Die Zukunft spielt sich auf einem kleinen Bildschirm ab, mit einer Diagonale von neun Zentimetern. Ungewohnt plastisch hüpfen dort Figuren herum. Der Bildschirm ist tragbar, er gehört zu der „3DS“-Konsole von Nintendo. Der ersten Konsole, auf der in 3D gedaddelt werden kann – ohne lästige Brille. In Deutschland ist er erst ab März 2011 erhältlich, für 250 Euro.
Die Neuheit wird der japanische Videospielgigant auf der Gamescom zwar nur dem Fachpublikum präsentieren, doch 3D ist eines der wichtigsten Themen der Branche. Nintendos bisherige Präsentationen haben bei der Konkurrenz für Erstaunen gesorgt. In ersten Tests überzeugte das Gerät mit dem auto-stereoskopischen 3D-Effekt direkt: Die Bilder sind mit einer Auflösung von 800×240 Pixel gestochen scharf, die Farben werden hervorragend dargestellt. Das Bild scheint größer als die neun Zentimeter Diagonale. Man hat den Eindruck, als seien hinter dem Bildschirm noch einige Zentimeter mehr Tiefe vorhanden.
Dass die neue Entwicklung auch bei Computer, Playstation 3 und Xbox 360 zum Durchbruch der 3D-Technik führt, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn Nintendo hat den Effekt nur dadurch erreicht, dass für die neue Technik die kleinste Konsole überhaupt ausgesucht wurde. Im Gegensatz zu den großen Bildschirmen schaut der Nutzer hier automatisch frontal auf den Bildschirm. Würde er schräg von der Seite schauen, wäre das Bild unscharf. Die dreidimensionalen Bilder werden zudem nur auf dem oberen der beiden Bildschirme hergestellt, der untere dient als berührungsempfindlicher Touchscreen.
Im Gegensatz dazu spielt bei größeren Monitoren der Blickwinkel eine Rolle – und damit ist die Shutterbrille unabdingbare Voraussetzung für den 3D-Effekt. Viele Nutzer haben aber keine Lust, während des Spielens eine Brille zu tragen. Bei einer Umfrage des Fachmagazins Gamestar gab ein Drittel an, 3D-Spiele auf dem PC oder großen Konsolen deswegen nicht nutzen zu wollen. Außerdem ist das Gestell mit ungefähr 100 Euro nicht günstig.
Probleme, an denen sich nach Expertenmeinung sobald nichts ändern wird. „Ich sehe im Moment keine Möglichkeit, auch auf größeren Fernsehern dreidimensionale Bilder ohne Brille sehen zu können“, erklärt Markus Schwerdtel von der Fachzeitschrift Gamepro. Zudem gebe es bislang noch nicht ausreichend Software. Auch Wissenschaftler Ralf Schäfer, der sich am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut mit der Materie beschäftigt, schätzt, dass die Technik erst in sechs bis sieben Jahren so weit sein werde.
Und dann gebe es da noch ein Problem, so Schäfer: „Will man wirklich ständig dreidimensionale Bilder haben? Wahrscheinlich nicht.“ Das dachte sich übrigens auch Nintendo. An der 3DS ist ein Schieberegler angebracht, mit dem sich der 3D-Effekt nicht nur regulieren, sondern sogar abschalten lässt.
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