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Basicthinking: Blog unterm Hammer

Robert Basic verkauft Deutschlands erfolgreichstes Weblog bei Ebay. Der Usinger erhofft sich einen Erlös von bis zu 100.000 Euro, um noch einmal von vorne anzufangen. Von Patrick Beuth

Robert Basic konnte bislang vom Bloggen leben.
Robert Basic konnte bislang vom Bloggen leben.
Foto: Alexander Babic

Es ist erst ein paar Tage her, da hat Robert Basic das Jahr der Fachblogs ausgerufen. 2009 könne einigen Bloggern der kommerzielle Durchbruch gelingen, prognostizierte Deutschlands derzeit erfolgreichster Internet-Autor. Jetzt hat Basic angekündigt, sein eigenes Fachblog "Basicthinking" zu verkaufen, bei Ebay. Startpreis: ein Euro. Erhoffter Erlös: irgendwas zwischen 10.000 und 100.000 Euro. Die Auktion soll am Donnerstag beginnen.

Basic ist nicht der erste, der sein Blog verkauft, aber so viel hat hierzulande noch niemand dafür verlangt. Die Seite "blogschrott.net", thematisch mit Basicthinking vergleichbar, wechselte im vergangenen Jahr für lediglich 6000 Euro den Besitzer.

Zur Person

Robert Basic, 42, ist gebürtiger Kroate und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Usingen im Taunus. Nach seinem BWL-Studium arbeitete er zunächst als IT-Spezialist bei einer Bank. Heute verbringt Deutschlands erfolgreichster Blogger jeden Tag mehrere Stunden im Internet.

Sein Blog unter www.basicthinking.de/blog ist das meistverlinkte und -zitierte des Landes. Nun will er es verkaufen. Bislang hätte der IT-Berater allein von den Werbeeinnahmen leben können.

Was zunächst nach Größenwahn klingt, ergibt aus Sicht von Basic durchaus einen Sinn. Er ist einer der ganz wenigen in Deutschland, die allein von den Werbeerlösen ihres Blogs leben könnten. Etwa 3000 Euro nimmt er damit monatlich ein, dazu kommen noch Aufträge, die der IT-Berater über die Seite akquiriert. Wenn er sie aufgibt, will er für mindestens ein Jahr abgesichert sein.

Aber warum der plötzliche Abschied? Basicthinking erreicht 250 000 Seitenaufrufe im Monat, steht seit mehr als einem Jahr auf Platz eins der deutschen Blogcharts, das heißt, die Seite wird öfter verlinkt und zitiert als jede andere. Basic zählt zu den absoluten Alphabloggern des Landes. Und jetzt soll plötzlich Schluss sein? "Ich hatte einfach einen Rappel, es war eine Bauchentscheidung", erklärt der 42-Jährige aus Usingen gegenüber der Frankfurter Rundschau. "Traditionell halte ich es beim Bloggen so, dass ich rund alle zwölf bis 24 Monate was Neues starte", heißt es offiziell im Blog.

Seit 2003 - mit einer Unterbrechung - betreibt er Basicthinking, ein Sammelsurium aus Technik-News, Beobachtungen aus der Netzwelt und privaten Anekdoten. Eine lange Zeit für einen, der meist schnell und aufgeregt spricht und spielend mehrere Themenwechsel in der Minute schafft.

Seine fast schon kindliche Begeisterung für technische Gimmicks und Entwicklungen ist sein Markenzeichen. Schon immer warfen Kritiker ihm deshalb vor, distanzlos und unkritisch zu sein. So gehörte er von Anfang an zu den begeisterten Twitter-Apologeten, obwohl der Dienst noch immer an Kinderkrankheiten leidet. Basic lässt diese Kritik an sich abprallen: "Ich habe mich nie als jemand empfunden, der Abstand zur Sache sucht, über die er schreibt."

Wenn er doch mal ernst wird, rächt sich allerdings mitunter, dass er schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Als die Polizei im vergangenen November den Computer eines Berliner Journalisten beschlagnahmte, weil der Mann angeblich eine Anleitung zum Bombenbauen im Netz veröffentlicht hatte, fand Basic nichts Kritikwürdiges am Vorgehen der Staatsgewalt. Damit zog er zum ersten Mal den geballten Zorn der freiheitsliebenden Netzgemeinde auf sich - und reagierte beleidigt. Heute lacht er darüber und sagt: "Das wird immer passieren. Wenn du erst einmal einen Namen hast, erwarten die Leute, dass du nur reflektierte Sachen von dir gibst. Das ist ein Korsett, von dem du dich nur teilweise lösen kannst."

Basic ist gebürtiger Kroate, lebt aber seit frühester Kindheit im Rhein-Main-Gebiet. Sein Name sorgt immer noch für Verwirrung. Viele glauben, er komme vom englischen "basic". Eigentlich aber wird der Name "Baschitsch" ausgesprochen. So nennt er sich aber nicht mal selbst. Er sagt "Basik".

Dass der Name untrennbar mit der Internetseite verbunden ist, glaubt er nicht. "Der User ist nicht so personenfixiert, wie man sich das vorstellt. Der will Inhalte. Am liebsten wäre mir, ein Unternehmen würde sich die Seite sichern und daraus so etwas wie ein deutsches TechCrunch machen" - das in den USA bedeutendste Blog zum Thema Internet und Technik. Basicthinking sei als Marke stark genug, professionell betrieben und vermarktet könne es diese Rolle locker ausfüllen. "Das erfolgreich weiterzuführen, wäre easy", heißt das im Basic-Jargon.

Die unzähligen Kommentare unter seiner Verkaufsankündigung im Netz sprechen allerdings eine andere Sprache: Für viele scheint der Autor entscheidend, nicht die Plattform. Der zweifache Vater wird auch keineswegs von der Bildfläche verschwinden, sondern unter buzzriders.com ein neues Technik-Blog mit dem Schwerpunkt "Miniaturisierung des Webs" und unter RobertBasic.de ein persönliches Blog führen. "Die Marke Basicthinking zurück zu lassen, bedeutet automatisch, dass ich noch mal bei Null anfange", behauptet er zwar. Aber ob die User der Marke treu bleiben oder ihm selbst folgen werden, ist offen.

Die Hauptsorge des IT-Spezialisten ist aber eine andere: "Wenn der Verkauf nur eine sehr geringe Summe bringt, wenn selbst Deutschlands erfolgreichstes Blog nichts wert ist, dann fehlt mir nicht nur das Geld. Dann ist das auch ein schlechtes Zeichen für die Blogosphäre."

Autor:  PATRICK BEUTH
Datum:  7 | 1 | 2009
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