Auckland. Die neue Daten-Plattform des umstrittenen Megaupload-Gründers Kim Dotcom hat innerhalb weniger Stunden mehr als eine halbe Million Nutzer angezogen. Die Server des Dienstes mit dem Namen Mega seien fast zusammengebrochen, twitterte Dotcom aus Neuseeland.
Vor genau einem Jahr hatten die Behörden seine Vorgänger-Plattform Megaupload dichtgemacht, weil dort illegal kopierte Filme und Musik hochgeladen worden seien. Die USA fordern die Auslieferung des aus Deutschland stammenden Dotcom - hierzulande bekannt unter seinem ursprünglichen Namen Kim Schmitz.
Bei Mega habe sich innerhalb von 14 Stunden eine halbe Million Nutzer registriert, sagte Dotcom jetzt bei der im Internet übertragenen Startparty mit Bühnenshow in Coatesville nördlich von Auckland am Sonntag. «Wir bieten einen smarteren, schnelleren und sichereren Weg, um Inhalte in der Internet-Cloud zu speichern», sagte Dotcom.
Nutzer können ihre Dateien bei Mega vor dem Hochladen mit «militärischer» Sicherheit verschlüsseln, sagte Dotcom. Außer dem Nutzer könne niemand sehen, was hochgeladen wird, auch Behörden und Mega-Mitarbeiter nicht. Der Nutzer kann allerdings Freunden und Bekannten Zugang verschaffen. Die Server stehen in mehreren Ländern, aber nicht in den USA - wie damals die Megaupload-Server. Die Verschlüsselung schützt nicht nur die Daten der Nutzer vor fremden Augen, sondern letztlich auch Mega vor Verantwortung für die Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen. Dotcom betont aber, darum gehe es nicht: «Die Verschlüsselung ist nicht ein Mäntelchen, hinter dem wir uns verstecken, um legal zu sein.» Ihm liege der Schutz der Privatsphäre am Herzen.
Bei Megaupload konnte man alle Arten von Dateien hochladen und über einen Internet-Link ohne Verschlüsselung allen zugänglich machen. Laut der US-Anklage gegen Dotcom und mehrere seiner Mitstreiter wurden so auch Zugänge zu illegal kopierten Filmen und Musik verteilt - zum Beispiel auch über die dichtgemachte Plattform kino.to in Deutschland. Inhabern von Urheberrechten sei so ein Schaden von rund 500 Millionen Dollar entstanden. Megaupload habe daran mehr als 175 Millionen Dollar verdient.
Die Plattform war eines der populärsten Internetangebote weltweit und hatte zu Spitzenzeiten 50 Millionen Nutzer am Tag. Die USA wollen Dotcom den Prozess machen und verlangen die Auslieferung. Die Neuseeländer durchsuchten Dotcoms Anwesen vor einem Jahr bei einer spektakulären Razzia. Er steht jetzt unter Hausarrest. Das Auslieferungsverfahren geht im August weiter.
Die US-Ermittler zitierten in der Megaupload-Anklage viele E-Mails und Chat-Protokolle, die den Eindruck vermitteln, dass Dotcom und seine Vertrauten wussten, dass bei Megaupload illegal kopierte Dateien hochgeladen wurden, und dies auch gefördert haben. «Wir haben nichts illegales getan. Wir werden das vor Gericht beweisen», sagte Dotcom zu den Vorwürfen in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Für den Fall einer Auslieferung sei er dennoch gewappnet: «Wenn ich diesen Kampf in den USA weiterführen muss, werde ich es tun.»
Mega bietet nach Angaben von Dotcoms Mitarbeiter Finn Batato 50 Gigabyte Speicherplatz kostenlos. Eifrige Nutzer könnten ein Abo für 9,99 Euro im Monat oder bis zu vier Terabyte Speicher für rund 30 Euro kaufen. Mega plane auch Anzeigen, aber nicht in naher Zukunft. Wieviel in das neue Projekt investiert wurde, verrät Batato nicht. «Wir tolerieren keine Piraterie», sagte auch Batato. «Es gibt strikte Auflagen und wir werden alle Gesetze einhalten.» (dpa)
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