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Politically Incorrect und die Neue Rechte
"Islamkritik" erreicht das bürgerliche Lager: Die Neue Rechte.

05. Juni 2012

Prozess Anders Behring Breivik: Es wird einsam um den Faschisten Breivik

 Von Hannes Gamillscheg
 Foto: dapd

Anders Breivik ist ein Mörder ohne Gefolgschaft. Selbst die extremsten Islamfeinde distanzieren sich von ihm. Derweil verblüfft der Mann, der 77 Menschen tötete, mit der Aussage „unanständige und unzivilisierte Gewalt“ abzulehnen.

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Oslo –  

Kein Verrückter mit Wahnvorstellungen, sondern ein Terrorist mit klarem ideologischem Weltbild: das ist das Bild, das politische und historische Experten im Terrorprozess von Oslo vom rechtsradikalen Attentäter Anders Behring Breivik zeichnen. Doch Breivik ist ein Mörder ohne Gefolgschaft. Selbst die extremsten Islamfeinde distanzierten sich im Zeugenstand von den Handlungen des Angeklagten.

Ronny Alte, Mitbegründer der antimuslimischen „Norwegian Defence League“, behauptet, dass Breiviks Methoden höchstens von „vielleicht hundert Leuten in der ganzen Welt“ gebilligt würden. Arne Tumyr, Leiter der Gruppe „Stopp der Islamisierung“, bezeichnete den Islam als „Terrorbewegung“. Tore Tvedt, Gründer der Neonazi-Plattform „Vigris“, nannte Norwegen einen „Terrorstaat“, der sich im Krieg befinde. Menschen wie er seien „ethnischer Säuberung“ ausgesetzt.

Breivik ist kein Mysterium mehr

Doch auch diese beiden Rechtsradikalen behaupteten, Gewalt als Kampfmittel abzulehnen. Breiviks Verteidiger hatten die Zeugen geladen, um zu belegen, dass ihr Klient mit seinen Ansichten nicht alleine stehe.

Zahlreiche weitere Zeugen aus dem ideologischen Umfeld Breiviks hatten sich ihrer Aussagepflicht entzogen, darunter auch der als „Fjordman“ bekannte Blogger Peder Nøstvold Jensen, den Breivik als wichtigste Inspirationsquelle nennt und in seinem Manifest ausführlich zitierte. Die Bewunderung ist einseitig: Jensen bezeichnet Breivik als „Wikipedia-Terrorist“ und „ungebildeten Popanz mit Gotteskomplex“.

Die geladenen Expertenzeugen sind sich einig, dass Breivik in einem klaren faschistischen und „kontra-jihadistischen“ Kontext stehe. „Breivik ist kein Mysterium, sondern das Produkt eines politischen Milieus und einer langen Tradition“, sagte der Religionswissenschaftler Mattias Gardell.

Islamphobie, Kulturkonservatismus und Antifeminismus seien die Grundpfeiler seiner Ideologie. Breivik sei Faschist, stellt der Ideehistoriker Terje Emberland fest. Sein Selbstbild und seine Symbolik entsprächen denen von SS-Soldaten, seine Bekümmerung um die „weiße Rasse“ habe Wurzeln sowohl in der White Power-Bewegung wie in nationalsozialistischen „Lebensborn“-Programmen.

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