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Verlinkt-Kolumne: Apps, wie sie die Welt noch braucht

Das Internet ist wie ein Zombie: Es frisst Gehirne. Sagt die Wissenschaft. Und was tun Tüftler dagegen? Sie bauen Zombie-Apps. Die Apps, die unser Autor gerne hätte, gibt es dagegen nicht.

So sehen Zombies aus (Szene aus Dawn of the Dead). Internetsüchtige haben mitunter zumindest eine ähnlich ungesunde Hautfarbe.
So sehen Zombies aus (Szene aus "Dawn of the Dead"). Internetsüchtige haben mitunter zumindest eine ähnlich ungesunde Hautfarbe.
Foto: REUTERS

Zombies fressen Gehirne, das ist eine allgemein anerkannte Tatsache. Doch im Kampf um Nahrungsmittelressourcen ist dem Zombie nun ein mächtiger Gegner erwachsen: Das Internet. Behaupten jedenfalls 13 Forscher in ihrer Studie Microstructure Abnormalities in Adolescents with Internet Addiction Disorder. Zugegeben, sie haben es wissenschaftlicher ausgedrückt: Mit Gehirnscans von 18 Probanden wollen sie nachgewiesen haben, dass bei Internetsüchtigen die Graue Substanz im Gehirn atrophiert, also schrumpft. Kurz gesagt: Internet essen Gehirn auf.

Wir brauchen ein Gegenmittel. Gegen Zombies, so lehrt uns die Filmindustrie, hilft ein beherzter Kopfschuss. Gegen Internetschäden würde das zwar auch wirken, hätte aber natürlich unerfreuliche Nebenwirkungen. Ich denke deshalb an etwas weniger Blutiges. Ich denke an eine App. Für Smartphones und Browser. Eine App, die dem Nutzer auf Basis der Studienergebnisse nach einem gewissen Zeitraum die Internetverbindung kappt und stattdessen die 3D-Grafik von einem angeknabberten Gehirn zeigt.

Ständig heißt es „Dafür gibt’s doch eine App.“ Das entscheidende Wort ist „dafür“. Warum heißt es so selten „Dagegen gibt’s doch eine App“? Die Gegen-Gehirnfraß-App wäre so eine. Anti-Apps könnte man sie nennen, das hat was Aufrührerisches und ist gut zu vermarkten.

Ich würde mir zum Beispiel eine App wünschen, die verhindert, dass meine anderen Apps heimlich irgendwelche Positionsdaten, SMS oder Kontakte von mir an ihre Hersteller versenden. Ansatzweise gibt es das zwar schon unter dem Namen WhisperCore, doch bislang funktioniert das nur eingeschränkt und mit nur zwei Smartphone-Modellen. Auf blog.widp.de wurde kürzlich ein Weg vorgestellt, Apps ihre Rechte einzeln zu entziehen, aber das ist erstens aufwendig und lässt zweitens manche Apps danach abstürzen.

Eine weitere Dagegen-App würde verhindern, dass ich fotografiert werde und dann irgendwo bei Facebook auftauche, ohne es zu wissen. Apple hat ein Patent angemeldet, dass auf neue iPhones mit Infrarotsensoren hindeutet. Damit soll es möglich sein, die Kamera des iPhones auf Konzerten lahmzulegen, um illegales Mitschneiden zu verhindern – über einen Transmitter auf der Bühne, der entsprechende Signale an die Sensoren sendet. Umgekehrt könnte eine Anti-App einen Transmitter in meinem Handy starten, der die Kameras der iPhones in meiner Umgebung deaktiviert. Rechtlich wäre das mindestens fragwürdig – aber Käufer gäbe es ganz sicher.

Stattdessen werfen die Entwickler immer neue Dafür-Apps auf den Markt. Zum Beispiel ZombieBooth. Die App zeigt, wie jemand, den man mit seinem Handy fotografiert, als Zombie aussehen würde. Wer sowas nach dem zehnten Mal immer noch lustig findet, wäre für einen Hirnfresser wohl eher eine armselige Mahlzeit.

Autor:  Patrick Beuth
Datum:  22 | 6 | 2011
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