Die Piraten feiern gerade ihren strahlenden Wahlsieg in Berlin, und sie geben eine ganz andere Antwort: Verbot ist Zensur! Egal was verboten wird: Rechtsextremismus, Linksextremismus, Kinderpornographie. Das Netz ist frei, also frei von Regeln, frei von Grenzen. Aus gutem Grund feiern wir diese Freiheit, wenn sie chinesischen Dissidenten dient, oder syrischen Oppositionellen. Aber der Islamhasser von „Politically Incorrect“ ist deshalb noch kein Freiheitskämpfer, der Hassprediger von der anderen Seite übrigens auch nicht.
John Stuart Mill, der große Philosoph des 19. Jahrhunderts und radikale Verfechter der Meinungs- und Gedankenfreiheit, kannte das Internet nicht. Seine Regeln, angewandt auf die virtuelle Welt, sind gleichwohl von durchschlagender Überzeugungskraft. Jeder, so postulierte es der liberale Denker, darf sagen und publizieren, was er will. Er darf sogar Fakten unterdrücken, Beweise fälschen, seine Gegner grob attackieren. Denn in der öffentlichen Debatte wird die Wahrheit ohnehin ans Licht kommen. Aber: „Die Freiheit des Einzelnen darf sich nicht zu einer Belästigung für Andere entwickeln.“ Soweit der einfache Grundsatz. Dem müssen wir jetzt nur noch zum Durchbruch verhelfen.
Das ist ohnehin schwierig, aber im Internet erst recht. Schon weil diejenigen, die dort Andere – vorsichtig gesagt – belästigen, nicht mit ihrem Namen und ihrem Gesicht dafür einstehen; sie verbergen sich hinter Fantasienamen. In der alten Welt gilt diese Art der Maskerade als feige. In der neuen, digitalen Welt gilt das leider als Normalform der öffentlichen Kommunikation. Hinzu kommt, dass diejenigen, die die technische Infrastruktur bereitstellen, jederzeit ins Ausland ausweichen können, wenn ihnen die deutschen Behörden das Leben schwer machen. Insofern kann der Innenminister nach Recht und Gesetz rufen, durchsetzen kann er es nicht.
Gegen Schmutz und Schund hilft folglich nicht die Polizei, jedenfalls nicht allein. Dagegen hilft nur eine kritische Öffentlichkeit, die ihre Scheinwerfer in die dunklen Ecken des Netzes richtet. Damit die Feigen, die Verleumder und die Scheinheiligen sich dort nicht zu allzu bequem einrichten können. Wir werden sie weiter stören.
Anders als andere Web-Portale ist Politically Incorrect für seinen laxen Umgang mit User-Kommentaren bekannt. Wir dokumentieren, was die PI-Moderatoren wochenlang online stehen ließen.
"Natürlich kann man Moslems integrieren - in den Hades! Atombomben auf Mekka, bitte genau zur Hadsch!"
"Alle Moslems werden in ihre Herkunftsländer abgeschoben beziehungsweise in die ihrer Eltern oder Großeltern. Der Islam wird in Deutschland verboten. Deutsche, die zum Islam konvertieren, werden ins Arbeitslager eingewiesen, lebenslänglich."
"Mir tut es überhaupt nicht leid um diese verschleierte Kopftuchschlampe. Und noch dazu ein Moslem im Bauch weniger!" (zum Mord an der schwangeren Ägypterin Marwa el-Sherbini)
"Seht doch das positive: eine muslimische gebärmaschine weniger!" (Über eine laut Bildzeitung zwangssterilisierte Marokkanerin)
"Islamische Gebärmaschine liefert Nachschub für den bewaffneten Dschihad. Die Taliban wird's freuen!" (Über die Geburt von Sechslingen in Berlin, die orientalische/muslimische Namen tragen (Ahmed, Zehra usw.)).
"Wulff ist der schlimmste Bundespräsident, den wir je hatten. ... Er ist intellektuell scheinbar nicht in der Lage die Gefahren durch die Islamisierung zu erkennen. ... Dieser Mann gehört ausgewiesen!"
"Die Gutmenschen stehen mit dem Rücken zur Wand. Es tut sich was in Germanistan; meiner Meinung nach zu spät, es wird schon in naher Zukunft viel Blut fließen."
"Viele Muselmanen sind tickende Zeitbomben. Können aus jedem noch so nichtigen Anlass hochgehen und wie wild um sich schlagen, stechen, beißen, kratzen und spucken."
"Es müsste Mohammedanern grundsätzlich verboten sein, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen."
"Sofort raus mit allen Proll-Musels, die unsere Spielregeln nicht respektierten!"
"Erdogan ist kein Herr, er ist ein Moslem."
"Auf kurz, oder lang wird es nur noch Sinn machen SELBSTJUSTIZ zu praktizieren! Auge um Auge, Zahn um Zahn!" (über zwei gewalttätige Türken in Deutschland)
"wie schön das hier in meinem Stadtviertel die Ölaugen noch Respekt vor uns kahlgeschorenen Hundehaltern hat" (zum selben Thema)
"Die Messer werden weiter gewetzt! Wir haben erst begonnen!" (über die Gegenwehr zur angeblichen Islamisierung)
"Für mich ist der Islam keine Religion, sondern eine Gewalt-Ideologie und dementsprechend muss man ihn auch behandeln und nicht unter dem Etikett der Religion." (PI-Gründer Stefan Herre im TV-Interview)
Die Berichterstattung in den DuMont-Zeitungen Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung und Kölner Stadt-Anzeiger wurde auf www.pi-news.net am Mittwoch heftig diskutiert. Im folgenden eine Auswahl der Kommentare (die Originalschreibweise wurde beibehalten):
„Das hat nichts mehr mit Pressefreiheit zu tun sondern ist NS-geschulte Presse-Schule vom Feinsten.“
„Die Propagandamaschinerie der goebbelschen Political Correctness läuft auf Hochtouren!“
„Der wiederholten, und sicher ehrlich gemeinten, Beteuerung, dass PI mit den Neo-Nazis nichts am Hut haben will, wird von der nun mal mehr links als rechts indoktrinierten Gesellschaft nur dann ein Minimum an Glauben geschenkt, wenn PI sich nicht die Radikal-Sprache der Nazis zu eigen macht.“
„Das ist der Gipfel von Volksverhetzung. Schlimm. Das sollte man zur Anzeige bringen! Aber wer soll diese verlogenen Verbrecher in diesem 'Rechtsstaat' richten?!“
„Die DuMont-Gruppe erfüllt den Tatbestand der Volksverhetzung und fällt somit in die Zuständigkeit des Verfassungsschutzes!!!“
„Würden die Politkommissare der DuMont-Stürmer-Blätter ähnlich sorgfältig über die Verstrickungen ,deutscher„ Politiker und ,moderater„ Imame mit islamischen Terrorzellen und Shariah-Installateuren recherchieren, wäre PI überflüssig.“
„Da der Islam per se nicht reformierbar ist - und wenn doch, wir sicher keine 500 Jahre Zeit haben, diese Reformen abzuwarten - wird der Endpunkt der von Vielen gewünschten und geförderten Islamisierung Europas nur die sein können, dass die in Europa lebenden Moslems dem Islam glaubhaft...abschwören oder andernfalls in ein islamisches Land auswandern müssen. Dieser Endpunkt könnte irgendwann mit Gewalt erzwungen werden müssen.“
FR-Autorin Mely Kiyak steht seit langem im Fokus der rechten Islamfeinde. Sie hat dokumentiert, wie Macher und Freunde von Politically Incorrect, häufig unter Pseudonym, Woche für Woche gegen sie hetzten.
5. November 2010, meine Kolumne ist freigeschaltet. Thema: Verleihung des Freiheitspreises der Friedrich-Naumann Stiftung an die Islamkritikerin Necla Kelek.
"Hier wird gedruckt, was woanders mit 5-10 Litern Wasser gespült wird. FEIGE! Menschen wie Frau Schwarzer haben Sie es zu verdanken, dass Sie überhaupt schreiben dürfen. Hätten Sie Ihren Posten auch in der Türkei/arabischen Ländern erlangen können?" einervonvielen auf fr-online
"Typisch für viele Türken. Mit dreckigen Fingern auf andere zeigen." Jens Daniel auf fr-online
"Frau Kiyak, sie mögen unverschleiert und geschminkt im Westen ein freies Leben führen können - im Gegensatz zu hunderttausenden von Importbräuten, die im Namen Ihrer Religion hierzulande ein Leben als eingepferchte Haushalts- und Gebärsklavinnen von Gnaden ihrer ihnen zudiktierten Ehegatten zu führen haben -, wirklich angekommen sind Sie in der westlichen Zivilisation und ihrem kulturellen Wertekonsens dagegen nicht." Dr. Stephan Roscher auf fr-online
"Dr. Stephan Roscher spricht aus was ich und viele andere Islamkritiker/innen denken. Dafür hat er meine Hochachtung. Sie - als kleiner neidischer Denunziant sind ein Nichts dagegen!"
Olympe auf fr-online
"RICHTIG, und Schluss mit dem Abbo, bei einer Zeitung, die für mich als Jahrzehnte aktiver Linker das schönste bürgerliche Tagesblatt war. Nun, da die Redaktion eine derartig kulturverstörte Autorin beim Thema Islambedrohung, gegen KELEK den Holocaust argumentativ missbrauchen lässt, zeigt den ganzen Niedergang und die Verkommenheit dieser Art von linksvölkischen „Demokraten“. Bertha Dicks auf fr-online
Der Eindruck, dass sich hier hin und wieder Leser spontan aufraffen, den Text zu lesen und wütend zu kommentieren, täuscht. Viele Stammkommentatoren von meiner Kolumne auf fr-online gehören zum Netzwerk von „Politically Incorrect“. Zum Beispiel Dr. Stephan Roscher. Er stand mit PI-Chef Stefan Herre in Kontakt und nannte seinen Kommentar dabei „recht sachlich, moderat“. Sechs Tage später erklärte er seinen Austritt aus der CDU wegen deren „willfährigen Unterwerfungsgesten“ gegenüber dem Islam. Oder der Kommentator Mario Neumann. Er nannte meine Sprachweise auf fr-online „abstoßend“. Zwei Stunden später ist Neumann auf pi-news.net, wo er es schon zum redaktionellen Gastautor brachte, worüber er sich gegenüber Herre irrsinnig freut („Ich bekomme eine Gänsehaut, so schön ist das Gefühl.“). Im Forum schreibt Neumann als Ullr:
Ullr im PI-Forum: "Die aktuelle Kolumne von Mely Kiyak ist ja echt eine Frechheit."
Mario Neumann bzw. Ullr wiederholt seinen Kommentar aus der Rundschau und fragt sich: "Mal sehen, wie lange der unzensiert bleibt."
Nicht immer belassen es die Leser bei höflicher Abneigung. Am 4. März dieses Jahres heißt meine Kolumne „Liebe Christentum-Kritiker“. Ich berichte, dass Thilo Sarrazins Sohn Hartz-IV-Empfänger ist. Dabei persifliere ich die Argumentationsweise von sogenannten Islamkritikern und stelle einen Zusammenhang zwischen nicht „einwandfreier Genetik“ und einigen wahllos aus dem Kontext gerissenen Passagen aus der Bibel her. Auf der Kommentarseite der FR beginnen die ersten aufgebrachten Leser die Stimmung aufzuheizen.
"Gnade uns Gott, wenn der Islam Teil unserer Gesellschaft wird." nachdenklich auf fr-online
"WARUM sind SIE den hier? WAS wollen sie hier? Beleidigungen loswerden? Mitmenschen wie sie, sind genau diejenigen die mit solchen
Artikeln und hirnlosen Äußerungen dazu beitragen, dass der sogenannte „Ausländerhass“ noch gesteigert wird." Anna auf fr-online
"schade, dass diese Satire an den Realitäten des Neuköllner Araber- und Islamistenmilieu völlig vorbeigeht. Dort nutzt man die erhöhte Fertilitätsrate, um eine größere
Wohnung zu bekommen, ohne weiterhin etwas leisten zu müssen." Ihr Name auf fr-online
"tagtäglich werden meine vorurteile gegenüber Moslems und insbesondere türkischen/arabischen Moslems bestätigt. gerne würde ich auswandern, ihnen dieses Land überlassen, z.B.: nach Pakistan, Irak oder Iran, aber nein, geht nicht, da werden „Christensöhne“ von „Moslem-söhnen“ und „Kopftuchmädchen“ ermordet. Ich verbleibe ohne freundliche grüße und auf nie mehr Wiederlesen!" angewidert auf fr-online
"Die ursprünglichen Herausgeber der FR konnten sich nicht träumen lassen, dass ihr gesellschaftskritisches Blatt als Forum für so eine archaische Scharia-Religion wie es der Islam ist, missbraucht werden würde." Helen auf fr-online
"Na ja, dank PI denk ich mal wird die FR schon Post bekommen, die sie dazu veranlassen nicht jeden Quatsch einfach so durchzuwinken." K.-D. Manger auf fr-online
Die FR bekommt in der Tat in den folgenden Tagen Post. Faxe, E-Mails, Briefe. Das hat Methode. Die Artikel, die auf den Online-Seiten der Zeitungen frei geschaltet werden, werden über soziale Netzwerke weiterverbreitet. Seiten wie die von PI veröffentlichen dann diese Kolumne auch auf ihrer Internetseite. Dort geht die Diskussion dann weiter, allerdings deutlich ungezwungener. Viele der Kommentatoren sind keine zufälligen Besucher, sondern Gastautoren und Informanten („Spürnasen“), deren Klarnamen uns in einigen Fällen inzwischen bekannt sind:
"was für eine erbärmliche Fot*e…!" blaster im PI-Forum
"Dummf#tze geh nach Saudiarabien deine dicken Euter schaukeln. Wird bestimmt geil….." Gut_iss im PI-Forum
"Mely Kiyak, Du naiv-bösartig okzidentophobes Dummerchen, wie lebt es sich so in der christlichen Wirtsmatrix? Wenn es Dir aber hier unerträglich ist, dann geh bitte in Deine mohammedanische Heimat, voller Müll auf den Strassen, mit Wassermangel, ohne Krankenhäuser und FR-Redaktion." Eurabier im PI-Forum
"Der Inhalt ist treffend wie eine Kugel aus der Pistole! Es ist immer wieder das gleiche Prinzip wie die Diskussion hier in Deutschland über den Islam weichgespült wird, von Leuten die in einem islamischen Land binnen einer Woche am Baukran hängen würden." Platow im PI-Forum
"@ Hausener Bub: Früher war die FR auch meine Tageszeitung. Wohlwissend, dass Sie etwas links ist, was ich aber damals noch im Einklang mit meinem eigenem Weltbild gesehen habe. Ich frage mich nur, habe ich mich so geändert, dass ich diese Stalinistische Islamzeitung nicht mehr anfasse oder die Zeitung?" Platow im PI-Forum
Der Kommentator Hausener Bub, der hier direkt angesprochen wurde, hatte zuvor auf den Seiten der FR einen wortgleichen Kommentar hinterlassen. Der Kommentator Occident ist auf fr-online als Kommentator nachdenklich eingeloggt. Er hinterlässt dort ebenfalls den gleichen Kommentar. Am fleißigsten berichtet scabo, wie er die Redaktion auf Trab hält. Außerdem:
"Mely Kiyak? Lange schon für Nürnberg 2.0 gelistet." scabo im PI-Forum
Mit „Nürnberg 2.0“ ist ein Internet-Pranger gemeint, der den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen ähnlich als Schauprozess gegen Integrationsbefürworter geplant ist und hinter dem das Netzwerk PI vermutet wird. Der Kommentator scabo läuft langsam auf Betriebstemperatur. Der Königsteiner bot sich PI-Chef Herre als Gastautor erfolglos an. Doch als Kommentator schimpft und beleidigt er weiter und versucht sich an mir abzureagieren („Kiyak ist inzestgeschädigt ...“ ). Er klickt zwischen den Seiten von PI und fr-online hin und her. Stolz berichtet er den Lesern von PI:
"zum Artikel in der Frankfurter Rundschau gibt es genau 5 Kommentare (allesamt natürlich positiv). Aus dieser Anzahl lässt sich unschwer ableiten, wieviele Negativposts von der Redaktionsdiktatur gelöscht wurden." scabo im PI-Forum
Im August 2005 trafen sich rund 60 Gleichgesinnte in einem Münchner Lokal zur Kennenlern-Party: Der Blog „Achse des Guten“, den der Publizist Henryk Broder mit zwei Kollegen betreibt, lud zum „Pro-westlichen Heimatabend“ (Foto links). Unter den Gästen: Stefan Herre (auf dem Foto rechts von Broder), Chef von PI, den Broder bis 2007 auch auf seiner Website empfahl. Zwar wurden Herre und Broder – dessen Polemik gegen Islam und „linksreaktionäres Gutmenschenpack“ die PI-Fans verzückt – keine Freunde. Zumindest sind sie per Sie – auch in den mindestens 30 Mails, die sie 2010 und 2011 austauschten. Dass sie sich überhaupt so oft schreiben, überrascht: Broder distanziert sich bisher von PI. „Was Politically Incorrect macht, ist meine Sache nicht“, sagte er in 3 Sat. Als eine Bekannte Herre damit konfrontierte, schrieb der: „Mit Broder telefonier und email ich ab und zu. Dass er öffentlich was anderes über PI sagt, naja, damit muss ich leben.“
Auch Broders E-Mails sprechen nicht für große Distanz: Er bestellt Grüße an Geert Wilders oder bespricht mit Herre eine gemeinsame Veranstaltung mit Thilo Sarrazin. Umgekehrt fragt Herre den prominenten Autor um Rat. So schickte er ihm am 9. Februar 2011 den Link zu einer PI-Veröffentlichung mit den Worten: „So ok?“ Broders Antwort: „prima. b“ Nur das PI-Forum, schrieb er Herre vor drei Wochen, sei „unter aller Sau“.
Gemeinsame Freunde sind auf Broders „Achse“dennoch willkommen: Jüngst ließ er Detlef Alsbach ausbreiten, wieso es in Deutschland „von Nachteil ist, Deutscher und von Vorteil ist“, Türke zu sein. Alsbach ist Mitglied von Pro Köln – und Duzfreund von Herre.
Am 9. April 2011 erhalten die Führungsleute von „Politically Incorrect“ eine Mail. „Lieber Stefan, liebe Christine“, schreibt der Absender, er wende sich an sie, „da PI-News eines der wichtigsten Glieder der deutschen Islamkritik ist“. Dann kommt er zum Thema. Dass PI führenden Vertretern der PRO-Bewegung – und damit auch ehemaligen Kadern rechtsextremistischer Parteien – ein Forum biete, schade der gemeinsamen Sache.
„Du willst eine islamkritische Wende in Deutschland vollziehen, aber dann musst du auch die breite Mitte der Gesellschaft ansprechen… Du brauchst den bürgerlichen Grünen-Wähler, der den Islam ätzend findet. Auch den nationalen Linksparteiwähler. Auch die ganzen Sarrazin-Anhänger in der SPD. Und auch die Nationalliberalen in der FDP.“ So schreibt es Marc Doll, Vizechef der Partei „Die Freiheit“.
Dass Doll sich so beschwörend an PI wendet, ist kein Zufall. Tatsächlich sind die Partei, die sich als grundgesetztreue Hüterin des wahren Konservatismus vermarktet, und der Blog eng verzahnt. Auf Anfrage sagte Doll zwar: „Keiner von uns ist bei PI drin.“ Aber das stimmt nicht. Mit Michael Stürzenberger und Christian Jung gehören zwei führende „Freiheit“-Funktionäre zum engsten PI-Zirkel.
PI-Macher Stefan Herre und Freiheit-Chef René Stadtkewitz (Foto links, v.l.) stimmten sich schon vor Gründung der „Freiheit“ im Herbst 2010 eng ab und tun das bis heute – zum Teil hinter dem Rücken anderer Spitzenleute der „Freiheit“. Dass PI gleichwohl Kontakt zu Rassisten und Rechtsextremisten pflegt, wirft auch ein Licht auf das „Freiheit“-Bekenntnis, mit solchen Personen nichts zu tun zu haben.
Als die Fußtruppen der Islamhasser gegen die „Islamisierung“ von Europa, Deutschland und Köln-Deutz durch die Domstadt zogen, fehlte bei dem „Marsch für die Freiheit“ ironischerweise die Partei gleichen Namens: „Die Freiheit“. Das lag daran, dass zu dem europäischen Szenetreff – so waren auch FPÖ und Vlaams-Belang zu Gast – Pro-NRW gerufen hatte.
Die 1996 gegen einen Moscheebau in Köln gegründete Partei (Foto l.: ein Wahlplakat) wurzelt in der rechtsextremen Szene, wimmelt vor Ex-NPD-Mitgliedern und wird vom Verfassungsschutz wegen „Verdachts auf Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ überwacht. Spätestens als Pro-NRW-Generalsekretär Markus Wiener als Gastredner einer Republikaner-Tagung deren Mitglieder zum Marsch einlud, musste „Die Freiheit“ passen: Sie meidet offene Nähe zu Neonazis.
Darum forderten ihre Funktionäre auch von ihrem Duzfreund Stefan Herre, sein Blog „Politically Incorrect“ (PI) möge sich von „Pro“ distanzieren. Immerhin schreiben die Freiheit-Leute gratis für PI, beliefern Herre mit Themen, sehen PI als ihren publizistischen Arm.
Herre handhabt das anders: Er pflegt Kontakt nicht nur mit Wiener, sondern auch mit dem Pro-Köln-Gründer und rechten Multifunktionär Manfred Rouhs (Ex-Kader von NPD, REPs und weiteren) und dessen Weggefährten Bernd Schöppe. Auch mit ihnen ist er per Du, bot ihnen einen Aufruf zum „Marsch“ auf PI an, veröffentlicht Texte von Pro-Aktivisten. Da wirkt es absurd, dass Kandidaten vor Beitritt zu Ortsgruppen von PI geloben müssen, „rechtsextremistisches und ausländerfeindliches Gedankengut“ abzulehnen.
Auf der politischen Landkarte von Geert Wilders, Europas berühmtestem Islamgegner, ist Deutschland noch ein weißer Fleck. Er will das ändern. Seit einigen Jahren schon trommelt der Niederländer für seine „International Freedom Alliance“, die nichts anderes sein soll als ein schlagkräftiges und grenzübergreifendes Bündnis gegen den angeblich weltweiten Vormarsch eines gewaltbereiten Islam. Geert Wilders’ wichtigste Bündnispartner in Deutschland: Stefan Herres „Politically Incorrect“ und René Stadtkewitz’ „Freiheit“. Am Sonntag in Berlin will die ihren Siegeszug durch Deutschland beginnen. Daraus wird vermutlich nichts werden – die Umfragewerte sind miserabel.
An ihrem internationalen Netzwerk aber stricken die deutschen Islamfeinde unverdrossen weiter. Schon jetzt gibt es beste Kontakte zu einer Reihe ultranationalistischer und rechtspopulistischer Parteien. Dazu zählen die Schweizer SVP, der belgische Vlaams Belang, die Schwedendemokraten und Israel Beitenu, deren ehemaliger Knessetabgeordneter Eliezer Cohen gern gesehener Gast der deutschen Anti-Islamisten ist. Auch die English Defence League gehört zum Dunstkreis der Allianz, eine aus der Hooligan-Szene entsprungene Partei, die wegen ihre Nähe zu gewaltbereiten Rechtsextremisten immer mal wieder auffällt.
Die europäischen Teilgliederungen des Netzwerks eint neben ihrer Islamphobie im Übrigen auch die Ablehnung der Europäischen Union. Sie sind sich sicher, dass ihnen der derzeitige Streit um den Euro als Gemeinschaftswährung und die Rettungsschirme weiteren Zulauf bescheren wird.
Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.
Mit bis zu 60.000 Zugriffen am Tag gilt das Weblog als eines der größten islam-feindlichen Europas. Es bezeichnet sich selbst als proisraelisch und pro-amerikanisch und sieht sich als Vorkämpfer gegen die „Islamisierung Europas“.
In den Kommentarspalten findet sich regelmäßig ungefilterter Hass gegen Muslime und Integrations-Befürworter, die als politisch korrekte Gutmenschen verhöhnt werden.
Als im Dresdener Landgericht die schwangere Ägypterin Marwa er-Sherbini erstochen wurde, jubilierte ein PI-Nutzer über den Tod der „verschleierten Kopftuchschlampe“ - „und noch dazu ein Moslem im Bauch weniger!“
Die PI-Macher verweisen darauf, dass sie zu wenige Leute hätten, um jeden problematischen Kommentar zu löschen. Die PI-Leitlinien dulden keine „verleumderische, ehrverletzende oder beleidigende“ Kommentare. Das aber nur, sofern sie sich „gegen die PI-Blogger“ richten.
Wissenschaftlicher Aufsatz von Karin Priester der auch auf das Umfeld von "PI" eingeht: Fließende Grenzen zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Europa? in: "Aus Politik und Zeitgeschichte" (44/2010).
Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linkspartei, warum die Islamhasser-Szene nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird (PDF-Datei, 05.09.2011).
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