Auch die Kultur des Zeitungslesens im Café unterliegt einem Wandel. Künftig werden Nutzer Geräte in den Händen halten, deren Form an ziemlich groß geratene Frühstücksbretter erinnert. Die Bilder in der digitalen Zeitung lassen sich zum Leben erwecken. Wer sie antippt, macht die Zeitung zum Fernseher.
Wie das technisch geht, wird auf der Cebit in der nächsten Woche präsentiert. In Halle 13 ist die "Broadband World". Broadband, das steht für superschnelle Internetverbindungen. Der schwedische Netzwerkexperte Ericsson hat kürzlich einen neuen Weltrekord aufgestellt und die Übertragung von Daten via Mobilfunktechnik mit 1000 Megabit pro Sekunde vorgeführt. Die derzeit üblichen DSL-Leitungen bringen es auf sechs bis 16 Megabit.
Die neue Technik - LTE (Long Term Evolution) genannt - soll in ein paar Jahren ermöglichen, Filme völlig problemlos in hochauflösender Qualität zu den Frühstücksbrettern zu transportieren, die Tablet-PC genannt und mit Mobilfunkmodulen ausgerüstet werden. Experten rechnen damit, dass der Datenverkehr in den nächsten fünf Jahren um den Faktor 20 wachsen wird. Audiovisuelle Angebote werden sich vervielfachen. YouTube auf einem Smartphone zu gucken, wird selbstverständlich sein. Das Internetuniversum expandiert. Das Netz wird der Star, kein Wunder, dass die Cebit unter dem Leitthema "Connected Worlds " steht.
"Die Technik ist da", sagt Katja Ruud vom Marktforschungsunternehmen Gartner. Firmen wie Ericsson oder Nokia-Siemens-Networks wittern neue riesige Geschäfte. Mobilfunknetze müssen aufgerüstet werden. "Und im Gleichschritt wird das Festnetz ausgebaut", sagt Lars Bayer von Ericsson.
Und wer soll´s bezahlen? Die Netzbetreiber, also Konzerne wie die Deutsche Telekom oder Vodafone. Die haben im Moment allerdings das Problem, dass ihnen Gewinne wegen sinkender Preise wegbrechen. Da fallen Investitionen doppelt schwer, zumal die Telekom-Firmen stinksauer auf Anbieter wie YouTube oder dessen Mutter Google sind. "Die nutzen mit ihren Angeboten die Netzkapazitäten parasitär", sagt ein Branchenkenner. Immer wieder wird diskutiert, Internetfirmen, die viel Datenverkehr verursachen, an den Kosten zu beteiligen. Die Versuche sind kläglich gescheitert.
Ruud sieht einen ganz anderen Ausweg: Quality of Service, heißt das Schlagwort. Bislang gibt es bei der Datennutzung nur Einheitsflatrates. Künftig könnte es so laufen: Wer die Papierzeitung im Café liest und nur gelegentlich mit dem Smartphone surft, zahlt die Standardflat. Wer aber auf dem Tablet-PC überall und zu jeder Zeit zwischen Flensburg und Füssen die Digi-Times lesen will, muss zehn Euro extra im Monat zahlen. Ruud: "Die Branche braucht dringend differenzierte Tarifstrukturen."
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