Im Jahre 320 wurde Rom von einer zunehmend heftiger rivalisierenden Doppelspitze regiert: Kaiser Licinius herrschte über den immer wichtiger werdenden Osten des Reiches, im Westen regierte seit 306 Konstantin der Große. Der schaffte es 324 schließlich, den Rivalen auszuschalten und wurde bis 337 Alleinherrscher Roms. Als solcher machte er das Christentum zur führenden Religion im Reich - ein wichtiger Einschnitt, denn noch wenige Jahrzehnte zuvor waren Christen vehement verfolgt worden. Wenig später trat Konstantin als Neugründer des antiken Byzantion auf: 330 machte er das heutige Istanbul zur neuen Hauptstadt des Reiches. Nach dem Tode Konstantins wurde die Metropole der Spätantike nach ihm benannt.
Im vierten Jahrhundert war die Hegemonie des alten Rom noch weitreichend. Die einst stolzen Ägypter standen längst unter der römischen Fuchtel, und wo später Persien lag, war erst im 3. Jahrhundert das Reich der Parther untergegangen. Im fernen China hatte gerade drei Jahre zuvor die sogenannte östliche Jin-Dynastie begonnen, über deren ersten Kaiser Sima Rui (317-323) wenig bekannt ist. Mit der Hauptstadt Luoyang als geistigem Zentrum war hier eine konfuzianisch geprägte Hochkultur herangewachsen, deren Hochadel in beträchtlichem Wohlstand lebte. Das mittelalterliche Europa fußt auf den Grundlagen des späten Römischen Reiches und seiner christlichen Ausrichtung. Aber auch das Judentum war in der Spätantike stark: bis zu sieben Millionen Juden lebten im Römischen Reich.
Als 375 vom Osten her die Hunnen nach Zentraleuropa einfielen, war das die Initialzündung für eine beispiellose Völkerwanderung und der Anfang vom Ende des Weströmischen Reiches.

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