Die Deutschen kümmern sich immer weniger um den Schutz ihrer Computer. In den vergangenen Jahren hat die Bereitschaft, die Sicherheitsvorkehrungen der Rechner auf dem neuesten Stand zu halten, stetig abgenommen, wie aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest im Auftrag von Microsoft hervorgeht, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.
Jeder Fünfte führt der Umfrage zufolge kein regelmäßiges Update des Anti-Virenprogramms durch, jeder Vierte hat keine Firewall auf seinem Rechner installiert und fast ein Drittel öffnet Mails von unbekannten Absendern. „Es ist alarmierend, dass die Deutschen sich immer weniger um ihren individuellen Schutz im Netz kümmern. Das ist kein Datenschutz-, sondern ein Sicherheitsproblem“, erklärte Severin Löffler, der bei Microsoft Deutschland für rechtliche Fragen und den Datenschutz verantwortlich ist.
Über gefälschte E-Mails verbreiten Kriminelle beispielsweise Viren oder versuchen, an die Passwörter und persönlichen Daten von Nutzern zu kommen. Dass es gegen das sogenannte Phishing Schutzmöglichkeiten gibt, wissen der Umfrage zufolge nur 60 Prozent - und nur 49 Prozent setzen sie ein. Hier sei noch viel Aufklärungsarbeit gefordert, sagte Löffler.
Die Umfrage wurde bereits zum dritten Mal durchgeführt. Einen positiven Trend gibt es nicht. Seit der ersten Umfrage 2009 ist die Bereitschaft der deutschen Computernutzer, etwas gegen Angriffe aus dem Internet zu tun, stetig gesunken. 2009 machten noch 86,2 Prozent regelmäßig Viren-Updates, 2011 sind es nur noch 79,2 Prozent. Eine Firewall installiert haben statt 80 Prozent 2009 nur noch 72,5 Prozent.
Die Bekanntheit technischer Datenschutzlösungen müsse deshalb verbessert werden, forderte Löffler. Die Verbraucher sollten unbedingt die technischen Möglichkeiten nutzen, die es schon gebe. An den Informationsangeboten dazu im Internet sind sie offenbar wenig interessiert. Mehr als die Hälfte hat von derartigen Angeboten noch nichts gehört.
Mehr Transparenz beim Datenschutz gefordert
Dabei ist es nicht so, dass die Menschen nicht wüssten, dass auch sie ihren Beitrag zur Sicherheit leisten müssen. Jeder zweite (51 Prozent) Befragte sieht laut der Umfrage die größte Verantwortung bei dem Thema bei sich selbst.
Wenn es um den Schutz der Daten vor Missbrauch geht, sehen mehr als 70 Prozent den Staat in der Pflicht, mehr zu tun. Die Nutzer wünschen sich hier vor allem mehr Transparenz. Dies betrifft vor allem auch die Hinweise, die Unternehmen zum Datenschutz geben. Diese Erklärungen werden von einem Drittel nicht gelesen, wie die Umfrage ergab. Vielen dauert das einfach zu lange. Viele Nutzer wünschen sich deshalb so etwas wie ein Datenschutzsiegel, das von einer unabhängigen Organisation vergeben und überwacht wird. „Eine solche Datenschutz-Stiftung ist schon länger in der Diskussion.“ Diese könne sich über die föderalen Grenzen hinweg für einheitliche Datenschutzbestimmungen stark machen
„Wir brauchen beim Datenschutz eine größere Transparenz, damit der Nutzer zum Herrn seiner Daten wird“, sagt Löffler. „Er muss genau wissen, welche Daten gesammelt und wie sie verwendet werden.“ Der Gesetzgeber sei gefordert, beim Datenschutz einen Rahmen vorzugeben. Microsoft plädiere aber vor allem für Selbstverpflichtungen der betroffenen Unternehmen. Die Selbstregulierung funktioniere schneller, als der Gesetzgeber auf neue Trends und Entwicklungen reagieren könne.
Für die Umfrage „Datenschutz im Internet 2011“ wurden im April und Mai den Angaben zufolge 1137 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt. (dapd/dpa)

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