Winnenden/Hamburg (dpa) - Nach der angeblichen Amok-Androhung von Tim K. erheben die Betreiber der betroffenen Internetseite Vorwürfe gegen die Polizei.
"Warum man erst umständlich um ein Hilfegesuch in den USA nach den Daten des Betreibers bat, ist uns unverständlich, eine einfache Mail an uns hätte genügt", teilte ein Moderator des Forums krautchan.net am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur dpa mit. So seien die Ermittlungen verzögert worden. "Ich sehe durchaus einen sehr großen Mangel an Kompetenz." Zudem habe sich bei der Polizei zunächst niemand zuständig für die Hinweise der Seitenbetreiber gefühlt. Die Polizei wollte sich hierzu am Sonntag nicht äußern.
Auf krautchan.net hatte in der Nacht vor der Tat gegen 2.45 Uhr eine harmlose Diskussion begonnen. Diese wurde laut Computer-Experten wohl nach dem Amoklauf digital abfotografiert (Screenshot). Die Wörter wurden dann durch die angebliche Amok-Drohung Tim K.'s ersetzt und als manipulierter Screenshot in Umlauf gebracht. Der 17 Jahre alte Tim K. hatte bei dem Amoklauf am Mittwoch in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen erschossen, bevor er sich selbst richtete.
Zunächst hatte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) die Internet-Drohung eindeutig Tim K. zugeordnet, später waren Polizei und Rech dann zurückgerudert. Die Polizei erklärte, dass man mit Informationen des in den USA sitzenden Betreibers den Sachverhalt nun klären wolle. Computer-Experten betonen, dass die Fälschung eindeutig zu erkennen sei. Zudem gibt es auf der Startseite von krautchan.net ein Verlaufsprotokoll, das diese Meinung stützt.
Weil die Polizei die Verantwortlichen von krautchan.net in Deutschland nicht kontaktiert habe, sei man selbst aktiv geworden, sagte der Moderator. Eine telefonische Nachfrage bei der Polizei endete aber nach seinen Angaben in drei von fünf Versuchen mit einem Auflegen. Ein weiterer Versuch sei mit "Wir sind nicht zuständig" und auflegen beendet worden. "Erst der fünfte Versuch war erfolgreich, die Nachricht wurde an den jeweiligen Mitarbeiter weitergeleitet." (dpa)

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