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06. September 2013

Alltagsrassismus Twitter: #SchauHin ist der neue #Aufschrei

 Von 
Kämpfte gegen Rassismus und veränderte die Welt: Dr. Martin Luther King.  Foto: dpa

Unter dem Hashtag #SchauHin twittert die Netzgemeinde seit Freitagnachmittag ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Initiiert hat die Netzkampagne die Bloggerin und Journalistin Kübra Gümüşay. Schon vor dem Start hat sie mit rassistischen Twitter-Trollen zu kämpfen.

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Unter dem Hashtag #SchauHin twittert die Netzgemeinde seit Freitagnachmittag ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Initiiert hat die Netzkampagne die Bloggerin und Journalistin Kübra Gümüşay. Schon vor dem Start hat sie mit rassistischen Twitter-Trollen zu kämpfen.

Ein neuer Aufschrei geht durchs Netz. Unter dem Hashtag #SchauHin teilen seit dem späten Freitagnachmittag zahlreiche Nutzer des Online-Kurznachrichtendienstes Twitter ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Innerhalb weniger Stunden schaffte es der neue Begriff bereits in die deutsche Trend-Liste der zehn meist genutzten Hashtags und erinnert damit an den #Aufschrei über Alltagssexismus.

Es sind Aussagen, wie die folgenden, die der neue Hashtag bündelt:

Initiiert hat den neuen Hashtag die Bloggerin und Journalistin Kübra Gümüşay (@kuebra), die ihre Erfahrungen mit vor allem anti-muslimischem Rassismus bis vor kurzem auch regelmäßig in der taz-Kolumne „Das Tuch“ beschrieben hat. Dass „Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund“ ihre Rassismus-Erfahrungen im Internet teilten, sei nicht neu, sagte die momentan in Oxford lebende 25-Jährige am Freitagabend im Gespräch mit der FR. „Aber bislang wurde das nicht gesammelt.“

"Der #Aufschrei war ein Aha-Effekt"

Inspiriert durch den #Aufschrei diskutierte Gümüsay daher Anfang der Woche bei einer Podiumsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin (#abbloggen) darüber, unter welchem Oberbegriff sich Rassismus-Erfahrungen im Netz besser bündeln ließen. „Der #Aufschrei war ein Aha-Effekt, dass durch das Bündeln von Erfahrungen mehr Aufmerksamkeit für Diskriminierung generiert werden kann“, sagte Gümüşay.

Im Januar hatten die Netzfeministin Anne Wizorek (@marthadear) und andere junge Frauen mit dem Hashtag #aufschrei eine beispiellose Debatte über alltäglichen Sexismus ins Rollen gebracht, nachdem die Stern-Journalistin Laura Himmelreich (@im_Himmelreich) über anzügliche Bemerkungen des FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle berichtet hatte. Innerhalb weniger Tage kam der #Aufschrei-Hashtag auf rund 57 000 Tweets und Alltagssexismus wurde plötzlich auch in Tageszeitungen oder TV-Talkrunden thematisiert.

Einen ähnlichen Effekt erhofft sich Gümüşay nun auch von #SchauHin: „Es ist eine große Erleichterung, zu wissen, dass die eigenen Erfahrungen von vielen geteilt werden.“ Beim Aufschrei habe sie dieses von vielen Frauen geschilderte Gefühl noch nicht ganz nachempfinden können. „Denn ich weiß oft nicht, ob die Diskriminierung, die ich erfahre aus sexistischen oder rassistischen Gründen erfolgt.“ Schließlich seien beispielsweise schwarze oder muslimische Frauen häufig von Mehrfachdiskriminierung betroffen.

Rassistische Trolle infiltrierten Diskussion

Nach der Podiumsdiskussion am Montag sammelte Gümüsay daher in den Folgetagen verschiedene Hashtag-Vorschläge und diskutierte diese mit über 30 Beteiligten online in einem offenen „TitanPad“. Bis zum Freitagnachmittag. Gerade als sich die Gruppe gegen #Auf180 oder #AllRass und für #SchauHin entschieden hatte, „fingen plötzlich Trolle an im TitanPad Beiträge zu löschen und rassistische Kommentare zu posten“, erzählt Gümüşay.  Kurzerhand twitterte sie daher schon um 15.55 Uhr los, obwohl die Diskussion über den Zeitpunkt des ersten Tweets eigentlich noch gar nicht abgeschlossen war.

Von den zahlreichen, nicht abreißenden Tweets und Re-Tweets sei sie gänzlich „überwältigt“, sagte Kübra Gümüşay abschließend. Sie hofft, dass neben den von Rassismus Betroffenen auch „jene, die das Problem nicht am eigenen Leib erfahren, aufmerksam werden und es verurteilen“. Denn Rassismus sei ein „gesamtgesellschaftliches Problem“, zu dessen Bewältigung ein „gesellschaftliches Umdenken“ vonnöten sein. Deshalb werden sie und Tausende weitere Twitter-User so lange weiter zwitschern, bis sie Gehör finden: #SchauHin!

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