Facebook wird von Datenschützern immer wieder kritisch betrachtet.
Foto: dpa
Facebook wird von Datenschützern immer wieder kritisch betrachtet.
Foto: dpa
Nach einer breit angelegten Untersuchung fordern irische Datenschützer Nachbesserungen von Facebook. Die Ergebnisse aus Irland schwächen die Position des schleswig-holsteinischen Datenschützers Thilo Weichert, der unter anderem gegen den "Gefällt mir"-Button vorgeht.
Irische Datenschützer haben vom sozialen Internet-Netzwerk Facebook verlangt, seinen Nutzern mehr Kontrolle über ihre eigenen Daten zu geben. Facebook müsse seine Datenschutzregeln einfacher erklären und leichter zugänglich machen, forderte die Datenschutzkommission am Mittwoch nach einer dreimonatigen Untersuchung.
Das US-Unternehmen müsse dafür sorgen, dass sich die Nutzer besser über die über sie gespeicherten Daten informieren könnten, um auf dieser Grundlage „eigene fundierte Entscheidungen“ über ihr Verhalten im weltweit größten Internet-Netzwerk treffen zu können.
„Verbessern“ muss Facebook nach dem Willen der irischen Datenschützer auch die Möglichkeit, Daten aus einem Profil zu löschen. Dabei sollen Nachrichten oder Freundschaftsanfragen möglichst auch einzeln und vor allem dauerhaft von den Facebook-Servern gelöscht werden können. Wenn ein Facebook-Mitglied oder Nicht-Mitglied wissen will, welche Daten über es gespeichert sind, soll Facebook die Informationen innerhalb von 40 Tagen vorlegen. Ob die Änderungswünsche befolgt werden, will die irische Behörde im Juli prüfen.
Facebook unterliegt irischen Gesetzen
In seiner Europa-Zentrale in Dublin verwaltet Facebook die Konten aller Nutzer außerhalb der USA und Kanadas. Da die Nutzer bei ihrer Anmeldung einen Vertrag mit Facebook Ireland schließen, unterliegt das US-Unternehmen nicht nur den Datenschutzbestimmungen der EU, sondern auch irischen Gesetzen.
Die irischen Datenschützer wurden nach einer Reihe von Beschwerden gegen Facebook aktiv, die unter anderem von der österreichischen Studentengruppe „Europe-versus-Facebook“ (Europa gegen Facebook) eingereicht wurden. Sie wird von dem 24-jährigen Max Schrems angeführt, der von Facebook eine Herausgabe aller über ihn gespeicherten Informationen verlangt hatte. Auf den mehr als 1200 ausgedruckten Seiten fand er auch längst gelöschte Daten wieder.
Facebook wird immer wieder wegen der Missachtung von europäischen und internationalen Datenschutzbestimmungen kritisiert. Im Mai war etwa ein Datenleck bekannt geworden, über das Dritte seit Jahren auf sensible Daten der Nutzer zugreifen konnten. Zuletzt war das weltweit größte Internet-Netzwerk wegen einer automatischen Gesichtserkennung auf Fotos in die Kritik geraten.
Position von Thilo Weichert geschwächt
Die irische Datenschutzbehörde fand keine Hinweise darauf, dass Facebook konkrete Profile von Nicht-Mitgliedern erstellt. Das schwächt die Position des schleswig-holsteinischen Datenschützers Thilo Weichert, der Facebook genau das vorwirft und deswegen unter anderem gegen den „Gefällt mir“-Button vorgeht.
Das gilt es beim neuen Facebook-Profil zu beachten
Bildergalerie ( 13 Bilder )
Das gilt es beim neuen Facebook-Profil zu beachten
Was ist die „Chronik“?
Seit Mark Zuckerberg (rechts im Bild) im Jahr 2004 Facebook ins Leben rief, tauschen sich dort Menschen untereinander aus. Inzwischen teilen auf dem Portal allein gut 20 Millionen Bundesbürger per Statusmeldungen ihre Erlebnisse mit und zeigen Freunden und Bekannten ihre Fotos. Während bisher lediglich auf der persönlichen Startseite die neuen Einträge der eigenen Freunde einsehbar waren, können Nutzer ihre Freunde nun in der „Chronik“ auch in den Erlebnissen stöbern lassen, die Jahre zurückliegen. Die „Chronik“ gleicht damit einem Lebenslauf.
Foto: dapd
Was stellt die neue „Chronik“ dar?
Die „Chronik“ umfasst vor allem die sogenannten Statusmeldungen und Fotos, aber auch die Bestätigungen von Freundschaften oder auch Angaben aus bei Facebook hinterlegten persönlichen Informationen, wie die Zeit des Studiums oder das Antreten neuer Arbeitsstellen. Private Nachrichten, die wie E-Mails über Facebook ausgetauscht wurden, werden in der „Chronik“ hingegen nicht angezeigt. Außerdem wird nicht jeder auch jede Chronik sehen können: Wie schon bei den klassischen Profilen, so kann auch eine „Chronik“ nur einsehen, wer vom jeweiligen Nutzer freigeschaltet wurde.
Foto: dapd
Wie vollständig ist eine Facebook-„Chronik“?
Zunächst bietet Facebook allen Nutzern die Möglichkeit, in einem persönlichen „Aktivitätenprotokoll“ Inhalte freizuschalten oder auch zu sperren. Nutzer können dafür für jedes Foto, jede Statusmeldung und jede Freundschaftsbestätigung individuell festlegen, ob diese Teil der persönlichen „Chronik“ werden sollen oder lieber nicht. Aus diesem Pool an freigegebenen Elementen bestückt Facebook dann die „Chronik“. Nutzer haben zudem die Möglichkeit, einzelne Elemente per Mausklick gezielt in ihrer „Chronik“ hervorzuheben – beispielsweise ein Hochzeitsfoto oder die Statusmeldung über den eigenen Nachwuchs.
Foto: dapd
Wie erfährt die „Chronik“ von Informationen, die Jahre zurück liegen?
Geht es nach Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, dann erzählt die neue „Chronik“ die „ganze Geschichte eines Lebens auf einer Seite“. Der Zeitstrahl der „Chronik“ beginnt daher nicht an dem Tag, an dem ein Nutzer sein Profil bei Facebook angelegt hat - sondern zu dessen Geburt. Den Tag erfährt Facebook über das im Profil hinterlegte Geburtsdatum. Weitere Inhalte wie Kindheitsfotos können die Nutzer wiederum nachträglich hochladen - soweit sie das möchten.
Foto: dapd
Wie können sich Nutzer gegen die „Chronik“ wehren?
Als Facebook Mitte Dezember des vergangenen Jahres seine „Chronik“ startete, war sie noch freiwillig: Nutzer konnten sie aktivieren, mussten das aber nicht. Facebook hat diese Wahlfreiheit damals sehr betont. Künftig aber lässt Facebook seinen Nutzern keine Wahl mehr. Die „Chronik“ wird automatisch aktiviert und ersetzt das klassische Profil. Allerdings warnt Facebook seine Nutzer vor: Sie haben sieben Tage Zeit, um ihre Chronik zu „pflegen“, sprich alle bisher in dem Portal hinterlassenen Botschaften nach Einträgen zu durchforsten, die nicht Teil des eigenen persönlichen Lebenslauf sein sollen.
Foto: dpa
Wie kann ich die neue Zeitleiste jetzt schon freischalten?
Unter der Adresse www.facebook.com/timeline kann man mit einem Klick auf die entsprechende Schaltfläche den persönlichen Facebook-Auftritt auf die neue Technik umstellen. Während einer siebentägigen Übergangsphase kann man danach nur selbst die Neuerungen sehen - es sei denn, man klickt auf „Jetzt veröffentlichen“. Dann ist das neue Design auch für die Freunde sichtbar. Wenn man nichts tut, bleibt alles beim Alten, und man kann Facebook in der bisherigen Form weiternutzen.
Foto: Screenshot
Was ist beim Titelbild zu beachten?
Das neue Facebook ermöglicht es, den eigenen Auftritt mit einem größeren Foto zu versehen. Dieses sollte die Maße 850 mal 315 Pixel haben. Dieses Titelbild dient als Visitenkarte des Facebook-Auftritts.
Foto: Screenshot
Wie können störende Beiträge aus der Chronik entfernt werden?
Zu jeder Statusmeldung in der Chronik gibt es rechts oben zwei Schaltflächen. Mit einem Klick auf das Sternchen wird der Beitrag besonders hervorgehoben, ein Foto etwa wird dann größer dargestellt. Mit einem Klick auf den Bearbeitungsstift kann man das Datum ändern, einen Ort hinzufügen, den Beitrag aus der Chronik entfernen oder auch löschen.
Foto: Screenshot
Wer kann meinen digitalen Lebenslauf sehen?
Facebook betont, dass sich an der Sichtbarkeit einzelner Elemente nichts verändert. Bei neuen Beiträgen kann man angeben, ob sie öffentlich, nur den eigenen Freunden, nur bestimmten Personen oder nur für das Mitglied selbst sichtbar sein sollen.
Foto: Screenshot
Wie kann ich öffentliche Beiträge der Vergangenheit entfernen?
In den Privatsphäre-Einstellungen (aufzurufen über den kleinen Pfeil oben rechts) gibt es einen Punkt mit der Bezeichnung „Beschränke das Publikum für ältere Beiträge“. Diese werden dann nur noch für die eigenen Freunde zu sehen sein, nicht mehr öffentlich oder für die Freunde von Freunden.
Foto: Screenshot
Wie kann ich meine Chronik überprüfen?
Wer Pannen vermeiden will, sollte seine Chronik überprüfen, bevor sie für andere sichtbar wird. Dafür gibt es den Button „Anzeigen aus der Sicht von...“ - so sehen Nutzer zum Beispiel, welche Fotos ihre Eltern oder ihre Kollegen sehen können.
Foto: Screenshot
Wie kann ich Kommentare zu anderen Beiträgen löschen?
Um nur die Kommentare zu Statusmitteilungen von Freunden anzuzeigen, muss man im Aktivitäten-Protokoll den entsprechenden Filter einstellen. Die Kommentare werden nun in einer Zeitleiste aufgelistet. Einzelne Kommentare kann man löschen, indem man auf das Kreissymbol am rechten Rand klickt.
Foto: Screenshot
Die „Chronik“ von Facebook
Das soziale Netzwerk Facebook macht seine „Chronik“ zur Pflicht. In den nächsten Wochen werden die klassischen Profile aller gut 800 Millionen Nutzer auf die neuen interaktiven Lebensläufe umgestellt - ob die Betroffenen das wollen oder nicht. Damit werden die Inhalte und Aktivitäten der Nutzer künftig an einem Zeitstrahl dargestellt und recherchierbar.
Foto:
dapd
Digital
Digital
Digital
Digital
Digital
Digital
Im September hatte Facebook die neue Profilansicht "Timeline" (in Deutschland: "Chronik") vorgestellt, die von Datenschützern kritisch gesehen wird. Seit Mitte Dezember steht die Facebook-Chronik allen Nutzern in Deutschland zur Verfügung. (afp/dpa)