Paris. Google muss sich wegen seines umstrittenen Buchprojekts jetzt auch in Frankreich vor Gericht verantworten. Am Donnerstag begann in Paris ein Prozess, den französische Verlage angestrengt haben.
Sie werfen dem US-Konzern vor, schätzungsweise 100.000 französische Bücher ohne Genehmigung eingescannt zu haben. Nach Ansicht der Kläger hat Google in zahlreichen Fällen das Urheberrecht verletzt. Die französischen Verlage lehnten bereits mehrere Entschädigungsangebote von Google ab. Mit einem Urteil wird in ein oder zwei Monaten gerechnet.
Google will in den nächsten Jahren bis zu 20 Millionen Bücher einscannen. Seit 2004 wurden bereits mehr als zehn Millionen Bücher digitalisiert, mehr als die Hälfte davon zunächst ohne Rücksicht auf die Urheberrechte. Ein Abkommen mit den US-Verlegern, nach dem Google ihnen 125 Millionen Dollar zahlen sollte, muss nun noch einmal überarbeitet werden.
Das US-Justizministerium hatte Google und die amerikanische Buchbranche unter anderem aufgefordert, stärker auf die Einwände ausländischer Autoren und Verleger einzugehen. Zudem sollen Google-Konkurrenten ebenfalls Zugang zu den Büchern erhalten.
In Frankreich ist der Widerstand gegen das Google-Buchprojekt aus kulturellen Gründen besonders groß. Intellektuelle warnen vor einer Monopolstellung des US-Konzerns. Dieser verpflichtet sich zwar, den Zugang zu digitalisieren Werken ohne Autorenrechte gratis zu gewähren, verspricht sich aber massive Einnahmen durch Werbung.
Allerdings arbeitet die zweitwichtigste Bibliothek Frankreichs in Lyon bereits mit Google zusammen und lässt Werke digitalisieren, für die keine Urheberrechte mehr bestehen. Die französische Nationalbibliothek verhandelt noch mit dem US-Konzern, der den Bibliotheken das Digitalisieren kostenfrei anbietet. (dpa)
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