Krachend prallen die eckigen Körper aufeinander. Drastisch sind die Folgen: Der Spieler mit der Nummer 7 windet sich vor Schmerzen. Das harte Tackling an der Seitenlinie hat Quaterback Michael Vick vom NFL-Club Atlanta Falcons voll erwischt. Schleppend schafft es der verletzte Football-Star noch bis zur Seitenlinie. Den angeschlagenen Arm hat er fest umklammert. Das Gesicht ist verzerrt. "Verdammt", flucht Daniel Benetka, der das ganze Drama um seinen Lieblingsspieler ausgelöst hat. Und freut sich dann. "Toll, wie realistisch das rüber kommt", lobt der langjährige Footballer und Publikumsliebling der Frankfurt Galaxy die virtuelle Variante seiner Lieblingssportart in dem Spiel "EA Sports Madden NFL 08".
Fasziniert und begeistert wie ein kleiner Junge sitzt der 130-Kilo-Koloss vor dem Monitor. Flink und behände sausen seine Finger über das Joypad, das in seinen riesigen Pranken wie Knetgummi in den Händen eines Dreijährigen aussieht. Anfeuerungsrufe dröhnen aus den Lautsprechern. Sekunden später jubelt der virtuelle Kommentator über den 80-Yards-Touchdown, den Benetka mit seinem Lieblingsteam aus Atlanta erzielt hat. Kurzes Nicken. Der 32-Jährige ist zufrieden. 24:3 führt er gegen das vom Computer simulierte Team aus Kansas City. Noch ist nicht Halbzeit - und der Bulle, wie ihn die Fans der Galaxy rufen - rollt geradezu über seinen Gegner hinweg.
Lohnt sich weil Frankfurt Galaxy im Spiel weiter lebt und die neue Auflage sowohl grafisch als auch spielerisch das hohe Niveau der seit 18 Jahren dauernden Erfolgserie fortsetzt.
Liegen lassen, weil nicht jeder ein Daniel Benetka ist. Soll heißen: Nur engagierte Footballs-Fans mit guten Englischkenntnissen dürften wohl die wahre Tiefe des Spiels samt Taktikvarianten als auch die passenden Kommentatoren - ohne mehrmonatiges Trainingslager - genießen können.
Alternativen: Madden NFL 07
Der Computer ist chancenlos gegen die Spieltricks des Ex-Profis, der die Sportserie aus dem Eff-Eff kennt: Seit acht Jahren hat er jede Neuauflage der seit 1988 erscheinenden Serie solange gespielt, bis er auf der höchsten Schwierigkeitsstufe den Super Bowl gewonnen hat. Oder die Playstation dran glauben musste. Einmal hat Benetka das tatsächlich gemacht: In hohem Bogen, raus aus dem Fenster im vierten Stock. Der reale Frustabbau nach einer virtuellen Niederlage endete auf dem Betonboden. "Ich hatte monatelang gezockt - und dann verlier ich dumm im Finale. Da ist dann kurz ´ne Sicherung durchgebrannt", erzählt Benetka über seinen Ausrutscher der vor acht Jahren passierte.
Tagelang verbrachte er zu der Zeit vor der 1999er-Version von "Madden". Nicht nur weil es ihm Spaß machte. Für Benetka war es Zusatztraining. Der gebürtige Sachse war gerade an ein US-College in Idaho gewechselt und hatte dort seine ersten Versuche im Football-Team unternommen, als ihn seine Mitspieler und Coach rieten, über das Computerspiel die Grundlagen und taktischen Finessen kennen zulernen. Vor und nach den Trainingseinheiten begann er auch virtuell mit der Jagd nach dem Leder-Ei. Lernte die Regeln. Und wurde zum glühenden Fan der Serie. Super Bowl um Super Bowl gewann er so zumindest virtuell mit den Falcons. In der realen Karriere lief es nicht so gut. Benetka schaffte den Sprung in die NFL trotz mehrerer Anläufe nicht. Am nahsten dran war er 2004. Damals trainierte er bei den Atlanta Falcons, die seitdem - natürlich - seine erste Wahl beim Zocken sind.
Zurück in der Gegenwart klickt Benetka durch die Untermenüs von NFL 08. Das erste Spiel hat er abgebrochen, der Gegner erschien ihm zu leicht. Bei der Teamwahl verharrt der ehemalige Defensive Tackle der Frankfurt Galaxy. "Mal sehen, ob sie diesmal an uns gedacht haben", sagt Benetka. Mit "uns" meint er natürlich die Galaxy, die in der 2007er Auflage des Spiels genauso wie alle anderen Teams der NFL-Europa nicht berücksichtigt waren. Plötzlich hellt sich die kritische Miene des gebürtigen Sachsen auf. Auf dem Schirm prangert das purpurne Symbol der inzwischen aufgelösten Galaxy. "Ich glaub´s nicht. Wenigstens virtuell leben wir noch", kommentiert Benetka zynisch. Ein paar Klicks später steht der zweimalige World-Bowl-Sieger seiner virtuellen Kopie gegenüber steht - und stutzt. "Naja, 24 Jahre bin ich nicht mehr", analysiert Benetka.
Diese Kritik sollte die einzige bleiben, die Benetka für das Spiel NFL 08 übrig hat. Die detailreiche Grafik, die fast jeden Grashalm einzeln darstellt als auch die realistische Spielatmosphäre haben es ihm am angetan. Auch an der seit Jahren als vorbildlich geltenden Steuerung findet er ebenfalls nur positive Worte. Als Fazit langt das - findet Benetka - und greift wieder zum Joypad. Das nächste Spiel steht an. Natürlich wieder mit den Falcons und dem genesenden Quaterback Michael Vick.
Madden NFL 08 Entwickler: EA Sports Publisher: Electronic Arts GmbH Preis: ca. 55 Euro USK: keine Altersbeschränkung Systemvoraussetzungen: Windows 2000/XP/Vista, 800 Mhz Prozessor, 256 MB RAM Speicher, 2,1 GB Festplattenplatz, 8-fach DVD-ROM, 64 MB Grafikkarte, DirectX 9.0c-kompatible Soundkarte
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