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Facebook-Chronik: Wie sich Nutzer auf die Chronik umstellen

Facebook hat angekündigt, für alle seine Nutzer die Chronik einzuführen. Seit Dezember konnten Mitglieder des weltgrößten sozialen Netzwerkes diese neue Darstellung ihrer Profilseite, die international die Bezeichnung Timeline trägt, bereits freiwillig installieren. Nun wird sie für jeden verpflichtend.

Kann ich die Umstellung auf die „Chronik“ nicht doch verhindern?

Nein.

Wann ist es endgültig soweit

Facebook spricht davon, die Chronik werde „in den nächsten Wochen für alle Nutzer weltweit verfügbar sein“. Der zum Teil in Medien kolportierte Stichtag 1. Februar sei falsch, betont die deutsche Facebook-Sprecherin Tina Kulow. Die Umstellung erfolgt schrittweise und kann auch für Nutzer in Deutschland zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten wirksam werden.

Woran erkenne ich, dass mein Profil umgestellt wurde?

Nach erfolgter Freischaltung finden die Nutzer einen Hinweis auf ihrer Startseite. Sie werden dann zu einer „Chronik-Tour“ eingeladen. Auf dieser werden das neue Layout und die möglichen Einstellungen vorgestellt. So hat etwa jede Profilseite nun ein Titelbild, das fast über die gesamte Breite des Bildschirmes geht und ausgewählt werden muss. Die Beiträge und Kommentare werden in zwei Spalten angeordnet, was viele Umsteller im ersten Moment als gewöhnungsbedürftig und unübersichtlich empfinden.

Das gilt es beim neuen Facebook-Profil zu beachten

Bildergalerie ( 13 Bilder )

Werden andere Inhalte in meinem Profil sichtbar als vorher?

Nein. Facebook übernimmt die Grundeinstellungen für die Privatsphäre, ob ein Eintrag also grundsätzlich für alle Freunde, eine bestimmte Teilgruppe oder die gesamte Öffentlichkeit sichtbar ist. Diese Einstellungen können jederzeit geändert werden, auch für einzelne Beiträge. So kann ein Foto des Nachwuchses etwa nur für Familienmitglieder freigegeben werden, ein Kommentar zur Euro-Rettung aber für alle. Solche Unterscheidungen können mit der Chronik auch rückwirkend getroffen werden.

Wieso heißt die Chronik so?

Alle Inhalte des Profils werden entlang eines Zeitpfeils dargestellt. Um etwa zu Beiträgen aus dem Jahr 2008 zu gelangen, muss der Nutzer nicht mehr ewig nach unten scrollen, sondern kann direkt auf das Jahr klicken. Damit werden ältere, freilich aber auch vergessene Inhalte viel leichter auffindbar. Facebook fordert die Nutzer auf, biografische Höhepunkte aus der Vergangenheit nachzuliefern – Fotos etwa von der Einschulung, der Abifeier oder vom Frankreich-Urlaub 1993. Außerdem sollen die Aktivitäten der Nutzer in der Chronik verzeichnet werden. Anwendungen etwa von der britischen Tageszeitung The Guardian oder vom Musik-Streamingportal Spotify notieren für alle sichtbar, was und wann der Nutzer gelesen oder angehört hat.

Kreativ die Facebook-Chronik nutzen

Bildergalerie ( 24 Bilder )

Wie kann ich etwas verbergen?

Nach der Freischaltung hat jeder Nutzer sieben Tage Zeit, die Inhalte seiner Chronik zu prüfen. Erst dann geht das Profil online. Sollte später Unerwünschtes auftauchen – neben jedem Posting, Link oder Foto findet sich ein Button mit der Option „Beitrag löschen“. Damit wird der Inhalt unsichtbar. Wer nicht will, dass der Facebook-Freundeskreis erfährt, was er im Guardian liest, sollte die App einfach wieder abschalten – oder solche Anwendungen einfach gar nicht erst aktivieren.

Die neue Facebook-Chronik - Pro und Contra
Contra: Timeline ist eine Klebfalle

Die Wissenschaft kennt mindestens fünf Typen von fleischfressenden Pflanzen. Sie unterscheidet zwischen Pflanzen mit Klebfallen, Klappfallen, Saugfallen, Fallgrubenfallen und Reusenfallen. Die Natur ist erfinderisch, hinterhältig, fies bei der Jagd nach Beute. Genauso ist Facebook. Das neue Design Timeline ist Beweis dafür: elegant, übersichtlich, einfach zu bedienen. Das animiert Nutzer dazu, Facebook weitere Informationen in den Rachen zu werfen. Es ist doch alles ganz harmlos.

Es ist überhaupt nicht harmlos. Facebook wird immer kreativer, wenn es darum geht, an die Daten seiner Nutzer zu kommen. Davon sollte die Tatsache nicht ablenken, dass Facebook mit der Timeline vorerst keine zusätzlichen Daten gegen den Willen des Nutzers speichert, dass sich nichts an den Datenschutzbestimmungen ändert. Denn Timeline bereitet nur den Boden für das weitere Datensaugen. Woher man das jetzt schon wissen will? Ganz einfach: Das Geschäftsmodell von Facebook basiert auf dem Datensammeln.

Facebook strebt einen Börsenwert von 80 bis 100 Milliarden US-Dollar an. Dieses Geld liefern Investoren nur, wenn sie dafür eine Dividende erhalten. Die erhalten sie nur, wenn Facebook Gewinne erzielt. Dafür muss das soziale Netzwerk seine Mitglieder ausbeuten. Es muss Werbekunden möglichst genaue Profile liefern, Gruppen von Nutzern zusammenstellen, die sich für bestimmte Produkte interessieren: die Filme lieben, Zahnschmerzen haben, Katzenfutter kaufen, auf Weltreise gehen wollen, eine Beerdigung planen.

Je stärker Facebook wachsen, je mehr Gewinn das Unternehmen machen will, desto weiter muss es in die Privatsphäre vordringen. Timeline ist das Mittel dazu. Es ist die Aufforderung an die Nutzer, ihr Intimstes einem gewinnorientierten Konzern anzuvertrauen.

Jedem muss klar sein, was mit diesen Daten passiert, dass er darauf keine Einfluss mehr hat, sobald er sie bei Facebook abgelegt hat. Datenschutzbestimmungen von Facebook werden immer verklausulierter, trickreicher, so dass kein Nutzer mehr durchsteigt. Wir wissen nicht, was Facebook speichert, wir wissen nicht, wie Facebook speichert.

Wir wissen aber, dass Facebook Daten schon verloren hat und dass Facebook alle Daten speichert – auch die, die der Nutzer gelöscht hat. Sie sind bloß nicht mehr sichtbar.

Das neue Format Timeline ist die Kleb-Saug-Klapp-Fallgruben-Reusenfalle von Facebook. Sie sieht verlockend aus – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir uns darin verfangen. Daniel Baumann

Datum:  31 | 1 | 2012
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