Der kalte Krieg ist vorbei. Google greift Microsoft mit seinem neuen Webbrowser Chrome frontal an. Dessen Programm Internet Explorer ist nämlich zur Zeit der weltweite Marktführer. Der größte Suchmaschinenbetreiber der Welt steht damit dem größten Softwarehersteller der Welt gegenüber. Riese gegen Riese. Klingt zu martialisch? Kann dem Otto-Normal-Computernutzer egal sein? Mitnichten.
Denn für beide Unternehmen geht es letztlich um den Schlüssel zum Internet, den Millionen von Menschen Tag für Tag weltweit nutzen: um den Webbrowser. Ohne dieses Surfbrett ist das World Wide Web nicht denkbar. Egal ob man im Netz nun einkauft, es zum Arbeiten nutzt, sich dort im Chat mit Freunden trifft oder nur die neuesten Fußballergebnisse lesen will - stets ist ein Webbrowser im Spiel. Und durch die Vielzahl von Programmen, die für all die verschiedenen Funktionen nötig sind, hat sich der Webbrowser zu einer Art Betriebssystem fürs Netz gemausert - das über kurz oder lang Microsoft gefährlich wird.
Google Chrome hier herunterladen: www.google.de/chrome
Ein Beispiel: Textverarbeitungen. Das meistverbreitete Schreibprogramm heißt Office, kommt von Microsoft und wird ganz traditionell von einer CD auf einem Computer installiert. Google hingegen hat gleichfalls eine Textverarbeitung herausgebracht: Sie steht kostenlos im Internet, jederzeit per Webbrowser verfügbar. Nicht nur Experten gehen davon aus, dass künftig immer mehr Programme eher im Internet als auf dem Rechner landen dürften.
Und dann gilt: Am feinsten raus ist der Hersteller, der die Plattform, also den Webbrowser, stellt, auf dem all die neue Internetsoftware am besten läuft - und der nebenbei ganz genau weiß, wie man das am besten hinbekommt. Bislang war dies das Geheimrezept von Microsoft, das mit dem Betriebssystem Windows allen Wettbewerbern stets eine Nasenlänge voraus war.
Video: Das kann der neue Browser
(Quelle: Google) Hinweis: Zum Betrachten des Videos benötigen Sie den Flash-Player, den Sie hier kostenlos herunterladen können.
Googles Vizepräsident Sundar Pichai begründet genau so im offiziellen Blog der Company den Schritt des Unternehmens, einen eigenen Browser herauszubringen: "Was wir brauchen, ist mehr als nur ein Browser, wir benötigen eine moderne Plattform für Internetseiten und Anwendungen. Und genau die werden wir nun bauen." Dem Wall Street Journal sagte Danny Sullivan von der Branchenwebseite Search Engine Land dazu: "Googles Entscheidung zeigt, wie die Browser mit den herkömmlichen Betriebssystemen im Wettstreit um die Position als wichtige Plattform für die Softwareentwicklung stehen."
Für Branchenkenner wie den Blogger Henry Blodget von der alleyinsider.com steht dahinter bei Google der Plan, bereits bestehende und künftige Programme wie den Weltatlas Google Earth oder die Google Gears (unter anderem Anwendungen für Chat oder E-Mail) stärker zu vermarkten. Letztlich geht es natürlich auch darum, die eigene Suchmaschine, mit der das Unternehmen dank verknüpfter Werbung sein Geld verdient, besser zu platzieren: nämlich als festen Bestandteil des Webbrowsers.
Das hat Google bislang nur über eine Kooperation beim freien Webbrowser Firefox von Mozilla geschafft. Beim Branchenführer Internet Explorer von Microsoft ist die hauseigene Suchmaschine voreingestellt. Für Google ein Problem. Ob der Schachzug mit dem eigenen Browser aufgeht, wird sich erst noch zeigen - denn eigentlich sind die Felle auf dem Browsermarkt verteilt.
Angesichts der etablierten Konkurrenz wird Chrome also sehr viel besser als die Konkurrenz sein müssen, um Nutzer zum Umsteigen zu bewegen. Erschwerend kommt hinzu, dass vom Firefox erst jüngst eine neue, verbesserte Version veröffentlicht wurde und Microsoft bereits eine erste vorläufige Fassung des nächsten Internet Explorers vorgestellt hat.

Wir informieren Sie auch in den Sozialen Netzwerken - in Facebook, Twitter und Google+. Schauen Sie, was Ihre Facebook-Freunde auf FR-Online empfehlen - und verfolgen Sie unseren Twitter-Ticker:
Nachrichten aus dem WWW und Tipps zum Computer-Kauf; Wissenswertes über
iPhone, iPad & Co
Die Cebit 2012, das weltgrößte Treffen der IT-Branche, läuft von Dienstag, 6., bis Samstag, 10. März. Mehr als 4200 Unternehmen aus 70 Ländern stellen ihre Produkte und Neuentwicklungen in Hannover vor.
Das Leitthema der Messe lautet "Managing Trust" - die Kernfrage dabei ist, wie die Informationstechnik sicherer werden kann. Erwartet werden mehr als 340.000 Besucher.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.
Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.