Im Mordprozess gegen den norwegischen Rechtsradikalen Anders Breivik haben am vierten Tag Schreckensszenarien vorgesetzt bekommen, wie man sie in einem norwegischen Gerichtssaal noch nie gehört hat. Der geständige Attentäter berichtete ausführlich über seine vielgestaltigen Terrorpläne - und warum er sie verwarf.
Utøya sei nur ein „Ersatzziel“ gewesen, so Breivik: Erst habe er den Aufmarsch zum 1.Mai bombardieren wollen, da sei die „gesamte kulturmarxistische Elite“ versammelt. Doch die „Tausenden Toten“, die dies gekostet hätte, seien doch zu drastisch gewesen. Auch einen Angriff auf die Zeitung „Aftenposten“ verwarf er wieder, weil diese in einem Bürohaus mit „vielen Unschuldigen“ untergebracht sei.
Professionell, lässig, kühl: Die Fotos von Breiviks Anwälten sind sorgsam inszeniert - offenbar hoffen die Verteidiger auf einen Werbeeffekt für sich selbst.
Foto: AFPDann wollte er angeblich drei Bomben platzieren, bei der Regierung, beim Parlament und beim Schloss – allerdings nur, wenn die Königsfamilie nicht dort war. Viele militante Nationalisten seien Monarchisten, er auch. Anschließend habe er mit einem Scooter zum Sponti-Haus „Blitz“ und zum sozialdemokratischen Blatt „Dagsavisen“ fahren und so viele wie möglich hinrichten wollen, bis er selbst erschossen würde. Seine Überlebenschancen habe er als null beurteilt.
Um sich auf die Konfrontation mit der Polizei vorzubereiten, habe er sich eine einjährige Auszeit genommen, um 16 Stunden täglich das Online-Spiel „World of Warcraft“ zu spielen. Ab 2010 habe er dann gezielt viele Stunden in der Woche mit dem Spiel „Modern Warfare“ verbracht, um ein besseres Gefühl für den Umgang mit Schusswaffen zu bekommen. Der damit verbundene Abbruch sozialer Kontakte habe es ihm erleichtert, sich auf die bereits 2006 als Selbstmord-Operation geplanten Anschläge vorzubereiten.
Am 16. April beginnt der Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik. Die Prozessplanung.
Doch seine Vorbereitungen verzögerten sich. „Es war Ferienzeit und bei den meisten konventionellen Zielen waren zwei Drittel im Urlaub. So mussten neue Ziele her.“ Und da sei ihm Utøya, das sozialdemokratische Jugendlager, als die „attraktivste Alternative“ erschienen. Dort wollte er „A-Klasse-Verrräter" wie Ex-Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland und Juso–Chef Eskil Pedersen fesseln und köpfen, vor laufender Videokamera.
Doch sie waren nicht mehr da, und Breivik richtete seine Waffen auf die Jugendlichen. Das Ziel sei nicht gewesen, 69 zu töten, sondern alle, mit dem „Wasser als Massenvernichtungswaffe“. Er habe gedacht, sie würden ertrinken, in Todesangst schwimme man nicht leicht. Und ungerührt, wie am ersten Prozesstag: „Ja, ich würde es wieder tun.“ (mit dapd)
Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.
Vor den Morden der rechtsradikalen Terrorzelle NSU hat kein Verfassungsschützer gewarnt. Aber wer hat wie viel über die Neonazis gewusst? Eine Diskussion von FR und Humanistischer Union am Donnerstag, 6. September, im FR-Depot.
Mit bis zu 60.000 Zugriffen am Tag gilt das Weblog als eines der größten islam-feindlichen Europas. Es bezeichnet sich selbst als proisraelisch und pro-amerikanisch und sieht sich als Vorkämpfer gegen die „Islamisierung Europas“.
In den Kommentarspalten findet sich regelmäßig ungefilterter Hass gegen Muslime und Integrations-Befürworter, die als politisch korrekte Gutmenschen verhöhnt werden.
Als im Dresdener Landgericht die schwangere Ägypterin Marwa er-Sherbini erstochen wurde, jubilierte ein PI-Nutzer über den Tod der „verschleierten Kopftuchschlampe“ - „und noch dazu ein Moslem im Bauch weniger!“
Die PI-Macher verweisen darauf, dass sie zu wenige Leute hätten, um jeden problematischen Kommentar zu löschen. Die PI-Leitlinien dulden keine „verleumderische, ehrverletzende oder beleidigende“ Kommentare. Das aber nur, sofern sie sich „gegen die PI-Blogger“ richten.
Wissenschaftlicher Aufsatz von Karin Priester der auch auf das Umfeld von "PI" eingeht: Fließende Grenzen zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Europa? in: "Aus Politik und Zeitgeschichte" (44/2010).
Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linkspartei, warum die Islamhasser-Szene nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird (PDF-Datei, 05.09.2011).
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.
In der Nacht zum 1. August 1945 kamen die Rotationsmaschinen der ehrwürdigen Frankfurter Zeitung wieder auf Touren - Blick zurück ...
65 Jahre FR: Hören warum Grün die Rundschau-Farbe wurde (Beitrag bei HR-online.de)
Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.
Hanns Martin Schleyer als Geisel der RAF: Das Bild steht wie kein anderes für den "Deutschen Herbst". Die FR blickt zurück in das Jahr 1977, als der Terror das Land schockte.