New York. Der Internet-Konzern Google hat ein eigenes Computer-Betriebssystem angekündigt und greift damit das Kerngeschäft des Windows-Riesen Microsoft an. Erste Geräte damit sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 auf den Markt kommen.
Das kündigte Google in einem Firmenblog in der Nacht zum Mittwoch an. Google Chrome OS sei grundsätzlich für alle Geräte von Mini-Notebooks bis zu großen Desktop-Rechnern gedacht. Zunächst solle es aber auf den auch Netbooks genannten Mini-Notebooks zum Einsatz kommen. Im Mittelpunkt steht das Internet, das schnell und sicher zugänglich sein soll.
Der Suchmaschinenbetreiber Google drängt seit einiger Zeit verstärkt in den Markt für Programme der Firma Microsoft.
Google Mail: Das Programm entwickelt sich von einem reinen Webmailer a la Web.de oder GMX zu einer echten Software-Lösung. Derzeit kann die Beta-Version einer Offline-Lösung getestet werden. Diese ermöglicht es, E-Mails auch ohne Internetverbindung zu lesen, zu beantworten oder zu löschen. Bei der nächsten Verbindung mit dem Internet werden die Veränderungen online übernommen.
Google Gears: Hierbei handelt es sich um eine ganze Programmumgebung. Hierin sollen Online-Dienste wie Google Docs (ähnlich Microsoft Word und Excel), Google Kalender oder der RSS-Reader von Google auch offline verfügbar gemacht werden. Inhalte können dann auch ohne aktive Internetverbindung gelesen und bearbeitet werden. Die Veränderungen werden beim nächsten Online-Gehen mit dem Server abgeglichen. Somit hat der User zentral im Internet immer die aktuellste Version seiner Dokumente verfügbar. Googles Webdienste werden so eine direkte Konkurrenz zu Microsofts Office-Paket.
Google Android: Das Handy-Betriebssystem ist Googles Antwort auf Microsoft Windows Mobile und Apples iPhone-System. Google legt den Android-Code offen, so dass Programmiere in aller Welt Software und Schnittstellen für Android entwickeln können und so ständig neue Anwendungen für Handys mit Googles Betriebssystem entstehen. Geräte mit Android sind inzwischen auch in Deutschland erhältlich.
Kosten: Google bietet fast alle Dienste kostenlos an. Dafür muss der Nutzer Werbung in Kauf nehmen, die z.B. neben seinen E-Mails oder Tabellendokumenten angezeigt wird. Zudem kritisieren Datenschützer Google für das Speichern zahlreicher Daten über das Verhalten seiner Nutzer.
Google geizte bei der Ankündigung nicht mit vollmundigen Versprechen. "Geschwindigkeit, Einfachheit und Sicherheit" sollen das Betriebssystem bestimmen, hieß es. Der Nutzer solle binnen weniger Sekunden nach Einschalten des Computers bereits im Internet surfen können.
Derzeit ist das lange Hochfahren des Rechners einer der größten Hinderungsgründe, schnell zwischendurch E-Mails oder Nachrichten im Internet zu lesen. Längst ist ein PC nicht so leicht und schnell betriebsbereit wie ein TV-Gerät oder das Handy. Auch teure, starke Computer benötigen meist mehrere Minuten, bis man mit ihnen online gehen kann.
Optimiert fürs Surfen im Internet
Google Chrome OS werde komplett neu entwickelt, damit "die Nutzer sich nicht um Viren, Schadsoftware und Sicherheits-Updates" kümmern müssen. "Es soll einfach laufen", gab Google als Devise aus. Das neue Betriebssystem sei für Menschen gedacht, die die meiste Zeit im Internet verbringen, dort Nachrichten lesen, shoppen oder mit Freunden chatten. Die meisten User-Aktionen sollen direkt im Internet stattfinden.
Mit Google Chrome OS verstärkt der Internet-Primus noch weiter den Druck auf den Rivalen Microsoft. Windows von Microsoft ist seit langem das weltweit dominierende Computer-Betriebssystem mit einem Marktanteil in der Nähe von 90 Prozent, auch wenn zuletzt unter anderem Apple mit seinem Mac OSX etwas zulegen konnte.
Mit kostenlosen Web-basierten Büro-Anwendungen macht Google bereits den teuren Office-Paketen von Microsoft Konkurrenz. Der Browser Chrome hat Microsofts Internet Explorer im Visier, konnte bisher jedoch nur geringe Marktanteile gewinnen. Bei dem lukrativen Geschäft mit Online-Werbung im Umfeld der Internet-Suche liegt Microsoft mit seiner neuen Suchmaschine Bing bisher weit abgeschlagen hinter Google.
Technisch gesehen bestehe das Betriebssystem (Operating System - OS) aus dem Internet-Browser Google Chrome, der auf einem Linux-Kern laufe, erklärte Google. Linux ist ein freies Betriebssystem, das Microsoft bereits Kopfschmerzen bereitet hat.
Wie bei dem vor allem für kleine mobile Geräte wie Handys oder Netbooks gedachten Betriebssystem Android soll der Quellcode offen sein. Das heißt, er wäre für Software-Entwickler frei zugänglich. Google Chrome OS sei als Projekt unabhängig von dem zusammen mit zahlreichen Partnern aus der Mobilfunk-Branche entwickelten Android, betonte Google. Eine starke Verknüpfung der Dienste ist jedoch denkbar. So könnten Nutzer schnell und einfach ihre Kontakte und Dokumente zwischen ihrem Handy und ihrem Computer synchronisieren. (dpa/sh)

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