst. Zum ersten Mal seit fast 500 Jahren war ein Deutscher zum Oberhaupt der Katholischen Kirche gewählt worden. Das war Grund genug für eine Aufwallung von Nationalstolz wie bei einer erfolgreichen Fußball-WM.
Überraschung am Rosenmontag: Papst Benedikt XVI. verkündet völlig überraschend seinen Rücktritt. Anlass genug zurückzublicken auf eine lange Kirchenkarriere...
Foto: dpaRatzinger, der aus einfachen Verhältnissen aus dem bayerischen Städtchen Marktl stammt, hatte eine mustergültige Kirchenkarriere gemacht. Gemeinsam mit seinem Bruder Georg Ratzinger wurde er 1951 zum Priester geweiht. Mit 50 wurde Joseph Ratzinger dann Erzbischof von München und Freising; schon einen Monat später wurde er auch in das Kardinalskollegium aufgenommen. 1982 berief Johannes Paul II Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation in den Vatikan.
Wie konservativ die Ansichten des obersten Glaubenswächters waren, erfuhr die Öffentlichkeit schon rasch. Ratzinger war für den Zölibat und gegen Frauen im Priesteramt; für die katholische Sexuallehre und gegen die Anerkennung homosexueller Beziehungen. Er war, in anderen Worten, genauso konservativ wie der damalige Papst Johannes Paul II, nur dass ihm dessen versöhnliches Wesen fehlte. Ratzinger war eben zuallererst ein herausragender Theologe.
Nach dem Tod von Johannes Paul II. 2005 brauchte das Kardinalskollegium nur 26 Stunden, um Ratzinger zu wählen. Der damals schon 78-Jährige wurde zum 264. Nachfolger des heiligen Petrus. Er sprach von "einem unerhörten Auftrag, der doch alles menschliche Vermögen überschreitet". Ratzinger wählte den Namen Benedikt, um an den Ordensgründer Benedikt von Nursia und an Papst Benedikt XV zu erinnern, der im Ersten Weltkrieg vergeblich versucht hatte, Frieden zu stiften.
des katholischen Kirchenoberhaupts ist grundsätzlich möglich. Rechtlich geregelt ist der Amtsverzicht des Papstes im Canon 332 des kanonischen Rechts. Dort heißt es wörtlich: "Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von Irgendwem angenommen wird."
So nah er Johannes Paul II gestanden hatte - im Amt fehlte Benedikt die glückliche Hand seines Vorgängers. Seine Zeit als Papst war gekennzeichnet von unschönen öffentlichen Auseinandersetzungen. In Deutschland zog sich Benedikt 2009 harte Kritik zu, als er die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson aufhob. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte den Papst dafür öffentlich. Als Kontrovers erwies sich auch eine Vorlesung, die Benedikt über den Islam hielt.
Seit 2011 sorgte dann der Skandal um die Veröffentlichung von internen Dokumenten des Vatikans für Schlagzeilen. In einigen Unterlagen, die der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele an die Medien weitergegeben haben soll, ging es um Vorwürfe der Korruption, des Missmanagements und der Günstlingswirtschaft im Vatikan.
„Die Bundesregierung hat den allerhöchsten Respekt für den Heiligen Vater, für seine Leistung, für seine Lebensleistung für die katholische Kirche. (...) Er hat seine ganz persönliche Handschrift als Denker an der Spitze dieser Kirche und auch als Hirte eingebracht.“ Ihm gebühre Dank dafür, diese Weltkirche acht Jahre lang so geleitet zu haben." (Regierungssprecher Steffen Seibert)
Mit seinem Rücktritt schreibt Benedikt Kirchengeschichte. Mit einer Ausnahme - Papst Coelestin V., der im Jahr 1294 freiwillig aus dem Amt schied - starben bisher alle Päpste im Amt. "Meine Kräfte sind infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“, erklärte der heute 85-jährige und schwer kranke Benedikt. Sein Nachfolger, so hieß es, solle noch vor Ostern gewählt werden.
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