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"Kürschnergate": E-Mail "an alle" legt Bundestag lahm

Im Bundestag hat eine Mitarbeiterin versehentlich eine E-Mail "an alle" geschickt. Daraufhin antworteten aber viele auch wiederum "an alle" - die Folge: tausende Mails verstopfen die Mailserver und setzen den E-Mailverkehr im Bundestag außer Gefecht. Im Internet hagelt es Spott.

„E-Mail ist ein Produkt, das sich einfach nicht verkaufen lässt.“

Ian Sharp, Sharp-Gesellschafter, 1979
„E-Mail ist ein Produkt, das sich einfach nicht verkaufen lässt.“ Ian Sharp, Sharp-Gesellschafter, 1979
Foto: dpa
Berlin –  

Bestimmt hat fast jeder Computernutzer im Mailprogramm schon mal versehentlich statt auf eine Einzelantwort auf "allen antworten" gedrückt und somit seine Post unfreiwillig an einige Empfänger zu viel gesandt. Normalerweise kein großes Drama - wenn "alle" nicht 4000 Mitarbeiter des Bundestages sind.

Ungünstig auch, wenn dann die ersten anfangen, ebenfalls "allen" zu antworten - so fliegen in kürzester Zeit tausende Mails durchs System und können hier schnell mal einiges an Schaden anrichten. So geschehen im deutschen Bundestag in Berlin.

Kürschnergate beginnt mit "Bringt mir eins mit"

Ausgangspunkt des im Internet als "Kürschnergate" veräppelten Malheurs: Um kurz nach 9 Uhr schickte das Referat für Öffentlichkeitsarbeit eine E-Mail über diverse Verteilerlisten an alle Mitarbeiter des Bundestages, mit der Nachricht, dass der neue Kürschner - ein Handbuch für gesetzliche Grundlagen und Geschäftsordnungen des Deutschen Bundestages - eingetroffen sei und abgeholt werden könne. Daraufhin soll eine Mitarbeiterin den groben Schnitzer begangen haben: Sie antwortete als erste auf die Rundmail - und zwar an alle.

Ihre E-Mail wird auf netzpolitik.org zitiert mit "wenn Ihr Euch eindeckt, bringt Ihr mir eins mit?" Diese kurzen Worte waren der erste Schritt ins Mail-Chaos.

Ein Kollege antwortet an alle - ironischerweise mit einem Hinweis auf "Regeln für den E-Mail-Versender". Diverse Kollegen klinken sich in die Unterhaltung ein, natürlich schreiben sie ebenfalls jeweils an alle. Dazu gesellt sich die ein oder andere Abwesenheitsnotiz, die automatisiert wiederum an alle Absender zurückgesendet wird. Die "Kettenmailerei" wird zum Mega-Hype: Am Ende setzen einige Bundestagsmitarbeiter sogar eine Belohnung für die kreativste Massenmail aus.

Die Folge: Die E-Mails verstopften die Mailserver, legen kurzfristig den Mailverkehr lahm und sorgen bis in den Nachmittag hinein für Zustellverzögerungen. Laut Twitter war sogar die Webseite des Bundestages zwischenzeitlich nicht erreichbar.

Haufenweise Spott im Internet

Für diese Aktion gibt es im Internet haufenweise Häme. "Endlich kommuniziert der Bundestag mal miteinander", heißt es unter anderem auf netzpolitik.org, "Wer solche Mail-Anwender hat, braucht keinen Geheimdienst mehr" schreibt Twitter-User Das Stichwort "#kürschnergate" steht in kürzester Zeit auf Platz Eins der wichtigsten Themen auf Twitter, der "trending topics".

Den meisten Spott bekommt die Mitarbeiterin, die den unglücklichen Klick gemacht hatte. Auf Facebook machen sich die Nutzer über ihr Missgeschick auf einer eigenen Seite lustig.

Autor:  Sabine Weber
Datum:  25 | 1 | 2012
Kommentare:  4
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