Aktuell: Terror | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Digital
Nachrichten aus dem WWW, Tipps zum Computer-Kauf; zu Facebook, iPhone, iPad & Co

09. Februar 2016

Datenschutz: Der Staat muss den Bürger vor Dummheit schützen

 Von 
Apps, die den Herzschlag oder andere Körperwerte erfassen, sind in den Augen von Datenschützern ein Sicherheitsrisiko.  Foto: imago/Westend61

Fitness-Tracker zählen Schritte, messen den Puls und demnächst auch den Blutdruck und die Körpertemperatur. Daten, die bei Versicherern Begehrlichkeiten wecken. Ein Fall für den Gesetzgeber. Eine Analyse.

Drucken per Mail

Die Datenschutzbeauftragten verstehen die Welt nicht mehr. Jahrzehntelang haben sie dafür gekämpft, dass persönliche Daten geschützt werden – und nun das: Den Bürgern ist es mittlerweile egal. Freiwillig geben sie sensible Daten aus der Hand, ohne zu wissen, was damit angestellt wird. Durch Rabattkarten und ungeschütztes Online-Shopping verraten sie ihr Einkaufsverhalten, durch die Nutzung von Navigations-Apps lassen sie die Erstellung von Bewegungsprofilen zu und in sozialen Netzwerken legen sie ihr Privatleben offen. Ohne jedes Problembewusstsein geben sie sogar biometrische Daten wie den Fingerabdruck preis, um das Smartphone schnell und bequem bedienen zu können. Doch einmal entwendet, ist der Fingerabdruck für den Rest des Lebens nicht mehr nutzbar.

Nun gibt es neue datenhungrige Anwendungen, die auf reichlich Begeisterung stoßen: Fitness-Tracker, die den Puls messen oder die Schritte zählen. Das ist bisher vielleicht nur Spielerei, aber weitere Funktionen sind denkbar oder bereits in der Entwicklung, so beispielsweise die Messung der Körpertemperatur, des Blutdrucks oder des Blutzuckerspiegels. Man muss kein medizinischer Experte sein, um zu verstehen, dass sich aus diesen Daten nicht nur der körperliche Zustand, sondern auch ein großer Teil des Lebenswandels herauslesen lässt. Das weckt Begehrlichkeiten, aus denen die Industrie auch keinen Hehl macht. Erste Versicherungskonzerne haben angekündigt, gesundheitsbewusstes Verhalten mit günstigen Tarifen zu belohnen. Und auch die gesetzlichen Krankenkassen können sich vorstellen, die gewonnenen Daten der Fitness-Armbänder in den geplanten elektronischen Patientenakten abzuspeichern, um sie bei der medizinischen Versorgung nutzbar zu machen.

Das alles soll natürlich freiwillig geschehen. Der Patient behält die Hoheit über seine Daten, wird stets versichert. Aber hat irgendjemand überhaupt einen Überblick, welche Daten die Apps tatsächlich übertragen? Wird aus der Freiwilligkeit nicht ein Zwang, wenn Krankenversicherungen preiswerte Tarife nur gegen Aufgabe der Datenhoheit anbieten? Und wie werden derartige Tarife dann eigentlich umgesetzt? Werden die Fitness-Bänder zur elektronischen Fußfessel? Und was sollen Daten in einer elektronischen Patientenakte bringen, die unter medizinisch völlig unkontrollierten Bedingungen zu Stande gekommen sind? Es wird Zeit, dass sich auch der Gesetzgeber mit der Problematik beschäftigt. Denn es ist durchaus die Aufgabe des Staates, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die Bürger vor der eigenen Dummheit zu schützen.

Der Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat das Thema am Dienstag aus Anlass des „Safer Internet Day“ endlich aufgegriffen. „Informationen über unsere Gesundheit dürfen keine Handelsware werden“, forderte der für Verbraucherschutz zuständige SPD-Politiker. Konkret werde sein Ministerium prüfen, ob neben dem neuen EU-Datenschutzrechtes weitere Maßnahmen nötig seien, um die Verwendung bestimmter Gesundheitsdaten einzuschränken. Niemand dürfe de facto gezwungen werden, intime medizinische Daten oder die Häufigkeit des Fitnesstrainings zu offenbaren, so der Minister. Das reicht aber noch nicht: Für Geräte und Apps, die sensible Informationen erfassen, muss es klare gesetzliche Regelungen geben. Wer nicht will, dass seine Daten weitergegeben werden, muss sich sicher sein können, dass sie das eigene Smartphone nicht verlassen.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus dem WWW und Tipps zum Computer-Kauf; Wissenswertes über
iPhone, iPad und die Android-Alternativen.


Die FR auf Ihrem Smartphone

Unterwegs top informiert - holen Sie sich FR-Online.de aufs Handy. Neben News bekommen Sie Sport-Liveticker, die Verkehrslage, das Kinoprogramm samt Trailer, TV-Tipps und das lokale Wetter. Ganz ohne App: mobil.fr-online.de.

Spiele-Tipps

Anzeige

Spezial

Überwachung durch den Staat, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

FR @ Handy

Ob Büro, Biergarten oder Badesee: Die "Frankfurter Rundschau" ist auf dem Handy immer dabei - mit vielen Sport-Livetickern.